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Görlitz ist Sachsens Handball-Nachwuchshochburg

Bei den 13- und 14-jährigen Handballerinnen stellt der Görlitzer HC acht von 20 Spielerinnen in der Sachsenauswahl. Ein Verdienst der Trainerin.

Trainerin Kathrin Täschner (Mitte) hat diese Görlitzer GÖRLS in die erweiterte Sachsenauswahl gebracht: Frida Czich, Hedi Sikora, Mathilde Thun, Nele Adam, Nele Gramelsberger, Charlotte Töpert, Jette Eckhardt und Leonie Baran (v. links).
Trainerin Kathrin Täschner (Mitte) hat diese Görlitzer GÖRLS in die erweiterte Sachsenauswahl gebracht: Frida Czich, Hedi Sikora, Mathilde Thun, Nele Adam, Nele Gramelsberger, Charlotte Töpert, Jette Eckhardt und Leonie Baran (v. links). © H.-E. Friedrich

Endlich wieder richtiger Handball in der Sporthalle. Beim Abschlussspiel der Trainingseinheit der C-Juniorinnen des neu gegründeten Görlitzer Handballclubs Görls bekommt der Zuschauer viel zu sehen: einstudierte Kombinationen, Finten, platzierte und scharfe Würfe, Tempogegenstöße und Paraden der Torhüterinnen – nicht viel anders als bei der Frauen-Oberligamannschaft und offensichtlich auf sächsischem Top-Niveau dieser Altersklasse. Kein Wunder – die meisten Spielerinnen haben Handball schon seit Jahren aufgesogen. Gleich acht von ihnen wurden für die Sachsenauswahl gesichtet und werden versuchen, sich bei einem fünftägigen Camp Ende Juni in diese Auswahl zu kämpfen.

Mehr als nur gut Gene

Acht der 20 besten sächsischen Spielerinnen aus Görlitz – das gab es noch nie und ist angesichts der sächsischen Konkurrenz mit dem BSV Sachsen Zwickau (Aufsteiger in die 1. Bundesliga), HC Leipzig (2. Bundesliga), HC Rödertal (Absteiger in die 3. Bundesliga), dem SC Markranstädt und dem HV Chemnitz (beide 3. Liga) nichts anderes als sensationell. Die meisten anderen Nicht-Görlitzer Spielerinnen mit Aussicht auf die Sachsenauswahl besuchen schließlich Sportschulen.

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„Bislang waren drei oder vier Mädchen von uns das Maximum für eine solche Sichtung“, erklärt Trainerin Katrin Täschner. Die erfahrene Trainerin, die auch eine der Landestrainerinnen ist, weist den Verdacht von sich, dass diese sächsische Altersklasse im Vergleich vielleicht relativ schwach sein und deshalb so viele Görlitzerinnen den Sprung in den Auswahlkreis geschafft haben könnten. „Nein, das ist nicht der Fall. Vielmehr haben wir in Görlitz einen herausragenden Jahrgang“, sagt sie. „Immerhin trainieren die Mädchen schon seit den F-Juniorinnen gemeinsam, inzwischen viermal pro Woche. Die Eltern stehen voll dahinter. Einige Mütter waren selbst sehr gute Handballerinnen“, erklärt die Trainerin und verschweigt natürlich, dass es vor allem ihr Know-how ist, dass die Mädchen – bei allem Einsatz ihrerseits – auf sächsisches Spitzenniveau gebracht haben. Zwei der angesprochenen Mütter sitzen am Spielfeldrand und sagen: „Dieser Erfolg hier ist hauptsächlich das Verdienst von Frau Täschner.“

Die Trainerin kann auch mal hart sein

Dass auch die 13- und 14-jährigen Spielerinnen große Stücke auf ihre Trainerin halten und sie voll respektieren, ist schon auf den ersten Blick zu sehen. Hedi Sikora und Jette Eckardt beschreiben sie als „hart aber herzlich. Auf der einen Seite kümmert sie sich um alles, achtet auch auf unsere Schulnoten. Wenn eine von uns aber mal nicht so richtig mitzieht, kommt schon eine klare Ansprache. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine von uns die Halle verlassen und das Training beenden musste“, erzählen die beiden.

Dass sich dieses hohe Maß an Disziplin, Leistungswille und Ehrgeiz auch lohnen, sehen die Mädchen nicht nur an der jetzigen Sichtung, sondern auch an den Mannschaftserfolgen. Immer dann, wenn sie älterer Jahrgang einer Altersklasse waren, wurde das Team (noch als Koweg Görlitz) auch Sachsenmeister. Es gibt auch Ergebnisse wie 47:2. "Das macht aber keinen Spaß, da sind uns knappe Siege gegen Mitfavoriten viel lieber“, sagt Hedi Sikora.

Sie kommt aus Neugersdorf und ist vor wenigen Jahren nach Görlitz gewechselt, um hier leistungssportlich orientiert Handball zu spielen. Damit ist Hedi Sikora längst kein Einzelfall mehr. Der Görlitzer Handballnachwuchs zieht Talente aus dem ganzen Landkreis an.

Corona bringt Wettbewerbsnachteil

Corona hat viele Monate lang fast alles zum Ruhen gebracht. „Die Mädchen hatten Trainingspläne, es gab auch Videotrainings. Und wir haben, so schnell es erlaubt war, wieder losgelegt, erst in Kleingruppen, jetzt wieder richtig“, erklärt Trainerin Kathrin Täschner. Die Mädchen haben offensichtlich mitgezogen und den inneren Schweinehund immer wieder überwunden. Katrin Täschner ist jedenfalls zufrieden, „wie viel nach dieser langen Pause noch da ist.“ Trotzdem bleibt gerade für das anstehende Trainingscamp, bei dem die Sachsen-Auswahlplätze vergeben werden, ein klarer Wettbewerbsnachteil: Die Sportschulen konnten fast durchtrainieren.

Unabhängig davon, wie viele Görlitzerinnen es nun in die Auswahl schaffen: Der neue Verein setzt auf den Nachwuchs und insbesondere diesen Jahrgang. „Die Mädchen machen gehörig Druck auf uns, auch mit der Frauenmannschaft ambitionierte Ziele anzugehen. In zwei Jahren werden die ersten dieser Mannschaft schon fürs Frauenteam spielberechtigt. Und wir wollen ja nicht, dass sie nach der Schule Tschüss sagen. Sondern sie sollen hier möglichste hochklassig weiterspielen, oder nach dem Studium zu uns zurückkehren“, sagt der sportliche Leiter Jörg Adam.

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