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Görlitzer Handballerinnen feiern den ersten Punktgewinn

Die Görls holen gegen Apolda/Großschwabhausen in der Schlussphase vier Tore auf. Das Spiel offenbart aber auch einige Baustellen.

Von Frank Thümmler
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Nach einem wechselhaften Spiel war die Freude bei den Görlitzerinnen groß.
Nach einem wechselhaften Spiel war die Freude bei den Görlitzerinnen groß. © H.-E. Friedrich

Görlitz. Mit dem Schlusspfiff in der Jahnsporthalle war der Jubel riesengroß, obwohl es nicht der erhoffte erste Saisonsieg der Oberliga-Handballerinnen des Görlitzer HC geworden war. Die Partie gegen die SG Apolda/Großschwabhausen endete 28:28. In den letzten Sekunden waren die Gäste in Ballbesitz, hatten in einer Auszeit einen Spielzug abgesprochen. Eine Görlitzerin kassierte dann auch noch eine Strafe.

Aber die verbliebenen „Görls“ ließen auch in Unterzahl keinen Wurf mehr auf das Tor zu. Angesichts von vier Treffern Rückstand nur vier Minuten vor dem Spielende war der Punktgewinn einerseits ein kleines Wunder, andererseits war in Anbetracht des Spielverlaufs auch ein Sieg möglich.

Die Görlitzerinnen erwischten einen katastrophalen Start, lagen nach sieben Minuten schon mit fünf Toren zurück (1:6) und hatten fortan diese Hypothek zu tragen. Ein auch für die Zuschauer offensichtliches Problem: Die Görlitzerinnen sind eine körperlich kleine Mannschaft. Einige Gästespielerinnen überragten ihre Gegenüber um fast einen Kopf. In der Verteidigung bedeutete das, offensiv mit einem 5:1-System zu agieren, wobei Frieda Thiemann als offensive Spielerin unermüdlich kämpfte und den Gästen vor allem in der zweiten Halbzeit große Probleme bereitete.

Allerdings mussten die Görlitzer Abwehrspielerinnen immer wieder gegen die ballführende Spielerin heraustreten, was Lücken am Kreis und auf den Außen nach sich zog. Vor allem von den Außenpositionen waren die Gäste immer wieder erfolgreich. Im Angriff bedeutete die körperliche Unterlegenheit, auf Tempo zu setzen. Eine echte Schützin wie Klara Klegrova noch vor zwei Jahren fehlt im Aufgebot der Görlitzerinnen, die so gezwungen sind, immer wieder zu versuchen, zum Kreis durchzubrechen oder ein Anspiel an den Kreis oder auf die Außen zu versuchen. Auf der rechten Angriffsseite mit Anna Neumann/Frieda Thiemann gelang das hervorragend, die linke Angriffsseite fiel dagegen etwas ab.

Trotz allem kämpften sich die Görlitzerinnen bis zur Pause (12:14) wieder heran, weil es ab und zu gelang, Bälle in der Abwehr zu gewinnen und zu schnellen Gegenangriffen zu nutzen. Nach dem Seitenwechsel überraschte Anna-Maria Glatz die Gäste mit zwei Toren aus der linken Rückraumposition. „Schön, dass sie sich diese Würfe getraut hat, und besonders wichtig für uns. Es wäre sonst für unsere anderen Spielerinnen immer schwieriger geworden, sich durchzusetzen, weil die gegnerische Abwehr den Fokus nur auf sie legen muss“, erklärt Görls-Trainer Jörg Adam.

Drei-Tore-Führung aus der Hand gegeben

Es folgte die stärkste Phase der Görlitzerinnen, die jetzt immer wieder Bälle in der Abwehr gewannen, das Spiel mit Treffern nach Tempogegenstößen drehten und mit drei Toren in Führung gingen (19:16 und 22:19). In dieser Phase glaubten sicherlich die meisten Zuschauer an einen Sieg der Görlitzerinnen. Aber es kam anders, und das hatte seinen Grund: „Eigentlich hätte ich Marzena Hochman und Anne Neumann schon längst mal wechseln müssen. Beide waren platt. Andererseits hätte es sonst vielleicht diese Phase nicht gegeben“, sagt Adam und rätselt immer noch über die richtige Entscheidung.

Nach dem 22:19 jedenfalls gelangen den Görlitzerinnen in der Abwehr kaum noch Ballgewinne, und im gebundenen Angriff fehlten jetzt ganz offensichtlich neue Mittel. Adams „Werkzeugkiste“ war quasi leer. Die Gäste drehten mit fünf Toren in Folge das Spiel und bauten ihre Führung bis vier Minuten vor Schluss auf vier Tore aus.

Aber auch jetzt, als das Spiel verloren schien, kämpften die Görlitzerinnen unermüdlich weiter. Und tatsächlich gelangen jetzt binnen 75 Sekunden drei Treffer in Folge. Die Gäste waren sichtlich nervös, versuchten Zeit von der Uhr zu spielen. Aber es half nichts: Erneuter Ballgewinn für Görlitz, Clara Pechnig erzielte in der letzten Spielminute den Ausgleich, und den Rest überstanden die Görls.

„Ob das jetzt ein gewonnener oder verlorener Punkt ist, ist nicht mehr wichtig. Ich bin stolz darauf, wie die Mädels bis zum Ende an sich geglaubt und alles gegeben haben“, sagt Trainer Jörg Adam, der Sonderlobe an Anne Neumann, die junge Frieda Thiemann, Anna-Maria Glatz und die athletisch stark verbesserte Marzena Hochman verteilte. Der erste Sieg soll nun am kommenden Sonnabend (ab 18 Uhr) gefeiert werden. Dann kommt Aufbau Altenburg nach Görlitz, eine noch punktlose Mannschaft.

HC Görlitz: Barth, Ressel – Glatz (2), Thiemann (5), Neumann (3), Hochman (7/2), Hamann, Puschmann, Lindner, Pechnig (3), Blasczyk (4), Szramik (1), Girbig (3/1)