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Königshain baut Schlossanlagen aus

Für fast eine halbe Million Euro plant die Gemeinde bei Görlitz auf dem Schlossgelände eine historische Remise auszubauen. Für deren Nutzung gibt es erste Ideen.

Stimmungsvoll ging es vor Corona am Barockschloss Königshain zu, beispielsweise bei den Sagenspielen.
Stimmungsvoll ging es vor Corona am Barockschloss Königshain zu, beispielsweise bei den Sagenspielen. © nikolaischmidt.de

Das große Gebäude aus Granitbruchsteinen steht unter Denkmalschutz. Zuletzt befand sich da die Königshainer Turnhalle bis kurz nach der Wende drin. Nebenan im Barockschloss lernten zu DDR-Zeiten die Kinder lesen und schreiben. Schule und auch Kindergarten waren in dem 1764 von Carl Gottlob von Schachmann errichtetem Schloss untergebracht. Nach dem Krieg bot das imposante Bauwerk Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf. Wo vor weit über 100 Jahren ursprünglich die Kutschen untergestellt waren, ist das nun die Technik der Gemeinde. Tische und Bänke für Feste, Regale und Sonnenschirme: Ansonsten Leerstand.

Während Barockschloss und die anliegenden Nebengebäude vor Jahren bereits saniert wurden und hellgelbe Fassaden strahlen, ist das bei der zum Ensemble dazugehörenden ursprünglichen Wagenremise nicht der Fall. Die ungeputzten Wände liegen blank. Die Witterung setzte den Fugen zu – kleine Löcher entstanden, an einigen Stellen bröckelt es. Das Gebäude ist gesichert, das Dach von außen betrachtet intakt. Auch der Allgemeinzustand macht keinen schlechten Eindruck. Und doch will die unsanierte Hülle inklusive des ungenutzten Innenraums nicht so recht zum Gesamtbild der Anlage passen.

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Das Barckschloss Königshain zählt zu den schönsten Anlagen im Görlitzer Umland. Dank der Gemeinde ist es auch gut in Schuss.
Das Barckschloss Königshain zählt zu den schönsten Anlagen im Görlitzer Umland. Dank der Gemeinde ist es auch gut in Schuss. © Archivfoto: Steffen Gerhardt

Das soll sich nun ändern und damit ein lange gehegter Wunsch für das Königshainer Schlossgelände verwirklicht werden: Der Gemeinderat machte den Weg frei für einen Fördermittelmittelantrag. Für knapp eine halbe Million Euro könnte – wenn alles klappt wie geplant – die Remise saniert und ausgebaut werden. Rund 480.000 Euro kostet das, wie Bürgermeister Siegfried Lange in der Ratssitzung erläuterte. 70 Prozent der Gesamtsumme sollen aus dem Fördermitteltopf „Vitale Ortskerne“ fließen.

Hohe Baupreise als Herausforderung

Die Zeit drängt. Nur noch wenige Tage bleibt Zeit, den Antrag einzureichen. Vor zehn Jahren noch hätten die Baukosten nach damaligen Berechnungen 350.000 Euro und damit bedeutend weniger als heute betragen. „Aber die Baupreise sind hoch“, sagte Siegfried Lange. Jetzt im Besonderen – Materialpreise sind die vergangenen Wochen immer weiter in die Höhe geschnellt. Die in der Vergangenheit kalkulierten Kosten erweisen sich demnach aktuell als nicht mehr real.

Dass sich Königshain für den Ausbau entschieden hat, die Gemeinderäte dem auch einstimmig zustimmten, hat nicht nur rein optische Gründe. Die Remise soll der Allgemeinheit zugute kommen. Einerseits, so sagte der Bürgermeister, wird das Schloss gern für Eheschließungen genutzt. Was fehle, sei ein größerer Saal zum Feiern. Das könnte künftig der Granitsteinbau sein. Platz für mindestens 100 Gäste gebe es dann. Eine Gaststätte oder ein Café da zu errichten sei nicht möglich, da wegen der Fördermittel die Gemeinnützigkeit im Vordergrund steht.

Auch nach Corona werden die Flohmärkte zweimal im Jahr das Schlossgelände füllen.
Auch nach Corona werden die Flohmärkte zweimal im Jahr das Schlossgelände füllen. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Joachim Mühle, Vorsitzender des Königshainer Heimatvereins, brachte weitere Nutzungsideen ins Spiel: „Wir können Künstler einladen, Sommerakademien veranstalten“, sagte er. Auch Musik, Konzerte, Lesungen, Kultur sind angedacht. Bei der Remise handele es sich um einen „historisch und architektonisch bedeutsamen Ort.“ Die Chance auf mögliche Fördermittel solle jetzt genutzt werden. Als Vorsitzender vom Heimatverein freut sich Joachim Mühle zusammen mit der Gemeinde, wenn das Gebäude wieder auf Vordermann gebracht und einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden kann.

Anderes Projekt liegt auf Eis

Siegfried Lange brennt noch etwas unter den Nägeln, das mit dem Barockschloss zu tun hat. „Wir müssen uns auch für die Zukunft Gedanken um das Energetische machen“, sagte er. Vor allem die Beheizung sei eine Schwierigkeit. „Das Schloss und die dazugehörigen Gebäude werden noch mit Nachtstrom beheizt. Dafür bezahlen wir ein Wahnsinnsgeld“, so der Bürgermeister. Wann und ob überhaupt umgerüstet wird, steht derzeit nicht fest.

Jetzt hat erst einmal die erhoffte Förderung und der damit verbundene Ausbau Vorrang. Ein anderes schon lange geplantes Projekt hingegen liegt auf Eis. Ursprünglich sollte der ehemalige Kuhstall gegenüber des Wasserschlosses umfangreich saniert und zu einem Kunstdepot für die Stiftung Kunst und Kultur in der Oberlausitz umgebaut werden. Der Kuhstall gehört der Gemeinde. Bisher konnte diese Idee nicht verwirklicht werden. Auch dafür würde Königshain Fördermittel benötigen.

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