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Schwester rettet Bruder das Leben

Blutkrebs veränderte Karl-Heinz Kubans Welt. Doch der Görlitzer hatte sehr viel Glück. Sein genetischer Zwilling war der rettende Engel.

Annelies Kuban (rechts) rettete ihrem Bruder Karl-Heinz mit einer Stammzellspende das Leben. Darüber freut sich auch dessen Ehefrau Gisela.
Annelies Kuban (rechts) rettete ihrem Bruder Karl-Heinz mit einer Stammzellspende das Leben. Darüber freut sich auch dessen Ehefrau Gisela. © Nikolai Schmidt

Karl-Heinz Kuban kam gerade braun gebrannt und gut erholt aus dem Urlaub aus der Dominikanischen Republik. Wieder zu Hause, besuchte er wie sonst die Sauna. Und fiel  um. Aus dem Nichts heraus war ihm plötzlich schwarz vor Augen geworden.

Er hatte eine akute Leukämie, Blutkrebs. Die Diagnose bekam der Görlitzer im April 2004. Da war er 69 Jahre alt. Dass Karl-Heinz Kuban noch lebt und mit seinen heute 85 Jahren ziemlich fit ist, verdankt er seinem genetischen Zwilling.

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"Meine kleene Stammzelle"

Den zu finden, war ein Riesenglück für den Görlitzer. Sein genetischer Zwilling ist seine Schwester Annelies Kuban. "Meine kleene Stammzelle", sagt der Bruder heute manchmal scherzhaft zu seiner Schwester, die ein Jahr jünger ist als er. 100 Prozent Übereinstimmung der Gewebemerkmale ermöglichten die Stammzellspende durch die Schwester für ihren Bruder. Zu den Geschwistern gehört ein weiterer Bruder, der sich seinerzeit ebenfalls testen ließ. "Bei ihm gab es nur 50 Prozent Übereinstimmung", erklärt Karl-Heinz Kuban. Also war die Schwester die erste Wahl.

Für die ebenfalls in Görlitz lebende Frau war es gar keine Frage, dass sie ihrem Bruder hilft. "Obwohl die ganze Prozedur nicht ohne ist", sagt sie. Eine ganze Woche lang war sie ebenfalls im Dresdner Uni-Klinikum,  erhielt Spritzen für die Anreicherung von Stammzellen, die ihr dann entnommen wurden. Das Leben ihres Bruders war es ihr wert.

"Ich hatte dort ein Erlebnis, das ich nicht vergessen kann", erzählt Annelies Kuban. Im Krankenzimmer ihres Bruders lag ein Mann mit der gleichen Diagnose. Doch der hatte nicht so viel Glück. Seine Schwester ließ sich nicht testen, ob sie als Stammzellspenderin überhaupt infrage kommt. "Dementsprechend verzweifelt war der Mann", erinnert sich Annelies Kuban. Sie weiß nicht, ob es für diesen Mann einen Stammzellspender gab.

Familie zusammengeschweißt

Karl-Heinz Kuban erhielt nach langer Behandlung im Uni-Klinikum, unter anderem mit drei Chemotherapien, schließlich 72.000 Stammzellen von seiner Schwester übertragen. Die Behandlung schlug an. Im Dezember 2004 durfte der Bruder das Klinikum verlassen. Bis zum nächsten Sommer war er aber häufig noch dort zu Behandlungen und Visiten. 

Karl-Heinz Kubans Ehefrau Gisela (80) erinnert sich an die Zeit der Erkrankung ihres Mannes: "Die Diagnose war furchtbar, man denkt, die Welt bricht zusammen", erklärt sie.  "Es war eine ungewisse Zeit. Ging es ihm schlecht,  war ich sehr beunruhigt, ging es ihm besser, kam Hoffnung auf." 

Mit gegenseitiger Unterstützung meisterte die Familie die schwere Zeit. "Wir hatten schon immer einen engen familiären Zusammenhalt", berichtet Karl-Heinz Kuban. "Im Krankenhaus besuchten mich alle, auch Kinder und Enkel, und machten mir Mut. Das war ein gutes Gefühl und gab mir Halt", erzählt er. Die Krankheit schweißte die Familie noch mehr zusammen. Auch untereinander half man sich.

Kranke Jugendliche sehen lehrt Demut

Bald wollen die beiden Brüder, ihre Schwester und Gisela Kuban wieder Geburtstag feiern. Das machen sie seit 15 Jahren immer am 9. November. Es ist der Tag, an dem Karl-Heinz im Jahr 2004 die Stammzellen seiner Schwester bekam. Diese vier Menschen denken an diesem Tag besonders daran, wie viel Glück sie haben nach der überstandenen Erkrankung. Die Geschwister verstehen sich gut, haben jeweils eine große Familie mit inzwischen vielen Urenkeln. Sie unternehmen viel gemeinsam, halten sich unter anderem mit Wandern und Schwimmen fit.

Vor allem aber ist jeder von ihnen bereit, anderen Menschen zu helfen. Für eine Stammzellspende sind sie zu alt - schon die Spende von Annelies Kuban im Alter von 68 Jahren war eine Ausnahme - aber die Geschwister wissen, dass es sich lohnt, Strapazen auf sich zu nehmen, um ein Menschenleben zu retten. 

Annelies Kuban wünscht sich, dass Jugendliche einmal auf einer Krebsstation sehen könnten, wie ihre Altersgenossen an Krankheiten leiden. "Das würde sicher für mehr Demut und Bescheidenheit sorgen. Das zu sehen, verändert das Denken", ist die 84-Jährige überzeugt. Und deswegen hofft sie, dass sich viele Menschen testen lassen, um für den an Leukämie erkrankten Fußballer Vincent vom Holtendorfer SV einen Stammzellspender zu finden.

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