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Squirrels: Selbstbewusst in zweite Saison

Im ersten Jahr nach dem Aufstieg haben die Görlitzer Basketballer noch viel Lehrgeld bezahlt. Ihre Philosophie aber bleibt.

© H.-E.Friedrich

Wenn die Görlitzer Basketballer am Sonntag ihre zweite Oberligasaison mit einem Heimspiel gegen die BBV Leipzig Eagles eröffnen, wissen sie, was auf sie zukommt. Das konnten die damaligen Liganeulinge vor einem Jahr nur erahnen. Damals war diese Saisonvorschau mit „Charaktertest für erfolgsverwöhntes Team“ überschrieben, weil klar war, dass es mit dem Siegen deutlich schwerer werden würde als in der Landesliga. Es wurde dann auch ein echter Charaktertest.

Die ersten sieben Spiele gingen in Folge verloren. „Wir haben trotz dieser Negativserie an uns geglaubt“, sagt Spielertrainer Philipp Schmidt rückblickend. „Mut gemacht hat uns damals, dass da auch knappe Niederlagen dabei waren, wo wir einen möglichen Sieg erst in der Schlussphase verspielt haben.“ Insgesamt aber, so bestätigt Schmidt, reiche es in dieser Spielklasse nicht, auf Landesliga-Spitzenniveau zu spielen, sei der Unterschied zur Landesliga enorm: Fehler beim Rebound (Sichern des Balles nach einem missglückten Wurf) oder Turnover (Ballverlust) würden sofort bestraft. Die körperliche Härte unter dem Korb ist viel größer, nahezu alle Gegner haben mindestens einen Zwei-Meter-Riesen auf dem Feld. Und fünf schwache Minuten reichen, um das Spiel zu verlieren.

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Am Ende gelingen drei Siege

„Einige von uns mussten ihre Spielweise erst an dieses Niveau anpassen. Da hat die Erfahrung dieser ersten Spiele mehr geholfen als alle Worte vorher“, erklärt Schmidt. Die Lehre aus der Niederlagenserie: Auf dem Feld muss man alles konsequent machen, viel Wert auf jede Kleinigkeit legen. Das Stellungsspiel, etwa um Gegner unter dem Korb auszublocken, ist viel wichtiger. Und all das war und ist Trainingsschwerpunkt. Der erste Oberligasieg am 3. November gegen die Chemnitz Niners III (80:70) sorgte dann für einige Erleichterung. Es gelangen danach, bis zum Saisonabbruch, noch zwei weitere Siege: zu Hause gegen Automation Leipzig (78:66) und am letzten ausgetragenen Spieltag beim damaligen Tabellenzweiten BC Dresden (75:73). „Das war unser bestes Spiel. Da haben wir wirklich 40 Minuten unser bestes Basketball gespielt und am Ende auch die Nerven behalten, sagt Philipp Schmidt. Dieses Spiel habe auch für die Gewissheit gesorgt, in dieser Liga wirklich mithalten zu können.

Selbstverständlich ist das alles nicht. Denn die Görlitzer gehen unbeirrt ihren Weg weiter, im Wesentlichen auf Spieler zu setzen, die im Verein Basketball gelernt haben oder lange im Verein spielen, in Görlitz und Umgebung ihren Lebensmittelpunkt haben. „Stars“ dazugeholt werden nicht. Einzig Plauen (BC Vogtland) hat als kleinere Stadt noch ein Oberligateam, alle anderen Mannschaften kommen aus den großen sächsischen Städten: aus Leipzig (5), Dresden (3) und Chemnitz (2). Dort kann man auf eine viel breitere Basis an Basketballspielern zurückgreifen, auch auf deutsche und ausländische Studenten.

Verstärkungen „einzukaufen“ würde der Philosophie des Vereins widersprechen“, sagt Philipp Schmidt. Bei den Görlitzern bleibt Basketball auch in der Oberliga nach wie vor Hobby. Das Verständnis, dass nicht jeder Spieler zu jedem Training kommen kann, ist groß. Es gibt Schichtarbeiter, viele Spieler haben Familie.

Spielerkader ist riesengroß

Dass der Kader mit 24 Spielern (nur fünf stehen gleichzeitig auf dem Feld) im Vergleich zu den Konkurrenten riesengroß ist, hilft ungemein. Für den Trainer Schmidt ist es da schon eine Herausforderung, die zwölf zu benennen, die überhaupt aufs Spielprotokoll dürfen. „Unsere Philosophie dabei heißt: Harte Arbeit muss sich lohnen. Und jeder auf dem Protokoll wird auch eingesetzt, und wenn es für eine Minute ist.“ Im Klartext heißt das: Wer sich im Training schindet, wird irgendwann auch seine Einsatzchance bekommen, auch wenn ein vielleicht talentierterer Spieler, der vielleicht nicht so viel trainieren kann, dafür auf etwas Einsatzzeit verzichten muss. Diese klare Ansage schweißt das Team, dass auch außerhalb der Halle bei vielen Aktivitäten gemeinsam im Görlitzer Stadtbild auftaucht, seit Jahren zusammen. Ein Nebeneffekt: Leicht auszurechnen sind die Görlitzer für ihre Gegner nicht. Viele Spieler können zweistellig punkten. Es reicht nicht, einen „Topscorer“ auszuschalten.

