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Schulen ab Donnerstag im Wechselunterricht

Auch die Kitas dürfen eingeschränkt wieder im Landkreis Görlitz öffnen. So manche Schule geht davon aus, dass bald sogar alles wie früher ist.

Endlich wieder richtig Schule: So wie hier in der Comeniusschule in Mücka geht es für viele Schüler am Donnerstag wieder los - aber mit Abstand.
Endlich wieder richtig Schule: So wie hier in der Comeniusschule in Mücka geht es für viele Schüler am Donnerstag wieder los - aber mit Abstand. © André Schulze

Noch am Dienstagvormittag hatten viele Schulleiter Fragezeichen in den Augen. Öffnen oder nicht? Öffnen schon ab Donnerstag? Ist es nur ein Kann oder doch ein Muss? Am Mittag dann die Nachricht des Kultusministeriums an alle: Die Schulen und Kitas in den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge dürfen ab Donnerstag für Wechselunterricht und die Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb wieder öffnen. Denn die Sieben-Tage-Inzidenz lag mit Stand Dienstag seit fünf Werktagen unter 165. Einige warteten dann noch auf eine Meldung des Landkreises, so äußerte sich auch die Görlitzer Stadtverwaltung zunächst abwartend auf die Frage, ob sie die städtischen Kitas wieder öffne. Doch auch der Kreis bestätigte dann: „Alle Regelungen zu Verschärfungen und Lockerungen sind im Infektionsschutzgesetz des Bundes enthalten. Die Inzidenz liegt heute den fünften Werktag in Folge unter der 165er Marke. Damit ist eine Öffnung von Schulen und Kitas zum 20. Mai rechtens.“

So nach und nach fanden sie dann im Laufe des Tages auch die Informationen an Eltern und Schüler auf den Webseiten der Schulen. Auch Martin Lipinski, Schulleiter der Reichenbacher Grundschule, schaute erst am Vormittag immer wieder auf den Computer: Wann kommt nun die Information, wie es mit dem Unterricht weiter geht? Die Grundschule hatte bereits die Elternbriefe vorbereitet und konnte sie schließlich mit der Bekanntgabe der Entscheidung versenden. Der Unterricht wird in Reichenbach im wöchentlichen Wechsel für die geteilten Klassen stattfinden. Genau wie viele andere Schulen wöchentlich wechseln.

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Nächste Woche schon Unterricht für alle?

Steffen Hanke, der Schulleiter der Grundschule Königshufen, berichtete am Dienstag, dass sich die Görlitzer Grundschulen abgestimmt hätten. Demnach starten auch sie jetzt in Lerngruppen, die den Eltern bereits bekannt gegeben wurden. Hanke sagt, das gelte zumindest bis Dienstag. Er ist optimistisch, dass es ab Mittwoch sogar schon wieder Präsenzunterricht für alle Kinder geben könnte. „Zumindest halte ich es für möglich, wenn ich die Entwicklung der Inzidenz so sehe.“

Nun gibt es für die nächsten Tage aber zwei Besonderheiten: Zum einen haben einige Oberschulen die zwei beweglichen Ferientage auf Freitag beziehungsweise den Dienstag nach Pfingsten gelegt, zum anderen sind es durch den Schulstart am Donnerstag und den Feiertag zwei kurze Wochen, sodass es mitunter so ist, dass die Schüler nur drei Tage gehen, also beispielsweise Donnerstag, Freitag und Dienstag und ab Mittwoch die andere Gruppe kommt.

In der Oberschule Reichenbach dagegen hat sich das tägliche Wechselmodell vor der Zeit der Bundesnotbremse bewährt. Eine Gruppe kommt Montag, Mittwoch und Freitag, die andere die beiden restlichen Wochentage. Die Woche darauf wird gewechselt. Das soll, so heißt es vonseiten der Schule, auch jetzt beibehalten werden. So kann jeder Schüler mindestens zweimal wöchentlich die Schule besuchen.

Frank Gröll, Schulleiter vom Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz.
Frank Gröll, Schulleiter vom Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz. © nikolaischmidt.de

Freude auf die Klassenkameraden

In der Görlitzer Melanchthon-Oberschule geht es am Donnerstag mit Gruppe eins los. Hier gibt es die beiden frei beweglichen Ferientage, weshalb Gruppe eins auch noch nächsten Mittwoch bis Freitag dran ist, wie Schulleiterin Uta Dietzel sagt. Die Oberschule Rauschwalde startet am Donnerstag mit den Jahrgangsstufen 7 und 8. Hier kommen alle Schüler, werden aber in Gruppen unterrichtet. Auch hier ist Freitag frei, ab Dienstag geht es mit dem normalen Wechselmodell für alle Jahrgangsstufen weiter, sagt Schulleiterin Winnie Scholz-Kunitz. In der Görlitzer Scultetusschule geht es ebenso wieder im Wechselmodell los, das sei inzwischen ja schon professionalisiert, heißt es von der Schule. Man gehe davon aus, dass sich die Schüler freuen, ihre Klassenkameraden endlich wieder zu sehen und gemeinsam zu lernen.

