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Wochenmarkt Görlitz: Zwei neue Händler

Seit Februar betreibt die Deutsche Marktgilde den Görlitzer Markt. Nach einem schweren Start gibt es erste positive Signale. Derweil geht der Streit mit dem Ex-Pächter vor Gericht weiter.

Mittwoch ist nicht der stärkste Tag auf dem Görlitzer Wochenmarkt. Aber die Lage habe sich gebessert, sagt der Pächter.
Mittwoch ist nicht der stärkste Tag auf dem Görlitzer Wochenmarkt. Aber die Lage habe sich gebessert, sagt der Pächter. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Viel war am Mittwoch nicht gerade los auf dem Wochenmarkt am Elisabethplatz. Nur wenige Händler schlugen ihre Stände auf. Es waren auch schon zehn, erzählt Katrin Schiel. Aber, ja, Mittwoch und Montag sind nicht die besten Wochenmarkt-Tage in Görlitz. Die stärksten sind der Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, erzählt Katrin Schiel. Sie ist die Prokuristin der Dresdner Niederlassung der Deutschen Marktgilde, die den Görlitzer Wochenmarkt seit Februar betreibt.

"Es konnte nur besser werden"

Es war kein leichter Start: ein relativ kalter, langer Winter, ein spätes Frühjahr. Was auch dafür sorgte, dass zum Beispiel Gärtnereien erst später starten konnten. Nicht nur in Görlitz, auch auf anderen Märkten kam das "grüne Sortiment" dieses Jahr etwa zwei Wochen später, erzählt Katrin Schiel. "Danach konnte es eigentlich nur besser werden" . Der Mai war der erste Monat, in dem die Kalkulation aufging. "Rekord war ein Tag mit 25 Händlern." Im Februar, März, April dagegen steht ein Minus. Ob sich das über den Sommer und Herbst noch ausgleichen lässt, wird sich zeigen. Nach einem Jahr, also im kommenden Frühjahr, will sie, auch gegenüber der Stadt einen Zwischenbericht geben.

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Für 36 Wochenmärkte in Ostdeutschland ist Katrin Schiel zuständig, in Görlitz ist sie etwa einmal pro Woche. "Ich hatte mir zum Beispiel die Naschallee angeschaut." Ein Regional-Markt, der seit 2014 in regelmäßigen Abständen auf der unteren Elisabethstraße stattfindet, aber von einem anderen Veranstalter organisiert wird. Katrin Schiel findet die Naschallee sehr gelungen. "Die Görlitzer nehmen das an, und es kommt auch den Händlern auf dem Wochenmarkt im oberen Bereich der Elisabethstraße zugute."

Mehr Händler - schwierig

Angetreten war sie auch mit dem Ziel, mehr Abwechslung zu schaffen, etwa mit Händlern von anderen Märkten. Aber das sei nicht so einfach. Zum einen wegen der Randlage: Der Görlitzer Markt ist der östlichste, den die Marktgilde betreibt. Polnische Händler sind zwar sowohl in Görlitz als auch auf anderen Märkten vertreten, aber das Netzwerk zu weiteren polnischen Händlern, die man ansprechen könnte, ist nicht so groß. Und die Händler in Dresden orientieren sich, wollen sie auf weiteren Märkten vertreten sein, eher Richtung Radeberg, Bischofwerda, Großenhain, erklärt Schiel. "Vereinzelt waren jetzt Händler von anderen Märkten in Görlitz." Sie hofft, dass sich deren Interesse an der Neißestadt noch steigern lässt. Und dass wieder mehr Touristen in die Stadt kommen.

Neuer Bäcker auf dem Wochenmarkt

Zwei neue Händler sind dauerhaft dabei: "Freitags ist jetzt wieder ein Bäcker auf dem Wochenmarkt , und es ist ein neuer Imbiss-Anbieter dazugekommen." Einen Teil der Fläche hat die Marktgilde außerdem an das Restaurant Athos vermietet - für das Restaurant als Außenfläche, für die Elisabethstraße zur Belebung.

Mit einer Runderneuerung sei aber nicht zu rechnen, erklärt Kartin Schiel: Generell, nicht nur in Görlitz, schwinde die Zahl an Wochenmarkthändlern. In Ostdeutschland hatten sich viele nach der politischen Wende, als der Jobverlust um sich griff, selbstständig gemacht - mitunter mit einem Marktstand. Eine Generation, die nun aber in Rente geht. Am Dienstag hat Katrin Schiel sich von einer Gärtnerin verabschiedet, die in den Ruhestand geht, "sie war 30 Jahre lang dabei."

