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Görlitzer Autofahrer sind einfach nur genervt

An drei großen Baustellen und mehreren kleinen in und um Görlitz wird gleichzeitig gearbeitet. Das sorgt für Staus, Stop-and-Go und Stress.

Auf der Umgehungsstraße kommt es stadteinwärts zu Staus.
Auf der Umgehungsstraße kommt es stadteinwärts zu Staus. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

"Ich komme bald gar nicht mehr auf Arbeit. Überall ist was. Ich werde mir an mein Auto Flügel montieren." So oder schlimmer klagen Autofahrer derzeit in sozialen Netzwerken über die Straßenbaustellen in Görlitz. Kraftfahrer in und um Görlitz sind genervt: Baustellen sorgen für schleichendes Vorankommen, Wartezeiten und lange Umleitungen.

Seit Mitte Juni wird die Fahrbahn der Bundesstraße 6 erneuert. Die Görlitzer Umgehung wird zwischen der Einmündung bei Schlauroth bis kurz vor den Kreisverkehr, an dem es zur Autobahn 4 geht, gebaut - voraussichtlich 22. Oktober in fünf Abschnitten.

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Seit Mitte Juni sind Staus hier an der Tagesordnung.
Seit Mitte Juni sind Staus hier an der Tagesordnung. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Arbeiten liegen im Zeitplan

Bis 24. August wird zwischen der B-6-Abfahrt zur Girbigsdorfer Straße und der Kreuzung B6/B99 bei Königshufen gebaut. Die Straße ist halbseitig gesperrt. Nordwärts regelt eine Ampel den Verkehr. In der Gegenrichtung nach Süden gibt es eine Umleitung über die B 99/Laubaner Straße und die Girbigsdorfer Straße. Allerdings nutzen Kraftfahrer aus dem Umland, wenn sie von den Bau- und Möbelmärkten im Görlitzer Norden kommen, auch die Route über Ebersbach für die Rückfahrt.

"Derzeit liegen die Arbeiten in diesem Bauabschnitt im Zeitplan", sagt Franz Großmann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Warum die B6 auf der Ortsumgehung erneuert wird, erschließt sich aber manchen Kraftfahrern nicht. "Die Straße war doch in Ordnung", stellte zum Beispiel Wolfgang L. fest. Großmann erklärt: "Auf der Ortsumfahrung Görlitz ist die Asphaltdeckschicht verschlissen. Sie hat Risse und weist Ausmagerungen auf. Das sind Verluste von Bindemittel. Die haben zur Folge, dass der Splitt abgetragen wird." Die Asphaltdecke auf diesem Abschnitt der B 6 wurde 1995 in Betrieb genommen und habe damit ihr Lebensalter deutlich erreicht, so der Sprecher.

Straßenbau im Zusammenhang mit Königshainer Tunnel

Warum diese Baumaßnahme jetzt erfolgt, ergibt sich aus der geplanten Sanierung des A-4-Tunnels Königshainer Berge, erklärt der Lasuv-Sprecher. Die Autobahn GmbH des Bundes plant die Tunnelsanierung 2022. Der Tunnel wird dann lange gesperrt, der Verkehr über die B 6 umgeleitet. Damit die Verkehrssicherheit gewährleistet wird, erfolgt die Fahrbahnsanierung auf der Görlitzer Ortsumgehung jetzt.

Doch die Baustelle auf der Bundesstraße ist nicht die einzige, die derzeit hier für gestresste Autofahrer sorgt. Ab diesem Donnerstag ist die S 127, die Görlitz und Rothenburg verbindet, zwischen Kahlemeile und Nieder-Neundorf gesperrt. Dort wird Totholz an großen Alleebäumen entfernt.

Bis Ende nächster Woche sollen die Arbeiten andauern. Das heißt für Autofahrer, einen Umweg über Horka, Särichen und Kodersdorf in Kauf zu nehmen. Pendler aus Rothenburg, die nach Görlitz zur Arbeit fahren, brauchen mehr Zeit für den Weg. Das betrifft auch Görlitzer, die ins Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Rothenburg wollen.

Für regelmäßig stockenden Verkehr auf der Bahnhofstraße in Görlitz sorgt seit dem Frühjahr der Bau der Blockhausbrücke. Dort ist voll gesperrt, der Verkehr wird über die Bahnhofstraße umgeleitet.

