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NFV-Schlammschlacht findet kein Ende

Am 4. Juni soll beim NFV Gelb-Weiß Görlitz eine weitere Vorstandswahl folgen. Jede der zwei Seiten sieht sich im Recht.

Beim Streit beim NFV Gelb-Weiß Görlitz spielt das für den Verein eigentlich wichtigste, der Fußballsport, eine eher untergeordnete Rolle.
Beim Streit beim NFV Gelb-Weiß Görlitz spielt das für den Verein eigentlich wichtigste, der Fußballsport, eine eher untergeordnete Rolle. © Symbolbild: dpa

Die Hoffnung, dass beim NFV Gelb-Weiß Görlitz nach einer Schlammschlacht um den Vereinsvorsitz schnell Ruhe einkehren könnte, scheint sich nicht zu erfüllen. Nach einem Streit und handfesten gegenseitigen Vorwürfen zwischen einer Gruppe um den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Harald Twupack und einer Gruppe um den Präsidenten Carsten Liebig, der bis vor Gericht ausgetragen wurde, hatte das Präsidium des Vereins für Pfingstfreitag zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des einst größten und bedeutendsten Görlitzer Fußballvereins eingeladen und einen neuen achtköpfigen Vorstand mit Jens Eichberg als Vorsitzenden gewählt. Das Protokoll dieser Versammlung ist laut Carsten Liebig inzwischen notariell geprüft und beim Amtsgericht zur Eintragung des neuen Vorstandes ins Vereinsregister eingereicht worden. Also alles klar? Mitnichten. Zumindest aus Sicht von Gegenspieler Harald Twupack.

Eine zweite Wahl könnte Chaos bedeuten

Der bisherige Vorstandsvorsitzende hat gemeinsam mit einem neu zusammengestellten (größtenteils eiligst kooptierten) Vorstand selbst zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Freitag, um 18 Uhr auf dem Sportplatz „Junge Welt“ eingeladen. Auf dieser Versammlung soll ebenfalls ein neuer Vorstand gewählt werden, an dessen Spitze wohl erneut Harald Twupack stehen soll und für den seine Mitstreiter kandidieren. An diesem Termin hält Twupack nach wie vor fest. Er steht auf dem Standpunkt, dass die „Liebig-Mitgliederversammlung“ am Pfingstfreitag nicht satzungskonform war, nie hätte stattfinden dürfen und die dortige Vorstandswahl deshalb nichtig sein wird. Es dürfte also auf eine weitere gerichtliche Auseinandersetzung hinauslaufen. Das Chaos wäre endgültig, wenn Twupack seinen dann neu gewählten Vorstand ebenfalls von einem Notar bestätigen ließe und ihn ebenso beim Amtsgericht zur Eintragung ins Vereinsregister einreichen würde.

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Wörtlich heißt es von Harald Twupack auch bezüglich aller Angriffe auf ihn: „Ich betone, dass ich Belege für meine Aussagen liefern kann und behalte mir weiterhin das Recht vor, juristisch vorzugehen. In jedem Falle werde ich mich nicht zurückziehen. Meine Unterstützer wollen mit der Gruppe Liebig an der Spitze des Vereins nicht zu tun haben. Eltern sind gerade deshalb aufgeregt und alarmiert.“

Nach einem schnellen Ende der Auseinandersetzung hört sich das also nicht an. Beide Seiten sehen sich im Recht. Im Kern geht es darum, welche Mitgliederversammlung nun die richtige ist. Eine Auflage aus einem gerichtlichen Vergleich zwischen den Streitparteien (Twupack sollte vom Präsidium des Amtes enthoben werden, was aber nur eine Mitgliederversammlung kann) besagte, dass der Vorstand unter Harald Twupack in der 17. Kalenderwoche (26. April bis 2. Mai) eine Vorstandssitzung durchzuführen hat, in der eine Mitgliederversammlung vorbereitet wird. Twupack sagt, das habe er am 1. Mai getan und für den 4. Juni eingeladen, zu der Versammlung also, die am kommenden Freitag stattfinden soll. Die Gruppe um Carsten Liebig entgegnet, dass es zu dieser Zeit keinen arbeitsfähigen Vorstand gegeben habe, die Gerichtsauflage damit nicht erfüllt sei, woraufhin das Präsidium am 3. Mai eine Sitzung organisierte und die Mitgliederversammlung am 21. Mai vorbereitete, die inzwischen ja durchgeführt ist.

