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Kreis Görlitz: Was tun gegen übervolle Schwimmhallen?

Freie Schwimmzeiten in den Hallen des Kreises sind rar. Selbst in Görlitz. Landrat Bernd Lange hat zwei Vorschläge, wie es besser werden könnte.

Schulschwimmen im Görlitzer Neißebad.
Schulschwimmen im Görlitzer Neißebad. © SAE Sächsische Zeitung

Wer gern schwimmt, freut sich auf die Hallensaison. Doch die Vorfreude könnte getrübt sein. Denn der Ansturm auf die Hallen ist in der kalten Jahreszeit besonders groß.

Bereits in diesem Sommer wurden Badegäste im Trixi-Bad Großschönau wieder nach Hause geschickt: Die Schwimmhalle war voll. Coronabedingt ist die Zahl der Menschen, die sich gleichzeitig in der Schwimmhalle aufhalten dürfen, reduziert. Das und vor allem zu wenig Personal sorgen dafür, dass die Kapazitäten für das öffentliche Schwimmen im Kreis nicht ausreichen. Auch Vereine und die Volkshochschulen könnten mehr Angebote machen, hätten sie mehr Platz und Zeiten in den Hallen.

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Erlebniswelt Krauschwitz. Das Erlebnisbad verzeichnet wachsenden Besucherzuspruch, auch von den polnischen Nachbarn.
Erlebniswelt Krauschwitz. Das Erlebnisbad verzeichnet wachsenden Besucherzuspruch, auch von den polnischen Nachbarn. © freier Fotograf

Görlitzer Neißebad ist zu klein

Eigentlich ist der Landkreis Görlitz gut mit Schwimmgelegenheiten unterm Dach versorgt. Schwimmhallen gibt es in Zittau, Hirschfelde, Görlitz, Rothenburg und Weißwasser. Dazu ein Erlebnisbad in Krauschwitz und das Trixi-Bad. Während der Süden des Kreises mit vielen Freibädern aufwartet, sind es in Görlitz mit dem Berzdorfer See und im nördlichen Kreis viele natürliche Badestellen, die zum Schwimmen einladen.

Wer in der Herbst- und Wintersaison regelmäßig schwimmen möchte, hat hingegen nicht so viel Gelegenheit. Denn die Schwimmhallen im Kreis sind gut ausgelastet - von Vereinen und dem Schulschwimmen vor allem. Freie Schwimmzeiten für jedermann sind rar.

Besonders in Görlitz zeichnet sich ein großer Kapazitätsmangel ab. Große Vereine wie SV Lok Görlitz, DLRG und Postsportverein, aber auch Abteilungen kleinerer Vereine wie die Behindertensportgruppe des SV Gelb-Weiß nutzen die Schwimmhalle. Die Volkshochschule bietet Kurse an. Der großen Nachfrage setzen die Kapazitäten der Halle jedoch Grenzen, erklärt die Volkshochschule. Schwimmkurse für Kinder sind beim SV Lok bis ins Jahr 2023 ausgebucht.

Hallen im Kreis könnten Kapazitäten erweitern

Die meisten Schwimmhallen - außer die Görlitzer - sind aber nicht etwa zu klein, sondern zu wenige Schwimmkapazitäten resultieren aus der Betreibung der Hallen: Es mangelt am Personal. Öffnungszeiten sind zu kurz. In Rothenburg beispielsweise sind derzeit Öffnungszeiten stark eingeschränkt. Bis zum 17. Oktober ist die Halle am Wochenende gar geschlossen.

"Ich ziehe den Hut vor jeder Kommune, die ein Schwimmbad betreibt", erklärt Landrat Bernd Lange (CDU). Auch er kennt das Problem mit freien Kapazitäten in den Schwimmhallen. Dennoch ist er froh, dass der Kreis wenigstens das Schulschwimmen absichern kann, auch wenn sich der Landrat hier effektivere Lösungen wünscht, zum Beispiel die Bündelung der Schwimmstunden in einem ortsnahen Schwimmbad. Durch die Busfahrten zum Schwimmen gehen den Schülern viele Schulstunden verloren. Dem Kreis dagegen entstehen kostenintensive Transportkilometer.