Wie in vielen anderen Schulen laufen auch in den beiden Görlitzer Gymnasien derzeit die Prüfungen. So ist etwa im Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz am Freitag der Hauptprüfungstag für die mündlichen Abi-Prüfungen. Dafür werden fast alle Lehrer und Räume benötigt, deshalb ist an dem Tag kein klassischer Schulbetrieb möglich. Das wäre aber auch ohne Corona so. Ab Dienstag gibt es wieder normalen Wechselunterricht. Das Joliot-Curie-Gymnasium informierte am Dienstag auf seiner Internetseite, dass die Gruppen eins am Donnerstag in die Schule zurück können, auch hier haben diese Schüler auch die kommende Woche Unterricht, bevor wieder zur Gruppe zwei gewechselt wird.

Zusätzliche Herausforderung: An den Gymnasien ist gerade Prüfungszeit. Personal und Räume werden benötigt, was die Organisation von Wechselunterricht erschwert.
Zusätzliche Herausforderung: An den Gymnasien ist gerade Prüfungszeit. Personal und Räume werden benötigt, was die Organisation von Wechselunterricht erschwert. © André Schulze

Schule zuhause - mehr Qual als Bildung

Auch in der Oberschule Rothenburg ist die Freude groß, dass es wieder losgeht. „Wir sind gut darauf vorbereitet, am Donnerstag den Schulbetrieb wieder aufzunehmen“, sagt Schulleiter Gerold Schulz. Die Unterrichtsräume sind für den Wechselunterricht eingerichtet. Die Schüler haben genügend Abstand zum Banknachbarn. Außerdem hat die Schule ausreichend Schnelltests geordert für Schüler und Personal. Die Mädchen und Jungen dürften sich auf ihre Klassenkameraden und den Unterricht vor Ort wieder freuen, ist sich der Schulleiter sicher. Denn „Schule zu Hause“ ist aufgrund des schwachen Internets in einigen Regionen für manchen mehr eine Qual als Bildung.

Optimistisch auf den Donnerstag schauen die Lehrer in der Oberschule in Kodersdorf. Die Schule ist in jüngster Vergangenheit eine der Leidtragenden gewesen, als der Ort Kodersdorf besonders viele Corona-Fälle zu verzeichnen hatte. Nicht jeder ist schon wieder auskuriert, das ist auch beim Personal der Oberschule zu spüren. „Trotz der Ausfälle ist der Unterricht abgesichert“, sagt Petra Wiedmer als stellvertretende Schulleiterin. Die Grundschule Kreba-Neudorf ist bekannt für ihren jahrgangsübergreifenden Unterricht. Das heißt, die Klasse 1 und 2 lernen zusammen genauso wie die Klassen 3 und 4. So war das bis zum Pandemiebeginn. Schulleiterin Jana Graupner und ihre Kolleginnen hatten bis jetzt nur die Schüler der 4. Klasse im Schloss in Kreba. Alle anderen Klassen wurden zu Hause beschult. Nun freut man sich, wieder alle Schüler im Haus zu haben, obwohl Wechselunterricht angesagt ist. Gewährleistet wird dieser, in dem alle vier Klassen getrennt unterrichtet werden, der jahrgangsübergreifende Unterricht erstmal ausgesetzt bleibt.

An normalen Unterricht nicht zu denken

Schulleiterin Jana Graubner sagt, obwohl wieder alle Mädchen und Jungen in die Schule kommen dürfen, ist an normalen Unterricht wie vor Corona nicht zu denken. Hygienevorschriften sind einzuhalten und zu kontrollieren, Schulsport darf nur sehr eingeschränkt draußen stattfinden und der Wechselunterricht ist eine größere Belastung für die Pädagogen, denn sie müssen den Unterrichtsstoff zweimal vermitteln, für vier Klassen statt nur für zwei.

In Mücka haben die WhatsApp-Nachrichten zwischen Schule, Elternrat und Eltern schon die Runde gemacht mit dem Hinweis, dass ab Donnerstag alle Klassen unterrichtet werden. „Wir sind gerade dabei, die Eltern zu informieren“, sagt Schulleiter Torsten Weiß, als die SZ ihn am Dienstag anrief. Auch auf der Internetseite der Comenius-Schule finden Eltern und Schüler die entsprechenden Informationen vor. In Mücka gilt ebenso der Wechselunterricht. Dieser wird aller zwei Tage vollzogen. Wer zuhause bleiben muss, bekommt die Aufgaben von der Schule mit beziehungsweise lernt vor dem Computer.

Im Nieskyer Schleiermacher-Gymnasium halten am Donnerstag die Schüler ebenfalls wieder Einzug. Konkret äußerte sich die Schulleitung am Dienstag noch nicht dazu, weil Prüfungstag war und sich darauf konzentriert wurde.

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Trotz aller organisatorischer Probleme, die das Wechseln von der Notbetreuung in den eingeschränkten Regelbetrieb und vielleicht wieder zurück mit sich bringt, bereiten sich die Nieskyer Einrichtungen auf die Öffnung am Donnerstag vor. Darüber informiert Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Die entsprechende verbindliche Information hat die Stadt am Dienstag erhalten. Die Verwaltung hofft, bis Donnerstag vor allem das Personal trotz einiger krankheitsbedingter Ausfälle einsatzbereit zu haben. Einschränkungen, was die tägliche Öffnungszeit betrifft, sind gesetzlich erlaubt und die Stadt wird davon Gebrauch machen, wenn es an Personal fehlt. „Ich denke, ich spreche da im Namen aller Erzieherinnen und danke den Eltern für ihr Verständnis“, sagt die Oberbürgermeisterin

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