Aktuell wird die Asphaltschicht auf dem Teilstück der B6 bei Görlitz zwischen Laubaner und Girbigsdorfer Straße aufgetragen.
Aktuell wird die Asphaltschicht auf dem Teilstück der B6 bei Görlitz zwischen Laubaner und Girbigsdorfer Straße aufgetragen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Autofahrer nutzen Schleichwege

Eine weitere Baustelle ärgert Kraftfahrer und Anwohner in Klingewalde und Ludwigsdorf. Grund dafür ist die Sanierung der Rothenburger Straße zwischen der Einmündung Schlesische Straße und Birkenallee. Klingewalde wird gern als Ausweichstrecke genutzt, um sich die lange Umleitung über Schlesische Straße, B 99 und B 6 sowie B 115 zu sparen. Doch der Schleichweg über Klingewalde ist tatsächlich einer, Tempo 30 ist vorgeschrieben. Weil sich viele Kraftfahrer nicht daran hielten und auch die freundlichen Hinweistafeln nicht viel nutzten, beschwerten sich Anwohner im Rathaus. Stadt und Polizei reagieren - es wird häufiger geblitzt. Voraussichtlich bis Dezember bleibt die Rothenburger Straße Baustelle.

In Ludwigsdorf haben sich die Einheimischen offenbar mit der Situation arrangiert. Zumindest die Kunstmühle stellte in ihrem Biergarten keinen großen Abbruch an Gästen fest. "Wer zu uns möchte, findet Wege und stellt sich auf Umleitungen ein", sagt Ingrid Dörfer. Allerdings beschweren sich Radfahrer, die nicht dem ausgeschilderten Radweg folgten, sondern die kürzere und flachere Strecke entlang der Hauptstraße wählten, über die Baustelle. "Sie schimpfen, weil sie sich irgendwie vorbeimogeln müssen", sagt Frau Dörfer.

Auch kurzzeitige Baustellen nerven

Neben den großen Baustellen gibt es immer wieder etliche kleinere für wenige Tage. So erhalten seit Wochenbeginn Friesenstraße, Kastanienallee, Leschwitzer Straße und Stauffenbergstraße eine Oberflächenbehandlung. Sie werden nach der Reinigung mit einer Bitumenschicht und Splitt versehen. Das kann nicht bei Regen ausgeführt werden - Terminverschiebungen sind möglich. Hier erfolgen die Arbeiten bei laufendem Verkehr, aber mit kurzzeitigen Sperrungen.

Die Baustelle auf der Ortsumgehung Görlitz an der B 6.
Die Baustelle auf der Ortsumgehung Görlitz an der B 6. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Warum häufen sich die Arbeiten im Sommer?

Warum sich die Straßenbauarbeiten vorrangig auf die Sommermonate drängen, erklärt die Görlitzer Rathaussprecherin Sylvia Otto: Straßenbaumaßnahmen werden zwischen Land, Landkreis und Stadt besprochen und - soweit objektiv möglich - koordiniert. Jedoch steht generell nur die wärmere Jahreszeit witterungsbedingt zur Verfügung. Hinzu kommen Verzögerungen beispielsweise bei der Zuteilung von Fördermitteln und notwendige Ausschreibungen der Bauleistungen. Das kostet Zeit. Sämtliche Bauarbeiten ballen sich im Sommer. "Dann kann man nur noch verhindern, dass nicht auch noch auf den Umleitungsstrecken gearbeitet wird", ergänzt die Sprecherin.

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Die Straßenverkehrsbehörde Görlitz versucht, durch Verkehrsregelungen die Sicherheit der Bauleute in den Bauabschnitten zu gewährleisten und den Verkehr zu lenken. Dabei sind der Stadt objektive Grenzen gesetzt. Sowohl Straßen als auch Ampeln können nur begrenzte Verkehrsbelastungen aufnehmen und regeln. Fließt baustellenbedingt mehr Verkehr, kommen sie insbesondere in den täglichen Spitzenzeiten an ihre Grenzen. Die zusätzlichen Verkehrsmengen, die in Folge der Umleitungen auf ohnehin schon stark befahrene innerstädtische Straßen treffen, führen dann zwangsläufig zu Staus oder Stockungen. Letztlich bleibt nur eine Hoffnung: Jede Baustelle wird einmal fertig - und dann rollt der Verkehr besser als zuvor. Bis zur nächsten Baustelle.

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