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Warum Corona Faustball-Frauen eine ganze Saison kostet

Das junge Görlitzer Team wurde in der 2. Bundesliga in der Halle disqualifiziert. Aber es gibt auch Hoffnung.

Von Frank Thümmler
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Die Görlitzer Faustballerinnen klatschen sich nach einem Punktgewinn ab. Derzeit bereiten sie sich auf die im Mai beginnende Zweitliga-Saison auf dem Feld vor – und wollen das Dilemma in der Halle vergessen.
Die Görlitzer Faustballerinnen klatschen sich nach einem Punktgewinn ab. Derzeit bereiten sie sich auf die im Mai beginnende Zweitliga-Saison auf dem Feld vor – und wollen das Dilemma in der Halle vergessen. © Verein

Görlitz. Wenn es an dieser Stelle in der SZ etwas über die Faustballerinnen von Energie Görlitz zu lesen gab, dann war es immer etwas Positives. Die starke Nachwuchsarbeit über viele Jahre hatte nicht nur dazu geführt, dass die Görlitzerinnen im Nachwuchsbereich deutschlandweit mit den Besten mithalten können, immer wieder Meisterschafts-Endrunden erreichen und auch Nachwuchs-Nationalspielerinnen stellen – sondern auch dazu, dass sie im Frauenbereich inzwischen den FSV Hirschfelde als stärksten Verein Ostsachsens abgelöst haben.

Sowohl im Freien als auch in der Halle spielt Görlitz in der 2. Bundesliga. Jetzt aber verrät ein Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga der Frauen, Staffel Süd: Das Team von Energie ist gestrichen, alle sechs absolvierten Spiele wurden mit 0:2 verloren gewertet. Eigentlich hatten die Görlitzerinnen vier Partien gewonnen, der Klassenerhalt erschien mindestens schon mal sicher.

„Wir hatten keine Chance“

„Ja, wir wurden disqualifiziert“, sagt Maren Ludwig, Trainerin des Teams. Grund dafür sind Nichtantritte der Mannschaft zu zwei Auswärtsspieltagen im Januar. Grund dafür waren die Corona-Auflagen – und, dass es keine klare Line seitens des Verbandes gab. Maren Ludwig erklärt: „Im Dezember konnten wir noch unter der 3G-Regel spielen, starteten mit neun Spielerinnen in die Saison.“ Bei den beiden Partien in Bayern sollte plötzlich die 2G-Regel gelten.

Nun ist es auch im Görlitzer Team so wie generell in der Bevölkerung: Nicht alle jungen, gesunden Menschen haben sich impfen lassen. „Darüber gibt es in unserer Mannschaft auch keinen Streit. Jede akzeptiert jede. Aber durch die plötzlich in Bayern geltende Regel fielen für diese Spiele knapp die Hälfte der Spielerinnen weg.“ Noch hätten die Görlitzerinnen antreten können – im Faustball stehen immer fünf Teammitglieder auf dem Feld. Aber dann erkrankten noch einige geimpfte Spielerinnen (nicht an Corona).

Die Mannschaft war einfach nicht mehr spielfähig – hätte zur Not aber auch Nachwuchsspielerinnen eingesetzt. Aber auch das ging in Bayern nicht: Ausnahmeregelungen gelten nur für Kinder unter zwölf Jahren, anders als in Sachsen. Und Anfang Januar waren die infrage kommenden Nachwuchsspielerinnen einfach noch nicht geimpft. Dies schnell nachzuholen hätte nichts genutzt, weil für das Erreichen des Impfstatus noch eine Karenzzeit vergehen muss.

„Wir hatten also keine Chance, das Problem zu lösen“, sagt Maren Ludwig. Die Folge: Disqualifikation, automatischer letzter Tabellenplatz (und Abstieg), dazu wohl noch eine Strafe. Viel kritisieren will Maren Ludwig nicht, nur: „Es wäre besser gewesen, es hätte von Anfang an eine klare Linie gegeben. Wir hätten dann entscheiden können, ob wir die Saison mit zum Beispiel sechs Spielerinnen durchziehen. Vielleicht hätte sich die eine oder andere sogar noch für eine Impfung entschieden. Dass die Regeln in Bayern so anders sind, auch für die Nachwuchsspielerinnen, haben wir zudem erst so kurzfristig erfahren, dass wir nicht mehr reagieren konnten.“

Trotzdem besteht Hoffnung, dass die Görlitzerinnen auch in der neuen Hallensaison in der 2. Bundesliga spielen können. „Es wurde vereinbart, dass wir erster Nachrücker sind. Momentan zeichnet sich ab, dass nur acht Mannschaften für diese Liga-Staffel zusammenkommen, wir also wieder spielen könnten“, sagt Maren Ludwig, die sich um den Bestand der Mannschaft und die Moral im Team keine Gedanken machen muss: „Wir konnten wegen unseres Kaderstatus‘ immer trainieren, alle Spielerinnen halten weiter zur Stange, und wir bereiten uns derzeit mit viel Kraft- und Ausdauertraining auf die Feldsaison vor“.

Die Spieltermine der 2. Bundesliga dafür stehen bereits fest: Mitte Mai geht es los, die Görlitzerinnen haben drei Heimspieltage. Unter welchen Bedingungen dann gespielt werden kann, steht noch nicht fest. Aber die Hoffnung ist groß, dass bis dahin alle Beschränkungen gefallen sind und dass Thema Corona keine Rolle für die Antrittsmöglichkeit der Mannschaften mehr spielt.