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„So was wollen wir nicht noch einmal erleben“

Erste Fälle von Geflügelpest gibt es im Kreis Görlitz. Mit der Tierseuche verbindet der Markersdorfer Zachmann-Hof schmerzhafte Erinnerungen.

Landwirt Christoph Zachmann war schon einmal von der Geflügelpest betroffen. Er gab nicht auf und bewies Mut.
Landwirt Christoph Zachmann war schon einmal von der Geflügelpest betroffen. Er gab nicht auf und bewies Mut. © Nikolai Schmidt

Männer im Vollschutzanzug. Mitten in der Nacht kam der Trupp auf den Zachmannschen Hof.

Eine gespenstische Situation, wie sich Christoph Zachmann erinnert. Der junge Landwirt war damals 28 Jahre alt. Die Vogelgrippe war zuvor bei einer der Enten festgestellt worden. 2008 wurden deshalb alle Gänse und Enten des Markersdorfer Betriebes gekeult. Rund 1.000 Tiere mussten getötet werden. Sie wurden vergast.

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Alle Gänse und Enten auf dem Zachmann-Hof wurden damals getötet.
Alle Gänse und Enten auf dem Zachmann-Hof wurden damals getötet. © Archivfoto: Christian Suhrbier
Kameraden der Feuerwehr waren mit im Einsatz auf dem Hof in Markersdorf.
Kameraden der Feuerwehr waren mit im Einsatz auf dem Hof in Markersdorf. © Archivfoto: Christian Suhrbier

Der Hof war eine ganze Woche lang abgeriegelt, alles wurde tagelang desinfiziert. Auch die Menschen wurden untersucht. „Mit Wattetupfern und Rachenabstrich wurden Proben entnommen“, erzählt Christoph Zachmanns Mutter Eva-Maria. Angesteckt hatte sich zum Glück niemand. „Aber so was, wie damals, wollen wir nicht nochmal erleben. Emotional war das sehr schwierig, obwohl die Versicherung den finanziellen Schaden regelte“, sagt die 66-Jährige.

Zachmanns bewiesen Mut und gaben nicht auf

Zachmanns bewiesen Mut: Im Jahr darauf wurden wieder Enten und Gänse großgezogen. Mit selbst angebautem Futter, einem Riesenauslauf mit mehreren Hektar Wiese und Bademöglichkeiten – fernab jeglicher Stall-Massentierhaltung. Dem Federvieh soll es schließlich gut gehen.

Doch kommen nun diese Bilder von vor fast 13 Jahren wieder hoch? Es gibt Nachweise des Geflügelpestvirus in Sachsen und im Landkreis Görlitz. Im Kreisgebiet wurden mit Stand vom 9. März bei Wildvögeln in fünf Fällen das hoch krankheitserregende lnfluenza-AVirus (HPAIV) nachgewiesen. „Aufgrund der gegenwärtigen hohen Anzahl an Nachweisen bei Wildvögeln im Landkreis Görlitz sowie im Freistaat Sachsen und im gesamten Bundesgebiet muss von einem massiven Auftreten von HPAIV im Wildvogelbestand in der Region ausgegangen werden“, teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Kein gutes Gefühl für Zachmanns, wenngleich sie nicht betroffen sind.

Der Markersdorfer Landwirtschaftsbetrieb befindet sich nicht in dem Gebiet, für welches der Kreis die Aufstallpflicht anordnete. Das ist die Region nördlich der Bundesautobahn 4, rund um den Berzdorfer See, Olbersdorfer See und Bärwalder See sowie entlang der Neiße. Da müssen Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Wachteln, Enten und Gänse eingestallt werden.

Hühnerfutter kommt aus dem Eigenanbau

Bei Zachmanns gibt es aktuell keine Gänse und Enten. „Wir bekommen die als Eintagsküken etwa Ende Juni, Anfang Juli aus Nordrhein-Westfalen geliefert“, sagt Eva-Maria Zachmann. Diese werden dann auf dem Hof großgezogen. Die ersten etwa vier Wochen bleiben die Jungtiere im warmen Stall. Später geht es raus an die frische Luft, die Tiere verbringen den ganzen Tag unter freiem Himmel. Das Futter für die Mast wächst auf den eigenen Feldern. Ein regionaler Kreislauf, der auch bei den Verbrauchern gut ankommt.

Gänse und Enten werden vor allem von privaten Kunden geschätzt. Die kommen auch gern auf den Hof, um Kartoffeln zu kaufen. Da wissen sie, wo die Produkte herkommen - ohne lange Lieferketten und produziert in der Heimat. Die Geflügelmast ist beim Zachmann-Hof ein Nebengeschäft. Vorrang hat die Landwirtschaft mit der Feldbewirtschaftung, dem Anbau von Getreide und Kartoffeln und die kleine Mutterkuhherde.

Auch eine Biogasanlage wird betrieben, die ins öffentliche Netz einspeist und mit deren Abwärme Schule und Kita beliefert werden. Ein Familienbetrieb in zweiter Generation, der in und für die Region da ist. Für dieses Jahr möchten die Zachmanns optimistisch nach vorn schauen. „2021 soll es von unserem Hof wieder Weihnachtsgänse geben“, sagt Eva-Maria Zachmann.

Christoph Zachmann sagt aber auch, falls es noch einmal zu einer solchen schwierigen Situation wie 2008 käme, würde er das Handtuch werfen und die Gänse- und Entenmast einstellen. 2016 im November war sein Hof von der Aufstallpflicht betroffen. Die Tiere, die auf ihre Wiese wollten, mussten im Stall bleiben und sehnten sich nach dem gewohnten Tageslicht. Entsprechend laut war das Geschnatter, entsprechend unwohl fühlten sich Enten und Gänse. Zachmanns hoffen sehr, dass sie das nicht erneut durchmachen müssen.

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