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Bäume weg für neue Eigenheime

Eigenheime sind sehr gefragt in Görlitz. Es gibt kaum Flächen dafür. Wie schwer es ist, solche Projekte zu verwirklichen, zeigt sich jetzt wieder.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Foto: Gabriela Lachnit

Seit 40 Jahren wohnt Jens-Uwe Grundmann in Görlitz-Weinhübel und fühlt sich dort wohl - auch wenn ihm nicht alle Veränderungen in diesem Stadtteil gefallen.

Ziemlich sauer reagierte der Familienvater, der sich auch im Bürgerrat Weinhübel engagiert, als er feststellte, dass an der Johannes-R.-Becher-Straße vor Kurzem etliche Bäume gefällt wurden. Der Mann erfuhr, dass dort Eigenheime gebaut werden sollen.

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Ältere Menschen wünschten sich lieber einen Park

Hier standen die Bäume noch...
Hier standen die Bäume noch... © Foto: Kommwohnen
...jetzt sind sie weg.
...jetzt sind sie weg. © Martin Schneider
Vorher...
Vorher... © Foto: Kommwohnen
...nachher. Auch hier wurden Bäume entfernt.
...nachher. Auch hier wurden Bäume entfernt. © Martin Schneider

"Wie kann es sein, dass Kommwohnen mitten im Wohngebiet Weinhübel-Nord großflächig Bäume fällt und andere Pflanzen platt macht, um Platz für sieben neue Eigenheime zu machen", fragt Jens-Uwe Grundmann. Er versteht nicht, dass der städtische Großvermieter auf seiner Internetseite für Görlitz als Gartenstadt, für Klimaneutralität, Ökologie und Nachhaltigkeit wirbt, aber gleichzeitig eine Fläche zubaut.

Damit sei die Chance zur Verbesserung der Wohnqualität und des Klimas im Wohngebiet vertan, sagt der Weinhübler. "Viele ältere Bewohner dieses Gebietes hätten sich sehr über eine kleine Parkanlage auf dieser Freifläche gefreut." Sächsische.de fragte bei Kommwohnen nach dem Standpunkt des Unternehmens.

Kommwohnen will keine Zersiedelung

"Uns verwundert die Kritik des Lesers", sagt Kommwohnen-Medienreferentin Jenny Thümmler. "Unserer Meinung nach ist es wesentlich sinnvoller, freie Flächen in Wohngebieten mitten im Stadtgebiet zu nutzen, anstatt geschützte Naturflächen am Stadtrand als Wohngebiete ausweisen zu lassen", erklärt sie. Mit immer neuen Baugebieten außerhalb der Stadt werde die Landschaft zersiedelt. "Das ist unserer Ansicht nach nicht sinnvoll."

Auch ökologisch betrachtet sei es das nicht, weil die Zersiedelung für die Menschen weite Wege zur Arbeit, zu Freizeitangeboten, zur Schule, Kita und zu Einkaufsstätten mit sich bringt. In Weinhübel entstehen neue Einfamilienhäuser in direkter Nähe zu einer Straßenbahnhaltestelle. Das beschere den Familien kurze Wege, sagt Kommwohnen und verweist darauf, dass Eigenheimgrundstücke das Gegenteil von hochverdichtet seien.

Die Wohnungsbaugesellschaft geht davon aus, dass die Grundstücksbesitzer auf ihren Grundstücken Gärten anlegen und verschiedenen Pflanzen Raum zum Wachsen geben. "Das sorgt für eine deutlich höhere Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren, als es eine einfache Wiese könnte, wie sie jetzt an dieser Stelle ist", erläutert die Medienreferentin. Die Neugestaltung der Wiese widerspreche dem Ansinnen des Unternehmens nach Ökologie und Nachhaltigkeit überhaupt nicht.

Gespräche mit Bauinteressenten

Aktuell gibt es für fast alle Parzellen des Baugebietes an der Johannes-R.-Becher-Straße Interessenten, mit denen Abstimmungsgespräche laufen, informiert Jenny Thümmler. Der Stadtrat beschloss in seiner Septembersitzung die Aufstellung des Bebauungsplans für das Areal, auf das sieben Eigenheime gebaut werden können. Das Fällen der Bäume gehört zu den Auflagen des B-Plans. "Wir werden dafür Ersatzpflanzungen im Stadtgebiet leisten", erklärt die Sprecherin. Zwar sei das eine Auflage für Kommwohnen, aber ebenso wie die Erschließung von Gehwegen sehe das Unternehmen das als Investition und Entwicklungsarbeit für eine schöne Stadt.

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