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Corona-Pause endet: Warum nicht alle Handballer froh sind

Am Wochenende steigen die ersten Punktspiele. In die Freude darüber mischt sich bei einigen auch Ärger über den Verband.

Von Frank Thümmler
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Der Rietschener Trainer Philipp Domko, der auch schon Koweg Görlitz trainierte, hat einige Kritikpunkte am Neustart.
Der Rietschener Trainer Philipp Domko, der auch schon Koweg Görlitz trainierte, hat einige Kritikpunkte am Neustart. © Archiv: H.-E. Friedrich

Görlitz. Endlich – der Handball kann wieder fliegen. Sachsenliga und die Verbandsligen nehmen an diesem Wochenende den Spielbetrieb wieder auf. Die Sachsenliga-Männer von Koweg Görlitz fahren zum Derby nach Cunewalde, Rietschens Stahl-Männer empfangen am Sonnabend, 14 Uhr, den Verbandsliga-Spitzenreiter Radeberg und die Bernstädter OHC-Handballer fahren am Sonntag zum Spitzenteam ESV Dresden.

Überall ist die Freude groß, dass wieder gespielt werden kann – nach einer langen Pause seit Mitte November. Allerdings reicht die Zeit bis zum offiziellen Saisonende Ende April nicht aus, um die geplante Serie normal zu Ende zu bringen. Der Handballverband Sachsen (HVS) hat deshalb entschieden, nur die Hinrunde zu spielen, damit die Saison abzuschließen und auch zu werten. Es soll Auf- und Absteiger geben.

In Bernstadt, selbst angesichts von 7:5 Punkten nicht vom Abstieg bedroht, gibt es dafür Verständnis: „Die Saison zu verlängern oder in den Osterferien zu spielen ist nicht so einfach möglich. Da sind bei Spielern und Vereinen lange die Termine verplant“, erklärt Torsten Riccius, der Vereinsvorsitzende des OHC Bernstadt. „Und dass eine Wertung wichtig ist, hat uns Vereinen die technische Kommission des Verbandes in einer Videokonferenz nachvollziehbar erklärt. Die potenziellen Aufsteiger von unten wollen hoch, und falls von oben Absteiger in die Liga kommen, könnte die Liga zu groß werden.“

Lange Vorbereitung für wenig Spiele

Bei Stahl Rietschen ist man da etwas anderer Meinung. Trainer Philipp Domko sagt: „In der Mitteldeutschen Oberliga hat man doch auch eine Lösung gefunden, spielt nach der Hinrunde noch eine Aufstiegs- und Abstiegsrunde mit je der Hälfte der Teams. Bei uns kämen nur fünf Spieltage hinzu, und Ostern muss man auch nicht drei Wochen Pause machen. Das wäre also zu schaffen. So haben wir jetzt sieben Wochen Vorbereitung, spielen dann fünfmal mit einer dreiwöchigen Pause mittendrin und warten dann wieder über vier Monate, bis die neue Saison losgeht.“

Beim Sachsenligisten Koweg Görlitz kann man dieses Argument nachvollziehen, ist selbst aber froh, wenn man die ausstehenden fünf Spiele gut hinter sich bringt. Trainer Michael Schuller: „Wir haben mit Marco Brendler und Robert Meißner zwei Senioren reaktiviert, wollen dazu einige A-Junioren einsetzen. Trotzdem wird es schwierig, auch wenn uns natürlich ungemein hilft, dass wir ab Freitag unter der 3G- statt der 2G-Regel spielen können.“ Die sächsische Corona-Schutzverordnung ist gerade rechtzeitig vor dem Handball-Wiederbeginn geändert worden.

"Für uns ist das sehr wichtig. Bei den Männern hätten wir einige Spieler nicht einsetzen können, das Frauenteam in der Ostsachsenliga wäre gar nicht spielfähig gewesen“, sagt Bernstadts Torsten Riccius. Auch in Görlitz und Rietschen entspannt sich durch die 3G-Regel die Personalsituation deutlich. Beide Vereine hatten vor Kurzem (als noch die 2G-Regel galt) Schreiben an den HVS geschickt – vor allem mit der Bitte, den Abstieg auszusetzen, der für beide Vereine noch ein Thema ist. Koweg Görlitz hat in der Sachsenliga 4:4 Punkte, Rietschen in der Verbandsliga 3:9 Punkte. Ihr Argument: Auch wenn vor der Saison alle zugestimmt hatten, dass eine Wertung der Saison auch nach einer einfachen Runde erfolgen kann, konnte damals niemand ahnen, dass am Ende der Impfstatus der Spieler eine entscheidende Rolle für die Spielstärke und Chancen der Mannschaften einnehmen könnte.

Nun ist dieses Argument mit der geänderten Corona-Schutzverordnung weg – zumindest fast. Es bleibt nach wie vor so, dass ungeimpfte Spieler erst an diesem Freitag das erste Mal im Jahr 2022 eine Sporthalle betreten dürfen. Für diese Sportler kann von einer halbwegs vernünftigen Vorbereitung keine Rede sein. Trotzdem können die Mannschaften jetzt auf die alte Stärke aufgefüllt werden, vorausgesetzt, die nötigen Tests fallen negativ aus. Gibt es zu viele positive Tests, können Spiele kostenlos verlegt werden, teilt der HVS mit.

Dass das passieren könnte, damit rechnen viele. „Bei uns waren in den vergangenen beiden Wochen vier Spieler positiv, das Pokalspiel gegen Cunewalde war schon wegen zu vieler Positivfälle bei den Cunewaldern ausgefallen“, sagt der Rietschener Trainer Philipp Domko. „Am Ende könnten also Corona-Tests über unsere Spielstärke und damit den Saisonausgang entscheiden. Das kann doch nicht im Sinne des Handballsports sein“.

Er sieht ein weiteres Problem: „Auch wenn die Spieler nach einer Corona-Infektion offiziell als genesen gelten, kann das Risiko, dass etwas passiert, bei der Belastung eines Spiels noch zu groß sein. Darauf aber nimmt der Verband keine Rücksicht. Ist der Spieler genesen, zählt er sofort zu den spielfähigen Spielern, eine Spielabsage ist dann vielleicht nicht mehr möglich.“ Der Görlitzer Michael Schuller pflichtet ihm da bei: „Wir werden nur Spieler einsetzen, bei denen wir uns sicher sind, dass nichts passiert. Gesundheit geht vor.“

„Nicht vorhandene Kommunikation“

Ob unter diesen Bedingungen – keine Vorbereitung für ungeimpfte Spieler, kurzfristiger Ausfall von positiv getesteten Spielern, Unsicherheit über den Einsatz vor Kurzem infizierter Spieler – die Saison tatsächlich gewertet werden muss, ob also betroffene Vereine tatsächlich mit dem Abstieg rechnen müssen – diese Frage steht im Raum.

„Was uns am meisten stört, ist die nicht vorhandene Kommunikation des HVS mit uns Vereinen. Beim Verband steht offenbar über allem, unbedingt die Saison zu werten und Absteiger zu ermitteln. Das verstehen wir nicht“, sagt Philipp Domko. Das Argument überbordender Ligen will er so nicht stehenlassen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, gebe es auch dafür Lösungen, die anderswo schon praktiziert werden – etwa mit einer Teilung der Liga nach der Halbserie in Auf- und Abstiegsrunde.