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Plötzlicher Wechsel an der Spitze des Seniorenbeirates

Karin Mohr hatte sich für die Görlitzer Senioren so viel vorgenommen. Doch dann musste sie feststellen, dass der Beirat das falsche Gremium dafür ist.

Karin Mohr gab den Vorsitz des Görlitzer Seniorenbeirats enttäuscht ab.
Karin Mohr gab den Vorsitz des Görlitzer Seniorenbeirats enttäuscht ab. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Karin Mohr, die Neu-Görlitzerin, gab den Vorsitz des Görlitzer Seniorenbeirates zu Jahresbeginn ab. Denn was sie in diesem beratenden Gremium tatsächlich bewirken kann, war ihr nicht genug. Die 76-Jährige sah zu wenig Einflussmöglichkeiten des Beirates auf Belange der Senioren, andererseits bemängelt sie dessen Engagement.

Offenbar verfügt Frau Mohr über ein anderes Amtsverständnis zum Vorsitz des Seniorenbeirates, als es die Satzung hergibt. Karin Mohr wollte nicht nur Stadtratsbeschlüsse im Vorfeld prüfen, ob Belange der Senioren berücksichtigt wurden. Sie wollte viel mehr Positives für Senioren bewirken. Wollte Stolperfallen in der Stadt abbauen und Barrierefreiheit schaffen. Sie wollte Seniorentreffs ankurbeln, schauen, wo noch mehr in Sachen Gesundheit für Ältere zu machen ist und vieles mehr. Aber das ist nicht Aufgabe des Seniorenbeirates, wie ihr offensichtlich erst klar wurde, als sie bereits "Ja" zum Vorsitz gesagt hatte. Insofern erscheint ihr Rückzug aus dem Seniorenbeirat folgerichtig.

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Satzung legt Aufgaben fest

Christian Lange ist nun der Vorsitzender des Beirates. Zwei Wahlperioden - eine umfasst wie beim Stadtrat fünf Jahre - war er bereits der stellvertretende Vorsitzende. Es fand sich niemand anderes, der den Vorsitz wollte, begründet der 73-Jährige nun sein Engagement im zehnköpfigen Seniorenbeirat, der aus sechs Vertretern des Stadtrates und vier aus der Bürgerschaft besteht.

Was der Seniorenbeirat zu tun hat, legt dessen Satzung fest, erklärt Lange. Das ist offensichtlich nicht viel. "Im Wesentlichen berät der Seniorenbeirat den Görlitzer Stadtrat zu allen Fragen, die mit Senioren zu tun haben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger." Das heißt konkret, der Beirat prüft jede Verwaltungsvorlage für den Stadtrat, inwiefern Belange der Senioren zu berücksichtigen sind. Das sind zum Beispiel die Beachtung von Anliegen der Senioren bei Bauvorhaben.

Je besser die Vorlage, umso weniger Arbeit für den Beirat

Je weniger der Seniorenbeirat zu den Vorlagen für den Stadtrat bemängeln muss, desto besser der Beschlussentwurf. "Es ist also ein gutes Zeichen, wenn wir eigentlich nicht gebraucht werden", sagt Lange. In dem Falle arbeite die Verwaltung richtig und beachte Belange der Senioren.

Dennoch prüft der Seniorenbeirat vor den Ratssitzungen die Beschlussentwürfe. Die digitale Vernetzung mache es möglich, schnell auch ohne persönliche Treffen innerhalb des Beirates zu kommunizieren.

Christian Lange betont, dass viele Anfragen an den Seniorenbeirat gelangen, die an das Görlitzer Familienbüro weitergegeben werden. "Da geht es zum Beispiel um Probleme, die Leute mit einem Wasserhahn oder einem Altenheimplatz haben", erläutert er. Hier kann der Seniorenbeirat nicht helfen, aber er kann das Familienbüro informieren. "Wir haben einen guten Draht zueinander", sagt Lange und ergänzt: "Der Görlitzer Seniorenbeirat ist schon lange nicht mehr der Kummerkasten für Senioren."

Christian Lange ist der neue Vorsitzende des Seniorenbeirates in Görlitz. Sein Amtsverständnis ist ein anderes, als es Frau Mohr hat.
Christian Lange ist der neue Vorsitzende des Seniorenbeirates in Görlitz. Sein Amtsverständnis ist ein anderes, als es Frau Mohr hat. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Kreis-Seniorenrat kümmert sich um Ältere

Hier springt offenbar der Kreis-Seniorenrat in die Bresche, der sich mit Seniorenvertretungen im Süden und Norden des Kreises sowie in Görlitz um Belange älterer Menschen kümmert, die mehr sind als Teil von Vorlagen für den Kreistag.

Karin Mohr jedenfalls fand eine Aufgabe, die sie tatsächlich fordert: Sie ist mit Harald Prause-Kosubek die Doppelspitze im Kreisvorsitz der Görlitzer SPD.

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