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Görlitzer Spielplätze in Not

Görlitz hat Top-Spielplätze, insgesamt aber zu wenig Fläche und wegen der prekären Haushaltslage kein Geld für Neues. Für einiges gibt es aber Förderung.

Alek (links) und Oktawian (rechts) spielen auf dem Spielplatz Brückenstraße.
Alek (links) und Oktawian (rechts) spielen auf dem Spielplatz Brückenstraße. © Martin Schneider

Görlitz. Die Schüler der Görlitzer Diesterwegschule im Stadtteil Rauschwalde können sich freuen. Ihr Hort „Ameisenhügel“ an der Clara-Zetkin-Straße erhält an diesem Dienstag ein neues Klettergelände. An Seilen, Pfosten, Kletterwänden sowie einem Baumhaus mit Rutsche können sich künftig die Sechs- bis Zehnjährigen ausprobieren.

Das Gelände ersetzt den alten Kletterturm, der abgerissen werden musste. Kinder des Hortes brachten sich anschließend in die Neugestaltung mit ihren Wünschen und Vorschlägen ein, seit April wurde die Anlage errichtet. Doch nicht überall sieht es so gut aus mit den Görlitzer Spielplätzen. Dabei wurde in den vergangenen Jahren viel auf diesem Gebiet getan.

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Der schöne Holzspielplatz im Stadtpark ist Touristenmagnet, der Kürbisspielplatz in Ober Neundorf sowieso - und der Seespielplatz am Nordstrand erst recht. Denn es gibt ihn tatsächlich: den Spielplatztourismus. Familien, die extra zu diesem oder jenem Spielplatz fahren, weil er so schön ist - und nicht weil er der näheste ist. Christian Freudrich sieht das mit großer Freude, denn er ist der Mann, der hinter den Görlitzer Spielplätzen steht, der sie alle kennt, die guten und die schlechten.

Von beidem gibt es welche. Auch wenn sich Görlitz in Sachen Spielplätze nun wirklich nicht verstecken muss. Ganze 43 Anlagen gibt es im Stadtgebiet und in den Ortsteilen - auf einer Fläche von insgesamt knapp acht Hektar. Nach einem Richtwert der Deutschen Olympischen Gesellschaft sollten pro Einwohner 1,5 Quadratmeter Spielfläche zur Verfügung stehen. Dazu fehlen Görlitz 1,7 Hektar, was etwa fünf oder sechs großen Spielplätzen entspricht. Beispielsweise gibt es in der Nikolaivorstadt überhaupt keinen Spielplatz, auch in Klingewalde oder Tauchritz nicht.

