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Wie gefährlich ist die "Schwarze Hornisse" ?

Verstärkt gibt es Sichtmeldungen zu einem Rieseninsekt – zuletzt vom Berzdorfer See und aus Reichenbach. Das hängt mit dem Klimawandel zusammen.

Sie gilt als friedfertig, fehlte Jahrzehnte in der Oberlausitz: Nun taucht die Große Schwarze Holzbiene in der Region auf.
Sie gilt als friedfertig, fehlte Jahrzehnte in der Oberlausitz: Nun taucht die Große Schwarze Holzbiene in der Region auf. © Constanze Junghanß

Sie ist riesig, ihr Brummen unüberhörbar und stechen kann sie auch: Die „Schwarze Hornisse“ ist in der Oberlausitz angekommen. Sichtmeldung gibt es immer wieder seit 2016 – zuletzt Anfang Juni am Berzdorfer See, wie Dr. Bernhard Seifert, Sektionsleiter Entomologie am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, berichtet. Auch aus Reichenbach gibt es eine Sichtmeldung. Wobei die „Schwarze Hornisse“ in Wirklichkeit gar keine Hornisse ist. Nur ihre Größe – bis zu etwa 28 Millimeter – hat sie mit dieser Art gemein. Das Insekt mit den blauviolett schimmernden Flügeln ist in Wirklichkeit eine Biene - die größte heimische Wildbienenart, die es gibt.

Der Hornissenbegriff dagegen ist völlig falsch, wie Bernhard Seifert bestätigt. „Die solitär lebende Stechimme ist nicht mit den sozialen Faltenwespen, zu denen die Deutsche und Gemeine Wespe sowie die Hornisse gehören, näher verwandt“, erklärt der Insektenkundler. Während Wespen, Hornissen und Co. Nester bauen und Staaten bilden, lebt die Riesenbiene allein. „Sie legt ihre Brutkammern in 100-120 Millimeter tiefen Gängen in Totholz an“, berichtet der Senckenberg-Mitarbeiter. Auf ihrem Speisezettel stehen Pollen und Blütennektar. Die Blaue Holzbiene braucht eine warme Umgebung. Besonnte Randsäume zum Beispiel und Wiesen mit hohem Angebot an Blüten und Totholz.

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Noch ist sie selten zu entdecken

Wer sie zu Gesicht bekommt, hat Glück: Denn noch ist sie selten zu entdecken. Die Große Blaue Holzbiene – von der es übrigens zwei Arten gibt – müsse erst noch eine Population aufbauen. „Jahrzehnte fehlte sie in der Oberlausitz“, sagt Bernhard Seifert. Es gibt zwei Arten: Xylocopa violacea und Xylocopa valga – eine wurde zweifelsfrei in der Region nachgewiesen. Dass sie in auch rund um Görlitz auftaucht, hänge „mit der menschengemachten Klimaerwärmung zusammen, die wärmeliebende Tiere zunehmend bei uns einwandern lässt“, so der Experte.

Wie gefährdet das schwarzblaue Insekt deutschlandweit und in Europa ist, dazu sei die Informationslage noch zu undurchsichtig. In Deutschland nehme sie wegen ihrer Einwanderung zu. So tauchen auch auf Facebook in Insektengruppen immer wieder mal Fotos von dem beeindruckenden Brummer auf.

Doch ist sie aufgrund ihrer Größe und ihres imposanten Erscheinens auch gefährlich? Sie werde schmerzhaft stechen, wenn man sie an ihrem Nest ärgert oder mit den Fingern angreift, vermutet Dr. Seifert. Allerdings seien gefährliche Stichfolgen bislang unbekannt. Laut NABU gilt die Blaue Holzbiene als friedfertig. Und sie scheint auf dem Vormarsch: Ursprünglich in Süd- und Mitteleuropa heimisch, wurde sie hierzulande bei der Insektensommer-Aktion des NABU vor zwei Jahren mehr als dreimal so oft beobachtet wie 2018. In Deutschland steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

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