Vor allem über eines sei sie dankbar: dass wieder mehr Frieden auf dem Wochenmarkt eingekehrt sei. Nicht nur wegen des Wetters war der Start schwer, sondern auch wegen höherer Mieten für die einzelnen Händler, die für Protest sorgten. Die eine Seite. Manche Händler, gerade die Imbisss-Anbieter waren entsetzt, weil ihre Wagen-Klappen mit als Fläche gerechnet wurden, sie deutlich höhere Mieten bezahlen mussten. Mancher soll Görlitz auch den Rücken gekehrt haben. Andere Händler erzählten, bei ihnen habe sich die Erhöhung in Grenzen gehalten.

Die andere Seite: Die Marktgilde hatte mit den Nebenkosten, etwa der Reinigung und Platzpflege, argumentiert. Der frühere Pächter, der in unmittelbarer Nähe auch ein Hotel betreibt, hatte diese Aufgaben selbst übernommen. Für die Marktgilde ist das nicht möglich, sondern sie hat für die Marktreinigung eine Görlitzer Firma beauftragt. Die Stromkästen mussten saniert werden. "Ganz durch sind wir damit noch nicht." Ein Kasten - der am meisten benötigte - wurde bei einem Unglücksfall im April derart beschädigt, dass er ersetzt werden müsse.

Streit mit Ex-Pächter hält an

Dazu kommt, dass sie die vergleichsweise hohe Pacht in Görlitz erwirtschaften muss. Im Moment ist die Lage anders, "darüber sind wir sehr dankbar, die Stadt hatte uns in der Coronakrise einen geringeren Pachtzins eingeräumt." Manchmal fragen die Händler nach einem Mietnachlass. Noch will sich Katrin Schiel dazu nicht festlegen, noch sei die Lage zu unsicher.

Im Hintergrund derweil ist der Wochenmarkt weiter ein Zankapfel: Die Stadt Görlitz hat gegen den ehemaligen Pächter des Wochenmarktes, die Wochenmarkt GbR, geklagt. Nach einem Gütetermin im Mai sollte am Mittwoch eine Entscheidung am Landgericht Görlitz fallen, diese wurde aber vertagt. Es geht um Entschädigung für Parkplatz-Stellplätze und um ausstehende Pachten. Über 10.000 Euro will die Stadt insgesamt einklagen. Bei den Parkplätzen geht es zwar um die geringere Summe, rund 1.800 Euro für zwei Jahre. Aber es ist ein Punkt mit noch vielen Fragen.

Deshalb wil Richterin Viola Preuß zum neuen Termin in zwei Wochen wahrscheinlich einen Beweisbeschluss fällen. Vor allem geht es dabei um die Frage, ob die Summe, die die Stadt von der Wochenmarkt GbR für die Nutzung vierer Parkplätze verlangt.

Streit geht seit einem Jahr

Mit den Parkplätzen hatte alles angefangen. "Vor fast genau einem Jahr hatten wir die Kündigung bekommen", bestätigt Francois Fritz. Die AfD hatte damals von der Stadt gefordert, der Wochenmarkt GbR fristlos zu kündigen. Marzena Paszkiewicz, Sylwia und Francois Fritz gehörten zur Wochenmarkt GbR und sie stehen auch hinter einem Hotel an der Elisabethstraße. Sie hatten Parkplätze, die für die Marktverwaltung vorgesehen waren, auch Gästen ihres Hotels zur Verfügung gestellt. Um vier Parkplätze geht es - im Konzessionsvertrag schriftlich festgehalten wurde dies aber nicht.

Ein Vertrauensbruch, befand die AfD und beharrte darauf, sie wolle nur für Recht und Ordnung sorgen. Fritz dagegen hatte immer darauf beharrt, dass die Nutzung der Parkplätze für Hotelgäste mündlich mit Stadt-Mitarbeitern besprochen war - wie vieles anderes in den vergangenen 18 Jahren auch. Ob es so war, könnte ein Punkt sein im Beweisbeschluss.

Eine fristlose Kündigung, wie die AfD wollte, hatte Oberbürgermeister Octavian Ursu nicht ausgesprochen. Aufgrund einer geplanten Konzeptänderung des Wochenmarktes wurde die Pacht dennoch neu ausgeschrieben, der Wochenmarkt GbR wurde geregelt gekündigt. Zu den Parkplätzen hatte Octavian Ursu eine Prüfung angekündigt. Und diese kam am Ende zu dem Ergebnis, dass eine unerlaubte Nebennutzung stattgefunden habe.

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