Die Fußballtore auf dem Spielplatz auf der Friedhofstraße müssen bald weg, weil sie morsch sind.
Die Fußballtore auf dem Spielplatz auf der Friedhofstraße müssen bald weg, weil sie morsch sind. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Von der Märchenlandschaft auf der Friedhofsstraße verschwindet die vordere Hälfte - auch sie ist morsch und nicht mehr sicher.
Von der Märchenlandschaft auf der Friedhofsstraße verschwindet die vordere Hälfte - auch sie ist morsch und nicht mehr sicher. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Der Zaun am Spielplatz auf der Leschwitzer Straße in Weinhübel ist marode und kommt deshalb demnächst weg.
Der Zaun am Spielplatz auf der Leschwitzer Straße in Weinhübel ist marode und kommt deshalb demnächst weg. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Seit seiner Einweihung Anfang Mai 2010 ist der Spielplatz im Görlitzer Stadtpark einer der beliebtesten der Stadt - ja sogar darüber hinaus. Der damals sechsjährige Oscar Hanke aus Radebeul war eines der ersten Kinder, die von ihm Besitz ergriffen.
Seit seiner Einweihung Anfang Mai 2010 ist der Spielplatz im Görlitzer Stadtpark einer der beliebtesten der Stadt - ja sogar darüber hinaus. Der damals sechsjährige Oscar Hanke aus Radebeul war eines der ersten Kinder, die von ihm Besitz ergriffen. © Nikolai Schmidt
Auch wegen seiner Gestaltung im Stil der Kulturinsel Einsiedel ist der Spielplatz im Stadtpark so beliebt.
Auch wegen seiner Gestaltung im Stil der Kulturinsel Einsiedel ist der Spielplatz im Stadtpark so beliebt. © Christian Suhrbier
Einer der neueren Spielplätze: Der Kürbisspielplatz in Ober Neundorf, den nach seiner Einweihung im April 2017 die Kinder der Kita Storchennest aus Ludwigsdorf als erste in Beschlag nahmen. Er ist aber auch bei Familien aus der Stadt beliebt, die extra hierher zum Spielen fahren.
Einer der neueren Spielplätze: Der Kürbisspielplatz in Ober Neundorf, den nach seiner Einweihung im April 2017 die Kinder der Kita Storchennest aus Ludwigsdorf als erste in Beschlag nahmen. Er ist aber auch bei Familien aus der Stadt beliebt, die extra hierher zum Spielen fahren. © nikolaischmidt.de
Ebenfalls noch jung an Jahren: der Spielplatz am Nordoststrand des Berzdorfer Sees. Er erhält zurzeit ein riesiges Sonnensegel für etwas Schatten.
Ebenfalls noch jung an Jahren: der Spielplatz am Nordoststrand des Berzdorfer Sees. Er erhält zurzeit ein riesiges Sonnensegel für etwas Schatten. © André Schulze
Der Spielplatz im Stadtpark - nach wie vor einer der beliebtesten, an mancher Stelle aber auch schon in die Jahre gekommen.
Der Spielplatz im Stadtpark - nach wie vor einer der beliebtesten, an mancher Stelle aber auch schon in die Jahre gekommen. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c
So muss beispielsweise das Boot vom Spieplatz entfernt werden, weil es morsch ist.
So muss beispielsweise das Boot vom Spieplatz entfernt werden, weil es morsch ist. © Martin Schneider
Nicht mehr richtig nutzbar auch der Sandkasten auf dem Spielplatz Uferstraße.
Nicht mehr richtig nutzbar auch der Sandkasten auf dem Spielplatz Uferstraße. © Martin Schneider
Riesenandrang herrschte zur Eröffnung des Spielplatzes "Vogelhäuser in den Bäumen" auf dem August-Bebel-Platz in der Görlitzer Südstadt im Mai 2017. Eine Kinderjury durfte hier die Gestaltung des neuen Spielplatzes mitbestimmen.
Riesenandrang herrschte zur Eröffnung des Spielplatzes "Vogelhäuser in den Bäumen" auf dem August-Bebel-Platz in der Görlitzer Südstadt im Mai 2017. Eine Kinderjury durfte hier die Gestaltung des neuen Spielplatzes mitbestimmen. © nikolaischmidt.de

Noch mehr Sorgen macht Christian Freudrich, der bei der Stadt für Spiel- und Freizeitplätze zuständig ist, aber der Zustand einiger Spielplätze. Im Vergleich zu einer großen Erhebung zu Spielplätzen im Jahr 2012 sind diese zwar zahlenmäßig mehr geworden - damals gab es 37 Spielplätze. Doch sind Sorgenkinder dazu gekommen. Damals waren im Stadtgebiet zwölf Prozent der Spielplätze gefährdet, heute sind es 26 Prozent. Gefährdet heißt, dass Plätze ganz oder teilweise gesperrt werden müssen, Spielgeräte kaputt sind und ausgetauscht werden müssten.