Tobias Berner (33)
PF/C, GBC seit 2015
Spiele 2019/20: 15
Spiele GBC ges.: 64
Tobias Berner (33) PF/C, GBC seit 2015 Spiele 2019/20: 15 Spiele GBC ges.: 64 © Artjom Belan
Marc Cuderski (25)
PG, GBC st. 2013
Spiele 10/70
Marc Cuderski (25) PG, GBC st. 2013 Spiele 10/70 © Artjom Belan
Kornel Imbierowicz
(29) SG/SF, st. 2017
Spiele 15/37
Kornel Imbierowicz (29) SG/SF, st. 2017 Spiele 15/37 © Artjom Belan
Anton Jurczyk (20)
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Anton Jurczyk (20) SG/PF, GBC st. 2011 Spiele 1/7 © Artjom Belan
Philipp Knebel (37)
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Philipp Knebel (37) SF/PF, GBC st. 2013 Spiele 14/76 © Artjom Belan
Jakub Lachacz (25)
SG/SF, GBC st. 2020
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Jakub Lachacz (25) SG/SF, GBC st. 2020 Spiele 0/0 © Artjom Belan
Nico Neumann (32)
SF/PF, GBC st. 2012
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Nico Neumann (32) SF/PF, GBC st. 2012 Spiele 3/11 © Artjom Belan
Erinyer Rojas (27)
SF/PF, GBC st. 2018
Spiele 14/23
Erinyer Rojas (27) SF/PF, GBC st. 2018 Spiele 14/23 © Artjom Belan
Benjamin Schönfeld (24), PG/SG, st. 2011
Spiele 0/11
Benjamin Schönfeld (24), PG/SG, st. 2011 Spiele 0/11 © Artjom Belan
Tom Schulz (31)
SG, GBC st. 2006
Spiele 3/26
Tom Schulz (31) SG, GBC st. 2006 Spiele 3/26 © Artjom Belan
Ksawery Smyczek (21), SG/SF, st. 2015
Spiele 16/32
Ksawery Smyczek (21), SG/SF, st. 2015 Spiele 16/32 © Artjom Belan
Krystian Ueberberg
(29), PF/C, st. 2014
Spiele 16/68
Krystian Ueberberg (29), PF/C, st. 2014 Spiele 16/68 © Artjom Belan
Cornelius Urban (29), PF/C, st. 2013
Spiele 14/79
Cornelius Urban (29), PF/C, st. 2013 Spiele 14/79 © Artjom Belan
Mirko Weinert (31)
PG, GBC st. 2011
Spiele 14/82
Mirko Weinert (31) PG, GBC st. 2011 Spiele 14/82 © Artjom Belan
Andreas Weinhold
(34), PF/C, st. 2011
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Andreas Weinhold (34), PF/C, st. 2011 Spiele 8/51 © Artjom Belan
Tobias Werner (20)
PG, GBC st. 2016
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Tobias Werner (20) PG, GBC st. 2016 Spiele 2/3 © Artjom Belan
Georg Schmidt (34)
SG/SF, GBC st. 2020
Spiele 0/0
Georg Schmidt (34) SG/SF, GBC st. 2020 Spiele 0/0 © Artjom Belan
Philipp Schmidt (31)
SG/SF, GBC st. 2003
Spiele 16/87
Philipp Schmidt (31) SG/SF, GBC st. 2003 Spiele 16/87 © Artjom Belan
Georg Laube (40)
SG, GBC st. 2014
Spiele 10/77
Georg Laube (40) SG, GBC st. 2014 Spiele 10/77 © Artjom Belan
Rico Mauksch (19)
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Spiele 7/11
Rico Mauksch (19) PF, GBC st. 2014 Spiele 7/11 © Artjom Belan
Ramon Kloppe (31)
PF, GBC st. 2003
Spiele 0/11
Ramon Kloppe (31) PF, GBC st. 2003 Spiele 0/11 © Artjom Belan
Frank Jacob (40)
C, GBC st. 2012
Spiele 0/20
Frank Jacob (40) C, GBC st. 2012 Spiele 0/20 © SZ
Marcin Greiner (20)
PG, GBC st. 2012
Spiele 15/17
Marcin Greiner (20) PG, GBC st. 2012 Spiele 15/17 © Artjom Belan
Tony Brim (29)
PG/SG, GBC st. 2016
Spiele 10/50
Tony Brim (29) PG/SG, GBC st. 2016 Spiele 10/50 © Artjom Belan

In die neue Saison gehen die Görlitzer mit einer gesunden Portion Optimismus. Der Klassenerhalt ist natürlich das vorrangige Ziel, ein Platz im unteren Mittelfeld das „heimliche“ Ziel. Am Sonntag (11 Uhr in der Jahnsporthalle) könnte es gegen den oberen Tabellennachbarn der vergangenen Saison vielleicht gleich mit dem ersten Sieg klappen. Das Hygienekonzept ähnelt dabei dem der Görlitzer Handballer (Datenerfassung am Einlass, Maske überall außer am Sitzplatz).

In der vergangenen Saison verloren die Görlitzer Squirrels bei den Leipziger Eagles klar mit 19 Punkten, das Rückspiel fand dann nicht mehr statt. Vielleicht sammeln die Eichhörnchen ja diesmal besser als die Adler hochfliegen.

Spielerpositionen (siehe Spielerporträts): PG=Point Guard, SG=Shooting Guard, SF=Small Forward, PF=Power Forward, C=Center

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