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So viel spenden die Görlitzer

Vor Weihnachten geben viele Menschen mehr Geld für wohltätige Zwecke als sonst. In diesem Jahr ist die Bereitschaft zu unterstützen besonders hoch.

Gähnende Leere in der Görlitzer Straßburg-Passage: Die Spende von 50.000 Euro für deren Geschäfte kommt genau richtig. Tobias Heid übergab sie am Montag symbolisch an OB Octavian Ursu.
Gähnende Leere in der Görlitzer Straßburg-Passage: Die Spende von 50.000 Euro für deren Geschäfte kommt genau richtig. Tobias Heid übergab sie am Montag symbolisch an OB Octavian Ursu. © Paul Glaser

Oberbürgermeister Octavian Ursu brauchte nicht lange zu überlegen, als ihn Tobias Heid bat, die große 50.000-Euro-Spende der Eigentümer der Straßburg-Passage symbolisch und stellvertretend entgegenzunehmen. "Denn es ist eine wirklich bewegende Initiative", sagt Ursu, "und eine Menge Geld."

Erst vor wenigen Tagen erreichte die Immobilienverwaltung Heid und Partner die Botschaft, dass die Eigentümer der Straßburg-Passage in deren Geschäften Gutscheine im Wert von 50.000 Euro kaufen werden, um Unterstützung in diesen harten Zeiten zu leisten. Es soll aber nicht nur eine Spende sein, sondern auch ein Dankeschön: 500 "Corona-Helden", die auf den Intensivstationen der beiden Görlitzer Krankenhäuser und in Pflegeeinrichtungen der Stadt Covid-19-Patienten versorgen, für Kollegen in Quarantäne einspringen und häufig auf Weihnachten im Kreise ihrer Familien verzichten müssen, sollen diese Gutscheine im Wert von je 100 Euro erhalten.

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Corona-Helden gebe es natürlich viele, sagt Tobias Heid, aber den Eigentümern der Straßburg-Passage sei es wichtig, diejenigen zu beschenken, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen, obwohl es sie selbst in Gefahr bringt. Er werde demnächst an die Einrichtungen herantreten und die Gutscheine aufteilen. Weil das vor Weihnachten nicht mehr zu schaffen war, nahm der Oberbürgermeister am Montag den Scheck symbolisch entgegen. "Mehrere Händler haben sich bisher schon positiv über die Aktion geäußert", sagt Tobias Heid, "sie sind dankbar und angetan von der Großzügigkeit."

Familie Straßburg zeigte sich schon früher kulant

Zu ihnen gehört der Tanzschuleninhaber Thomas Matzke. "Die Idee ist klasse, absolute Spitze", sagt er, "weil es eine Win-Win-Situation ist." Dass die Spende nicht nur den Mietern der Passage helfe, sondern auch die Mitarbeiter der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen wertschätze, passe zu Wolfgang Straßburg, den er schon seit Eröffnung seiner Tanzschule Mitte der 1990er kennt.

Schon öfter habe er sich als sehr menschlich und kulant gezeigt, auch in diesem Jahr, als er wegen der pandemiebedingten Schließung der Geschäfte die Mieten in der Passage senkte. Die aktuelle Spende komme für seine Tanzschule nun genau richtig, sagt Matzke, denn besonders vor Weihnachten würden bei ihm sonst viele Gutscheine gekauft und seien eine Basis für die Kursbelegung im neuen Jahr. Auch sei die beantragte Novemberhilfe noch nicht eingetroffen, da helfe aktuell jede Unterstützung. Sobald die Pandemie vorüber sei, wolle er die Zeiten seiner Kurse so legen, dass auch Pflegekräfte im Schichtdienst sie gut besuchen können.