Dafür gibt es eine ganze Reihe Beispiele. So werden in nächster Zeit viele Dinge wegen Verschleiß gesperrt und abgebaut, etwa das Pfahldorfhaus auf dem Spielplatz Sonnenhof, der Zaun am Spielplatz Leschwitzer Straße, der Kletterwald und das Boot auf dem Spielplatz im Stadtpark, Sandspiel und ehemaliges Steinpendel auf dem Spielplatz Uferstraße. Auch die Skateranlage in Weinhübel macht schon länger Sorgen. Vom Kletterwald auf dem Spielplatz Friedhofstraße werden nur noch Schloss und Feenküche übrig bleiben, die weiteren Elemente müssen weg, sie sind morsch, die Podeste durchgefault. Auch bei den jungen Fußballern wird es lange Gesichter geben, denn auch die Tore müssen weg. Das Holz ist angefault, die Gefahr, dass sie mal umfallen, ist da. „Nach knapp 20 Jahren ist das normal“, sagt Christian Freudrich. 15 Jahre sei eigentlich die Halbwertzeit bei Spielplätzen. „Wir wollen auch gar nicht, dass sie viel länger halten. Schließlich wollen wir uns weiterentwickeln, neue Sachen bringen und mit der Zeit gehen.“

Christian Freudrich - in Görlitz der Mann für Grünanlagen und Spielplätze.
Christian Freudrich - in Görlitz der Mann für Grünanlagen und Spielplätze. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

So soll das Thema Inklusion noch stärker eine Rolle spielen. Barrierefreie Spielplätze sind damit nicht gemeint, sondern Spielplätze, wo Kinder mit Handicap ein oder mehrere Spielangebote bekommen. Bislang gibt es in dieser Richtung etwa das Rollstuhlfahrer-Karussell auf dem August-Bebel-Platz. Auch einfache Nestschaukeln gehören dazu - oder dass Fallschutz aus Kies durch Hackschnitzel ersetzt wird. Bei Kies haben Rollstuhlfahrer keine Chance, ans Spielgerät heranzukommen.

Wann immer Spielplätze völlig neu entstehen, möchte Christian Freudrich dem am liebsten Ideen von Kindern zugrunde stellen. So konnten vor dem Bau des Spielplatzes auf dem August-Bebel-Platz Kinder ihre Ideen und Gedanken einbringen, auch in der Jury, die letztlich über den besten Gestaltungsvorschlag befand, saßen Kinder. So soll es beim neuesten großen Vorhaben auch wieder sein: dem Spielplatz im Brautwiesenpark. Hier entsteht ein Teil für größere Kinder und Jugendliche - mit einem Platz für Fuß- oder Basketball, Tischtennis, einem künstlichen Kletterfelsen, wie ihn sich Freudrich und sein Team „schon seit 20 Jahren wünschen“ und der ersten Calisthenics-Anlage im Stadtgebiet. Das ist eine Art Parcours mit Fitnessgeräten im Freien.

Der zweite Teil soll ein großer Kinderspielplatz werden, für den es einen Wettbewerb gibt. Auch hier sollen wieder Kinder in der Jury sitzen. „Darauf freue ich mich schon“, sagt Christian Freudrich. Gestemmt wird das Vorhaben mit Fördermitteln aus dem Topf Brautwiesenbogen. 80.000 Euro stehen für den Spielplatzbauer zur Verfügung, der den Wettbewerb gewinnt. Für solche Möglichkeiten, Spielplätze mit Fördergeldern zu bauen, ist Freudrich froh und dankbar.

Trotzdem drückt ihn der Schuh. Denn im Haushaltsentwurf der Stadt sind für die Spielplätze null Euro eingestellt. Ein ziemlicher Schock. Damit hätte Freudrich trotz des Wissens um die prekäre Finanzlage der Stadt nicht gerechnet. Freilich sind Mittel für Reparaturen da, doch neue Investitionen sind in den nächsten Jahren kein Thema, wenn der Haushalt so durchgeht. „Und was ist danach? Dann haben wir Investitionsstau auf den Spielplätzen und müssen noch mehr sperren oder abbauen. Allein für dieses Jahr bräuchten wir theoretisch schon 200.000 Euro. “

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