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Frohe Botschaft für die Görlitzer Stadthalle

Ministerpräsident Kretschmer hält bei den Fördermitteln Wort, der Weg zur Sanierung ist im Großen und Ganzen frei.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Görlitzer OB Octavian Ursu am Freitag vor der Stadthalle Görlitz.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Görlitzer OB Octavian Ursu am Freitag vor der Stadthalle Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ein ganz frischer Anblick: An der Ecke Berliner Straße/Bahnhofstraße hängt neue Stadthallenwerbung. Der Stadthallenförderverein hat sie am Donnerstag gegen sein altes Plakat eingetauscht. Das hatte ein paar Jahre für die Wiedereröffnung zur 950-Jahr-Feier geworben und war nun doch etwas überholt. Nicht wegen der 950-Jahr-Feier, sondern wegen der Wiedereröffnung. Das wird wohl noch ein paar Jahre dauern.

Dieses neue Plakat wirbt seit Donnerstag für die Stadthalle.
Dieses neue Plakat wirbt seit Donnerstag für die Stadthalle. © privat

Und trotzdem gab es am Freitag Grund zur Freude - auch für die Mitglieder des Stadthallenvereins, die zahlreich an die Stadthalle gekommen waren, um zu hören, was die Görlitzer Stadtspitze und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zur Stadthalle zu sagen hatten. Hier wurde nun noch einmal offiziell verkündet, dass die Stadthallen-Förderung in dem vor drei Wochen verabschiedeten sächsischen Haushalt verankert ist. So, wie der Ministerpräsident es versprochen und sogar schriftlich zugesichert hatte, obwohl er dessen noch gar nicht so sicher sein konnte. Doch er hat Wort gehalten, die 18 Millionen Euro von Sachsen ergänzen die ebenfalls 18 Millionen Euro vom Bund. Mit diesen Fördermitteln von Bund und Land sowie den städtischen Eigenmitteln sind 40 Millionen Euro von geschätzten 43 Millionen Euro Gesamtbaukosten abgedeckt. Die Stadt hofft, dass das Finanzamt ihr ein Vorsteuerrecht einräumt. Dadurch würde aus den 40 Millionen Euro eine Nettosumme, die brutto deutlich höher liegt. So könnten die drei Millionen Euro gedeckt werden.

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Nachdem im März auch der Görlitzer Stadtrat den neuen Entwürfen für die Stadthalle zugestimmt hatte, stehen der Sanierung im Grunde keine Hürden mehr im Weg. Außer etwas Gegenwind von der Fraktion Motor Görlitz, die die Stadthallensanierung zugunsten einer neuen Oberschule opfern würde. An Kritiker wie sie wandte sich Michael Kretschmer am Freitag auch. Er mahnte eindringlich, das Projekt nicht zu zerreden, so eine „gewaltige Chance“ käme nie wieder. „Und es wird auch gelingen - wenn viele mitmachen.“ Dass der Wunsch in der Bevölkerung nach Wiedereröffnung immer noch groß ist, beweisen kleine und größere Aktionen, Veranstaltungen und Ausstellungen, die die Stadthalle nie haben in Vergessenheit geraten lassen - obwohl sie seit Ende 2004 schon zu ist. Vor allem dem Stadthallenförderverein um den ehemaligen Stadtrat Thomas Leder dankte Michael Kretschmer.

Dieses Plakat vom Stadthallenförderverein hing in den vergangenen Jahren gegenüber vom Bahnhof.
Dieses Plakat vom Stadthallenförderverein hing in den vergangenen Jahren gegenüber vom Bahnhof. © Nikolai Schmidt

Auch SPD-Kollege Thomas Jurk würdigte er für dessen unermüdliches Engagement um die Stadthalle. „Er hat sich sehr für den Bundesanteil von 18 Millionen Euro eingesetzt. Das ist sein ganz konkreter Beitrag für seine Heimat.“

Dass das 111 Jahre alte Gebäude sich optisch verändern wird, auch das begrüßt der Ministerpräsident. Wichtig sei, dass die Stadthalle zwar für Veranstaltungen, die aus der Stadt heraus kommen, zur Verfügung steht. Vielmehr noch aber für Veranstalter von außerhalb, Kongresse etwa - denn das bringe Geld in die Stadt. „Dafür reicht es nicht, das Gebäude wiederherzustellen, wie es mal war, sondern zu investieren, es zu erweitern, seine Struktur zu verändern.“

Und so wird es zur Neiße hin einen gläsernen Anbau geben, der den Blick nach draußen ermöglicht. Bislang spielte sich alles im Inneren ab, ohne, dass man hinausschauen konnte. Die historische Fassade bleibt dennoch erhalten, auf diese wird man später schauen können. Bis zum Baubeginn werde die Stadt Führungen anbieten, bei denen Interessierte sich informieren können. Um die große Neugier zu befriedigen, hat die Stadt einen Aufsteller herstellen lassen, der Entwürfe zeigt, nähere Beschreibungen zur inneren Gestaltung enthält sowie Zitate von wichtigen Persönlichkeiten der Stadt, die sich auf die neue alte Stadthalle freuen. So werden Hochschulrektor Prof. Alexander Kratzsch, Klinikum-Geschäftsführerin Ines Hofmann oder Max Hilfenhaus von der Neuen Lausitzer Philharmonie zitiert.

All das zeigte und erklärte am Freitag Benedict Hummel, einer der beiden Geschäftsführer des Görlitzer Kulturservice, dem künftigen Betreiber der Stadthalle. Auch er signalisierte der Bevölkerung: „Wir sind für alle da, man kann uns jederzeit anrufen.“ Das lang erwartete Betreiberkonzept soll im Laufe des Sommers vorgestellt werden.

Immer wieder gab und gibt es Ausstellungen zur Stadthalle: Hier in der Sparkassenfiliale auf der Berliner Straße - erstellt von Robert Gottwald (links) und Matthias Schöneich.
Immer wieder gab und gibt es Ausstellungen zur Stadthalle: Hier in der Sparkassenfiliale auf der Berliner Straße - erstellt von Robert Gottwald (links) und Matthias Schöneich. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Dass es eine große Außenwirkung geben soll, dass die Stadthalle ein Veranstaltungsort für die gesamte Region und auch für Polen sein soll, wird schon lange kommuniziert. Michael Kretschmer sieht sie als Teil der Entwicklung, die die Lausitz im Zuge des Strukturwandels in den nächsten Jahren nehmen werde. „All die Dinge, die wir angeschoben haben, ergeben nun ein großartiges Bild für die Zukunft.“

Doch, wie geht es mit der Stadthalle konkret weiter - mit dem 43-Millionen-Euro-Projekt? Nach der Vorstellung des Betreiberkonzepts soll noch in diesem Jahr ein Fördermittelbescheid überbracht werden. Bis dahin - und bis mit dem Bau begonnen werden kann - gibt es erstmal viel Kultur, fast so, als wäre die Stadthalle nie geschlossen worden. Los ging es schon am Freitagabend mit der Premiere von „Evita“ - dem Auftakt zum Sommertheater. Und auch die 950-Jahr-Feier findet in Teilen an der Stadthalle statt. Ganz so, wie Thomas Leder und seine Mitstreiter vom Stadthallenförderverein auf ihrem Plakat an der Berliner Straße/Bahnhofstraße ankündigen.

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