Hoffnung auf weitere Spenden für Künstler

Die Gruppe, die wirtschaftlich neben Händlern und Gastronomen am schlimmsten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist, sind die freiberuflichen Künstler. Sie hatten 2020 nicht nur kaum Auftrittsmöglichkeiten, häufig haben sie auch keinerlei staatliche Unterstützung bekommen. Deshalb kam die Initiative "Kultur ist Leben" von Roger Hillert vom Medizinischen Labor Ostsachsen, Lutz Kühne von der Görlitzer Kommunikationsagentur "Die Partner" und dem Aktionskreis Görlitz genau im richtigen Moment. Von den hier eingehenden Spenden kann der Aktionskreis Künstler, die sich bewerben, für die Zeit buchen, wenn Auftritte wieder möglich sind.

Seit dem Aufruf Anfang Dezember sind bereits über 20.000 Euro an Spenden eingegangen, von Unternehmen wie auch Privatpersonen, die zwei- bis vierstellige Beträge spendeten. "Wir hätten nie gedacht, dass das Projekt eine so überwältigende Resonanz erhält", sagt Lutz Kühne. Die Unterstützung sei auch geleistet worden, indem etwa der Görlitzer Softwareentwickler Drantos die Webseite Kulturistleben-goerlitz.de kostenlos programmierte oder indem Unternehmen den Spendenaufruf an ihre Kunden weiterleiteten. "Somit haben viele dazu beigetragen, dass dieses bedeutende Spendenaufkommen zustande kam", sagt Lutz Kühne.

Zu den Künstlern, die sich beworben haben und deren Auftritte von den Spenden bezahlt werden können, gehören unter anderem der Gitarrist Marc Winkler und die Puppenspielerin Anne Swoboda, der Märchenerzähler Michael Prochnow, die Sängerin Maria Skiba und der Lautist Frank Pschichholz, ebenso die Puppenspielerin Katharina Klinger, der Lyriker Sascha Röhricht mit Benjamin Soldan an der Gitarre und die Musiker Alexander Göpfert und Leon Szostakowski. Die Aktion läuft weiter: Künstler können sich bewerben, und auch Spenden werden weiter entgegengenommen.

17 Auktionen schon bei 6.500 Euro

Auch die Aktion "17 Tage! 17 Auktionen!" läuft erfolgreicher als gedacht. Der Verein Motor Görlitz hat die beliebte jährliche Aktion "17 Tage! 17 Essen!" an den Lockdown angepasst und seit dem 7. Dezember tägliche Versteigerungen organisiert. "Am Anfang hatte ich nicht annähernd daran geglaubt, dass so viel Geld zusammenkommen könnte", sagt Initiator Axel Krüger. Über 6.500 Euro seien bis Montag zusammengekommen. "Wenn wir es schaffen, am Mittwoch die 7.000 zu überschreiten, jubelt das Herz."

Besonders viel Unterstützung habe das Kinderhospiz erfahren, fast 2.500 Euro brachte sein Weingenusspaket ein. Am 22. Dezember werde das Schachspiel versteigert, das der Holzschnitzer Karl-Heinz Krauß mit Figuren des Tuchmacheraufstandes schnitzte. Und wer am Mittwoch die höchste Summe bietet, bekommt im Januar den Weihnachtsbaum vom Untermarkt, sorgfältig zersägt. Nach Spenden unter anderem für das Kinderheim, den Tierpark, das Tierheim, an Anne Spendenfee, die Parkeisenbahn, die Squirrels oder die Görlitzer Werkstätten geht der Erlös aus dem Baum an den Görlitzer Musikschulverein "Johann Adam Hiller".

Letztlich möchten auch die Stadtwerke, die Jahr für Jahr zahlreiche Institutionen aus der Region fördern, besonders Weihnachten Menschen helfen. "Auch in diesem Jahr haben wir uns entschieden, auf Weihnachtsgeschenke für unsere Geschäftspartner zu verzichten", sagt Stadtwerkesprecher Sascha Caron. Das eingesparte Geld spendet das Unternehmen an den Förderverein der Jahnschule zur Förderung und Bildung geistig behinderter Kinder und Jugendliche. "Mit unserer Spende in Höhe von 5.000 Euro möchten wir den Kindern viele leuchtende Momente ermöglichen."

Spenden für "Kultur Ist Leben": kulturistleben-goerlitz.de

17 Tage 17 Auktionen: motor-goerlitz.de

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