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Görlitzer Schüler erfinden neue Gemüsechips

Vier Elftklässler gehören zu den Gewinnern eines bundesweiten Wirtschafts-Wettbewerbs. Ob es die Chips bald zu essen gibt, ist aber noch unklar.

Emma Friedrichs, Louise Dobslaff, Johanna Riedel, Johann Ludewig gehören mit ihren Chips zu den Siegern bei "Business at School".
Emma Friedrichs, Louise Dobslaff, Johanna Riedel, Johann Ludewig gehören mit ihren Chips zu den Siegern bei "Business at School". ©  privat

Was tun mit dem Grün einer Möhre - meistens schmeißt man es weg. "Viele wissen nicht, welche Nährstoffe überhaupt drinstecken", sagt Emma Friedrichs. Sie und drei ihrer Mitschüler am Augustum-Annen-Gymnasium haben eine bessere Möglichkeit als den Kompost entdeckt: Aus Möhren - mit Grün - machen sie Chips. "Das funktioniert im Prinzip mit jedem Gemüse." Ihre Idee wird nun sogar zum Patent angemeldet.

Wie bei so vielen Erfindungen: Es war ein langer Weg aus Versuch und Scheitern - bis es geklappt hat. "Der Dörrautomat, den ein Mitschüler uns geliehen hatte, war unser treuester Begleiter in den vergangenen Monaten." Dass die Gemüsechips eine gute Idee sind, finden nicht nur die Schüler selbst: Sie haben es ins Bundesfinale des Wirtschafts-Wettbewerbs „Business at School" geschafft. Am Montag wurde das Finale ausgetragen - die Görlitzer Schüler schafften es auf Platz drei.

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Und so sehen die Möhren-Chips aus.
Und so sehen die Möhren-Chips aus. ©  privat

Augustum-Annen-Gymnasium seit 18 Jahren dabei

"Business at School" wird von der Boston Consulting Group, eine der weltweit führenden Unternehmensberatungen, organisiert. Das Augustum-Annen-Gymnasium macht seit 18 Jahren mit - dieses Jahr mit Treppchen-Ergebnis.

Für die Elftklässler, die in der Sekundarstufe II den Wirtschaftskurs gewählt haben, ist der Wettbewerb fester Bestandteil, erklärt Emma Friedrichs. "Dieses Schuljahr waren wir fünf Teams." Eines bestand aus Louise Dobslaff, Johanna Riedel, Emma Friedrichs und Johann Ludewig. Bei dem Wettbewerb gibt es drei Teile. Zuerst wird eine Aktiengesellschaft untersucht, "da hatten wir Adidas ausgewählt." In Phase zwei geht es um ein bestehendes regionales Unternehmen. Dafür untersuchten die fünf Schüler das Geschäftskonzept von "Bio im Bahnhof" in Görlitz.

Dort sei ihnen auch die Idee gekommen für Phase drei: die Entwicklung eines eigenen Produktes. Die vier Schüler entschieden sich, angeregt von "Bio im Bahnhof", für das Thema nachhaltige Lebensmittel. "Es geht um eine ganzheitliche Nutzung", erklärt Emma Friedrichs. Also darum, etwas in der Natur gewachsenes komplett zu verarbeiten und eben nicht die Hälfte wegzuwerfen. Deshalb heißt das Projekt „Ganzze Pflanzze“. "Unsere erste Idee waren Lebensmittel aus Holz. Wir dachten, es ist ein nachwachsender Rohstoff, vielleicht könnte er auch in der Ernährungswirtschaft eine Rolle spielen", erzählt sie. "Allerdings hatte sich das ziemlich schnell als unrealistisch herausgestellt."

Bestimmt 50 Prototypen getestet

Deshalb Gemüse: Die Chips bestehen aus zwei Schichten. Die eine aus der Möhrenwurzel, die zweite aus einem Püree des Möhrengrüns. Wie haften die Schichten ohne Bindemittel, wie schmecken sie gut ohne Zusatzstoffe, wie verarbeitet man sie, ohne viele Nährstoffe zu entziehen? Dabei spielte der Dörrautomat eine große Rolle. "Damit kann man auf Fette verzichten, das Wasser wird entzogen, die meisten 'guten Stoffe' bleiben aber erhalten." Der Geschmack - eine Frage der Rezeptur. "Wir hatten bestimmt 50 Prototypen." Die unter anderem die Mitschüler probierten. Oder zum Beispiel auch Tobias Czerwonka von der Steuerberatung Lehleiter+Partner in Görlitz sowie Dominic Zedel von Sievon : Unterstützt werden die Schüler des Augustum-Annen-Gymnasiums jedes Jahr von den Wirtschaftsjunioren von Görlitz.

Zuerst gewannen die vier Schüler das interne Schulfinale am Augustum-Annen-Gymasium, zogen dann in die Vorrunde des regionalen Landeswettbewerbs ein. Von dort ging es weiter ins Finale des Landeswettbewerbes in Berlin. Mit dem Sieg dort ging es in den Bundeswettbewerb - ebenfalls bis ins Finale. Dieses Jahr fand all das digital statt. An die Jury-Mitglieder wurden, wenn sie wollten, Probier-Päckchen mit den Chips gesandt. In den Jurys saßen nicht nur Mitglieder der Boston Consulting Group, sondern auch Vertreter anderer, mitunter weltweit agierender Unternehmen.

Görlitzer Chips bald patentiert

Geschmacks-Telefonie gehörte nicht zu den Ideen der Schüler bundesweit dieses Jahr. Aber dafür andere interessante Ideen. Den ersten Platz belegten Schüler aus Bad Honnef, die einen nachhaltigen Grillanzünder aus Kakaobohnenschalen entwickelt haben. Platz zwei geht nach Köln, wo Schüler ein Liniensystem entwickelten, um ein eigenes Basketballfeld zu markieren.

Ob es die Görlitzer Gemüsechips nun bald im Geschäft gibt? Tatsächlich gehörte es zwar dazu, mit realen Partnern Produktionsmöglichkeiten und ein Vertriebssystem zu erarbeiten, erzählt Emma Friedrichs. Allerdings seien das eher theoretische Überlegungen. "Die Patentanmeldung hat das Ganze aber dann doch wieder etwas realistischer gemacht", sagt die 17-Jährige. Parallel lief ein Patent-Wettbewerb, bei dem die Görlitzer Schüler ebenfalls weit kamen: Ihre Chips, Rezeptur und Herstellung, werden jetzt zum Patent angemeldet. Zwei Geschmacksrichtungen gib es: Chili und natural.

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