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Sogar der Fasching geht online

Die Karnevalsvereine der Umgebung schwelgen in Erinnerungen an lustigere Zeiten. Manche versuchen, den Spaß ins Digitale zu verlegen.

Alterspräsident Jürgen Wünsche vom Schönau-Berzdorfer Karnevalsclub hält seine Faschingsrede diesmal per Zoom-Konferenz.
Alterspräsident Jürgen Wünsche vom Schönau-Berzdorfer Karnevalsclub hält seine Faschingsrede diesmal per Zoom-Konferenz. © Stefan Kutsche/Karnevalsclub Sch

Über 200 Leute in einer Faschings-Videokonferenz: Das wird lustig. "Wir hoffen vor allem, dass die Technik mitspielt", sagt Andreas Fechner vom Schönau-Berzdorfer Karnevalsclub. "Aber versuchen wollen wir es auf jeden Fall, um Präsenz zu zeigen und die Zeit ohne echten Fasching zu überbrücken."

Bieten Vereine im Oberland Fasching im Livestream über die Seite herschdurfer-karneval.de an, haben sich die Schönauer dazu entschlossen, alle Interessierten am Samstagabend auf Zoom einzuladen, die von zu Hause aus teilnehmen können. Das Männerballett und die Funkengarden haben in den vergangenen Wochen einzeln Tänze aufgenommen, die in Videozusammenschnitten zu sehen sein werden.

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Der Schönau-Berzdorfer Elferrat in einer Zoom-Konferenz.
Der Schönau-Berzdorfer Elferrat in einer Zoom-Konferenz. © Stefan Kutsche/Karnevalsclub Sch

Das Funkenmariechen tritt per Video auf und manche tragen einzeln oder zu zweit Sketche bei. Das Ganze wird live, in Kontakt mit den Zuschauern moderiert. Wer will, kann seine Kamera anschalten und im Kostüm gesehen werden. Das Motto des Programms heißt aus gegebenem Anlass: "Wisst ihr noch, wie's früher war?"

Karnevalsvereine im "närrischen Stand-by"

Dieses Motto beschreibt wohl das Gefühl der meisten Faschingsfans in diesen Tagen. Alle Karnevalsvereine und ihre Anhänger vermissen in diesem Jahr etwas. Manche hätten bereits am vergangenen Wochenende gefeiert, andere hätten am Donnerstag zum großen Weiberfasching eingeladen. Für viele wäre dieses Wochenende der Höhepunkt des Jahres, bevor die Saison am Faschingsdienstag oder danach mit dem Auskehrball zu Ende geht.

"Aus lauter Langeweile habe ich schon angefangen, zu reimen", sagt Uwe Thomas vom Reichenbacher Carnevalsclub, der in diesem Jahr keine Spaßrede halten wird. Spätestens am 11. 11. sei deutlich geworden, wie sehr der Fasching fehle. 70 Vereinsmitglieder im "närrischen Stand-by": keine schöne Situation. Vor allem tue es ihm leid für die etwa 120 Menschen mit geistigen Behinderungen, für die der Verein sonst immer eine Faschingsfeier im Reichenbacher Kultureimer ausrichtet. Über einen Online-Fasching habe der Elferrat nicht nachgedacht. "Dafür fehlt mir die Fantasie", sagt Uwe Thomas. Aber es sei ein Weg, sich im Gespräch zu halten.

Verkleiden wie hier bisher beim Nieskyer Fasching kann man sich diesmal nur vorm Bildschirm.
Verkleiden wie hier bisher beim Nieskyer Fasching kann man sich diesmal nur vorm Bildschirm. © Karnevalsclub Niesky

Der Rengersdorfer Karnevalsclub hätte seine große Party jetzt schon hinter sich. Es ist der einzige Verein in der näheren Umgebung, der die Weiberfastnacht am Donnerstag vor Rosenmontag mit einem Fest feiert. Dafür besuchen die Rengersdorfer am Sonnabend darauf meist die Feier eines anderen Vereins. "Entsprechend schaue ich diesen Sonnabend vielleicht mal auf Zoom in Schönau vorbei", sagt Vereinspräsident Uwe Bork.

Befürchtung eines Vereinssterbens

Für seinen eigenen Verein aber komme ein Online-Fasching nicht infrage, weil die Technik fehle. "Wir fiebern lieber der Zeit entgegen, in der wieder echtes Feiern möglich ist." Dass der Fasching in bekannter Form in diesem Jahr ausfalle, sei traurig. Und es seien Befürchtungen damit verbunden: Werden "nach Corona" alle mit gleicher Begeisterung dabei sein?

Damit ist Uwe Bork nicht allein. Uwe Thomas aus Reichenbach sagt: "Genau wie viele andere fürchten auch wir, dass sich die Menschen an den Müßiggang im Lockdown gewöhnen und das Vereinswesen ein großes Sterben erfährt." Oder dass es zumindest schwierig wird, alles wieder "in Trab" zu bringen. Auch Udo Fleischer, Präsident des Karnevalsclubs Niesky, sagt: "Hoffentlich erleiden wir keinen Mitgliederschwund, vor allem unter den Älteren."

Der Karnevalsclub Niesky freut sich auf die nächste Saison und hofft, dass dann Fasching wieder wie früher möglich ist.
Der Karnevalsclub Niesky freut sich auf die nächste Saison und hofft, dass dann Fasching wieder wie früher möglich ist. © Karnevalsclub Niesky

Die Nieskyer Vereinsmitglieder halten deshalb Kontakt untereinander. "Besonders die Jüngeren vermissen die Probentätigkeit", sagt Udo Fleischer. Doch wenn es wieder losgehe und auch das Bürgerhaus als Proben- und Auftrittsort des Nieskyer Karnevalsclubs wieder öffne, dann könne der Verein gut da anknüpfen, wo er im Herbst aufgehört hat. Sowohl für den 11.11. als auch für die Faschingstage im Februar seien die Themen "aufgespart". Das sagen alle Vereine und freuen sich darauf, mit viel Vorlauf Programme für die nächste Saison einstudieren zu können.

Auch die Görlitzer nutzen Zoom – zum Training

Zwischen den Vereinen im ländlichen Raum, die ihre Karnevalstradition hochhalten, gibt es noch den Görlitzer Karneval- und Tanzsportverein, dessen Veranstaltungen regelmäßig ausverkauft sind, obwohl Görlitz alles andere als eine Faschingshochburg ist. Die Görlitzer bieten zwar keinen Online-Fasching an, aber auch sie nutzen Zoom: zum Training per Online-Meeting. "So waren wir das ganze Jahr über aktiv", sagt Vereinspräsident Frank Brendler. "Vielleicht haben wir auch deshalb keine Vereinsmitglieder im Lockdown verloren."

Wer am Sonnabend am Schönau-Berzdorfer Fasching online teilnehmen will, kann sich noch kurzfristig auf der Vereins-Homepage www.schoenau-karneval.de als Teilnehmer registrieren. Nach dem Einlass ab 19 Uhr startet er 19.30 Uhr und soll nicht länger als ein Spielfilm dauern. "Wir denken dabei an alle, die sich aus zwei Haushalten zusammentun und gemeinsam teilnehmen möchten", sagt Uwe Fechner aus Schönau. "Sie können dann pünktlich vor der Ausgangssperre wieder zu Hause sein."

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