War der Vorstand noch handlungsfähig?

Am Ende wird es also darum gehen, ob der alte Vorstand am 1. Mai überhaupt arbeitsfähig war. Zum Hintergrund: Twupack hatte gegen Carsten Liebig und sechs weitere Vorstandsmitglieder am 27. April durch einen Gerichtsvollzieher die Einleitung eines Ausschlussverfahrens wegen vereinsschädigenden Verhaltens und anderer Gründe zustellen lassen. Damit sollen laut Satzung alle Funktionen und Rechte als Mitglied, Vorstand und Präsidium ruhen. Im Vorstand blieben demnach nur Twupack selbst, der sehr engagierte Nachwuchsleiter Clemens Simon (der aber längst zur Liebig-Seite gehörte und an dieser Sitzung am 1. Mai nicht teilnahm) sowie aus Sicht von Twupack der Nachwuchstrainer René Leszczynski, den Twupack im Februar per Rundumbeschluss kooptieren wollte. Der alte Vorstandsvorsitzende ist der Meinung, dass dies mit seiner Stimme und sonst ausschließlich Enthaltungen(wegen Nichtabgabe der Stimmen) gelungen sei. Die Liebig-Seite, zu der eine Reihe alter Vorstandsmitglieder gehören, hat aber nach eigenen Angaben die Kooptierung von René Leszczynski fristgerecht durch Stimmabgabe auf der Geschäftsstelle abgelehnt.

So oder so stellt sich die Frage: War der alte Vorstand mit maximal zwei anwesenden Vorstandsmitgliedern überhaupt noch beschlussfähig? Konnte er damit am 1. Mai sechs neue Vereinsmitglieder in den Vorstand kooptieren und eine Mitgliederversammlung vorbereiten? Twupack hält jedenfalls an seiner Sicht der Dinge fest und will sicherlich auch die Versammlung am 4. Juni nutzen, um gegenüber den dann anwesenden Mitgliedern mögliche Ungereimtheiten auszuräumen und wiedergewählt zu werden.

In einer langen E-Mail an die SZ-Sportredaktion versucht Harald Twupack sehr ausführlich, alle Anschuldigungen von sich zu weisen. Er scheibt unter anderem auch, dass er von Carsten Liebig enttäuscht ist, weil der Präsident eine „Twupack muss weg“-Strategie verfolge, nachdem er sich jahrelang sehr eingeschränkt um den Verein gekümmert habe. Seiner satzungsgemäßen Aufgabe, schlichtend zu wirken, komme er überhaupt nicht nach. Dass der Verein derzeit aber in zwei Lager gespalten ist, scheint wenig zu interessieren.

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Die Chance, „gesichtswahrend“ aus dieser Auseinandersetzung zu kommen, scheint verstrichen. Vielleicht wäre es klug, wenn Carsten Liebig, der an den Anschuldigungen gegen Twupack festhält und im Namen des Vereins Strafanzeige gestellt hat, der neu gewählte (und von Twupack nicht anerkannte) Vorstandsvorsitzende Jens Eichberg sowie Nachwuchsleiter Clemens Simon zu der Versammlung am 4. Juni gingen – auch wenn sie diese nicht anerkennen. Vielleicht besteht ja die Chance, den Großteil der dort anwesenden Vereinsmitglieder davon zu überzeugen, dass das Konzept des neuen Vorstands das genau richtige ist – und am Ende geht es ja genau darum – um den Fußball.

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