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Jetzt schon wieder schulfrei?

Seit Montag sind wieder Schulfahrten erlaubt. Auch Wandertage oder Exkursionen. Fahren oder lieber Unterricht - für viele Schulen eine schwierige Frage.

Schüler vor dem Joliot-Curie-Gymnasium Görlitz. Der Regelbetrieb läuft wieder. Aber wie soll es weitergehen mit einst geplanten Schulfahrten?
Schüler vor dem Joliot-Curie-Gymnasium Görlitz. Der Regelbetrieb läuft wieder. Aber wie soll es weitergehen mit einst geplanten Schulfahrten? © Martin Schneider

Die Oberschule Innenstadt fragte die Eltern. Zwei frei verfügbare unterrichtsfreie Tage hat sie, andere Schulen auch: Freimachen oder lernen? Viele Eltern sagten: Nach der langen Zeit von Homeschooling und Wechselunterricht wäre Schule jetzt schon gut, erzählt Schulleiter Thomas Warkus. Allerdings haben etwa genauso viele Eltern für die Frei-Tage plädiert.

„Wir haben uns dann der Empfehlung des Landkreises angeschlossen.“ Viele Grund- und Förderschulen haben auf Empfehlung des Kreises am Freitag und Montag die freien Tage genommen. Auch die Oberschule Innenstadt: Hat ein Schüler Geschwister an einer Schule, die jetzt die freien Tage nahm, können die Familien etwas gemeinsam unternehmen, so der Gedanke.

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Klassenfahrten wieder erlaubt

In den kommenden Wochen dagegen ist durchgängig Unterricht. 90 Schüler an der Oberschule sowie der Abend-Oberschule haben ihre schriftlichen Abschluss-Prüfungen hinter sich gebracht. Nun stehen die mündlichen an. „Wir wollen, dass alle dort erfolgreich rausgehen.“

Im Moment steht vielen an der Oberschule Innenstadt, die Thomas Warkus leitet, ohnehin nicht der Sinn nach Wandertag: Die mündlichen Prüfungen beginnen.
Im Moment steht vielen an der Oberschule Innenstadt, die Thomas Warkus leitet, ohnehin nicht der Sinn nach Wandertag: Die mündlichen Prüfungen beginnen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wie viele Tage für Bildungsveranstaltungen, für Wandertage und Exkursionen zur Verfügung stehen, regelt die sächsische Verwaltungsvorschrift für Schulfahrten. Seit Montag dürfen Schulen in Sachsen auch wieder auf Klassenfahrt gehen.

Weit gereist wird an der Oberschule Innenstadt zumindest dieses Schuljahr nicht mehr. Hier fiel der Entschluss, dass jede Klasse noch einen Exkursionstag nehmen kann, „auch, um noch mal ein gemeinsames Erlebnis in den Klassen zu schaffen“. Es soll an ein Ziel in Görlitz gehen. „Aber ich glaube, mit dem Berzdorfer See, der Landeskrone, unserer Museenlandschaft wird sich sicher etwas finden“, sagt Warkus. In der letzten Woche ist das Sportfest, auch die Schüler-Auszeichnung. „Aber es wird dieses Mal um andere Kategorien gehen.“ Weniger um Schulleistung, sondern um Schüler, die in der Corona-Krise etwa ganz neue Seiten von sich gezeigt haben.

So viel Unterricht wie möglich

Es sei ein schwerer Entschluss gewesen, der an der Oberschule Niesky bereits im März fiel: Klassenfahrten, Wandertag, Exkursionen oder Sportfeste werden dieses Schuljahr nicht mehr stattfinden. Das Praktikum der Vorabgangsklassen kann auf freiwilliger Basis durchgeführt werden, erklärt Schulleiter Norbert Kavel. „Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber die Gesamtlehrerkonferenz hat sich zu diesem Schritt durchgerungen, um so viel Unterricht wie möglich in diesem außergewöhnlichen Schuljahr durchführen zu können.“

An der Oberschule Kodersdorf fällt die Entscheidung nächsten Montag, erzählt Schulleiterin Kathrin Capitain. Die Tendenz unter den Lehrern, ist ihr Eindruck, geht eher Richtung Unterricht. „Im Moment sieht es so aus, dass es keine Einschränkungen mehr gibt in diesem Schuljahr. Ich denke, wir sind gut beraten, diese Zeit zu nutzen, wieder eine Normalität aufzubauen“, sagt sie. „Wir haben zum Beispiel unsere Schulhof-Aktivitäten wieder aufgenommen“. Vor allem gehe es darum, die Kinder wieder ankommen zu lassen an der Schule. Andererseits sei es auch wichtig, die Klassen wieder zusammenzuschweißen. So sind Klassenunternehmungen nach jetzigem Stand für die letzte Schulwoche vorgesehen. Auf jeden Fall soll eine einheitliche Lösung gefunden werden.

Bei Exkursionen zum Beispiel nennt Kathrin Capitain noch eine andere Schwierigkeit: Sie müssen auch vorbereitet werden. Kurzfristig könnte das schwierig werden.

Abschlussfahrten: "Dann sollen die Schüler auch fahren"

„Es gibt bei uns keine festen Vorgaben“, sagt Andreas Müller, stellvertretender Leiter des Joliot-Curie-Gymnasiums Görlitz. Einerseits: „Wir wollen schon sehen, dass wir effektiv vorankommen und wir etwas wieder gutmachen.“ Die zwei schulfreien Tage werden die beiden letzten Tage vor den Ferien sein, „das tut nicht so sehr weh.“

Auf der anderen Seite: „Wenn zum Beispiel Abschlussfahrten geplant sind, dann sollen die Schüler auch fahren. Sie kommen so zum letzten Mal zusammen.“ Von einer zehnten Klasse weiß Müller, dass sie in der letzten Schulwoche wegfahren werden. Im jetzigen Schuljahr sind nur Fahrten im Inland möglich, „da muss man auch sehen, was kann man noch buchen.“ Eine andere Klasse möchte noch ihre drei Wandertage nutzen. Mit großer Sicherheit sollen im neuen Schuljahr, im September, die Schulfahrten der künftigen Zwölftklässler stattfinden.

Lernen ist nicht alles

Auch an der Oberschule Rauschwalde ist für den September die nächste Schulfahrt in Planung, die Kennlernfahrt der neuen Fünftklässler. Zwei Seiten sieht auch Schulleiterin Winnie Scholz-Kunitz. Die variablen Frei-Tage hat die Schule bereits genommen, „wir ziehen jetzt unterrichtstechnisch durch.“ Aber gerade für die jüngeren Schüler soll es in den letzten Schulwochen nicht nur um Lernstoff gehen: Der pädagogische Anteil der Arbeit sei gerade jetzt auch wichtig. "In der Gruppendynamik der Klassen haben die vergangenen Monate schon einiges verändert", erzählt sie.

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Auch die Abschlussfahrten der Zehnten finden an der Oberschule Rauschwalde immer bereits zu Schuljahresbeginn statt. Dennoch, „ich denke, den Schülern ist dieses Schuljahr eine Menge genommen worden.“ Große Mühen liegen deshalb darauf, den Abschluss feierlich zu gestalten – mit Zeugnisausgabe, mit Abschlussfeier. Ob Letztere in den "Zwei Linden" in Rauschwalde stattfinden kann, da ist Winnie Scholz-Kunitz noch unsicher. Aber wenn nicht - dann wird unter freiem Himmel am Berzdorfer See gefeiert.

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