Lösen ließe sich dieses komplexe Problem, ist der Landrat überzeugt, auch wenn Schwimmhallen immer ein Zuschussgeschäft bleiben. Jede Kommune mit einer Schwimmhalle müsse überdenken, wie sie die Halle auslastet. Das öffentliche Schwimmen sollte dabei im Vordergrund stehen, wobei Schul- und Vereinsschwimmen sozusagen als Sockel für die Auslastung dienen.

Die Stadt Zittau wollte die Schwimmhalle in Hirschfelde schließen, der Stadtrat war dagegen.
Die Stadt Zittau wollte die Schwimmhalle in Hirschfelde schließen, der Stadtrat war dagegen. © Matthias Weber/photoweber.de

Wäre ein Zweckverband förderlich?

Vor einiger Zeit - damals gab es noch den NOL-Kreis - hatte der Landrat einen Zweckverband für Schwimmhallen und Freibäder ins Spiel gebracht. "Außer Krauschwitz und Reichenbach wollte keiner mitmachen", erinnert sich der Landrat. Doch ein Zweckverband könne nur effektiv sein, wenn alle dabei sind. Über Kooperationen könnten Spareffekte eintreten, das Personal effektiv eingesetzt werden. Schwimmlehrer zum Beispiel müssten dann den Winter über nicht mehr auf dem Bauhof der Gemeinde arbeiten, sondern könnten in der Schwimmhalle der Nachbargemeinde längere Öffnungszeiten absichern helfen.

Für die Schaffung weiterer Schwimmkapazitäten könnte das Kohleausstiegsgeld ein Anreiz sein. Die Stadt Hoyerswerda saniert und erweitert ihr Lausitzbad mit 20 Millionen Euro aus dem Kohlefonds. Landrat Bernd Lange könnte sich vorstellen, eine Kommune im Landkreis Görlitz bei einem solchen Ansinnen behilflich zu sein. Allerdings müsse es dafür ein schlüssiges Konzept geben.

Beispielsweise für das Görlitzer Neißebad. Der Vorschlag, hier ein zweites Schwimmbecken anzubauen, ist nicht neu. Für Ringolf Herzog, den Geschäftsführer des SV Lok Görlitz, wäre das eine gute Lösung. Die trug er bereits dem Sportausschuss vor und hatte dabei Unterstützung von DLRG und dem Neißebad-Chef. Denn dann müsste er nicht wie andere Vereine auch, unter anderem Kinder wegschicken, weil die Kapazitäten vorne und hinten nicht reichen.

Im Görlitzer Rathaus sieht man für die nächsten Jahre allerdings keinen finanziellen Spielraum im Haushalt für eine solche Investition oder deren Betreibung. Ob eine Erweiterung der jetzigen Görlitzer Schwimmhalle technisch überhaupt möglich und sinnvoll wäre, müsste untersucht werden, heißt es aus dem Rathaus. Eine solche Untersuchung würde aber nur dann erfolgen, wenn eine Umsetzung finanziell überhaupt denkbar wäre.

Der Landkreis selbst kann aus Mitteln des Kohlefonds keine neue Schwimmhalle bauen oder eine bestehende erweitern, sagt der Landrat.

Das Waldbad Niesky ist im Sommer gern besucht.
Das Waldbad Niesky ist im Sommer gern besucht. © SAE Sächsische Zeitung

Verbesserung der Badelandschaft in Kooperation

Einem Zweckverband wäre das aber möglich. Doch nicht die Investition sieht der Landrat als das Problem - schon früher gab es dafür 80 Prozent Fördergeld - sondern die Betreibung. Den ersten Streit gebe es schon, würde eine Schwimmhalle für Löbau oder Görlitz geplant. "Das würde bei den anderen Kommunen keine Zustimmung finden", ahnt der Landrat. Nur: Kleinere Kommunen sind gleich wieder mit dem Betrieb überfordert. Außerdem liegen sie eben nicht so zentral wie Görlitz und Löbau.


Selbst die Qualität an den vorhandenen Standorten zu verbessern, sieht der Landrat nur über einen Zweckverband möglich. Die Badelandschaft müsse ausgebaut und ertüchtigt werden. Auch ganz neue Wege könnten beschritten oder alte Ideen diskutiert werden. Beispielsweise die Überdachung des kleinen, aber feinen Freibades in Ebersbach im Oberland, das der Bürgermeisterin der Spreequellstadt schon einmal vorschwebte.

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