merken
PLUS Görlitz

Stundenlang tobte ein Flammenmeer

Vor 25 Jahren zog eine heftige Feuerwalze durch das Gelände zwischen Cottbuser Straße und An der Weißen Mauer.

Von der Straße An der Weißen Mauer aus waren die Rauchschwaden nicht zu übersehen. Von der Cottbuser Straße aus gingen Feuerwehrleute mit mehreren Strahlrohren gegen die Flammen vor, die aber immer wieder neu aufloderten.
Von der Straße An der Weißen Mauer aus waren die Rauchschwaden nicht zu übersehen. Von der Cottbuser Straße aus gingen Feuerwehrleute mit mehreren Strahlrohren gegen die Flammen vor, die aber immer wieder neu aufloderten. © Ralph Schermann

Ein sonniger Sonnabend ging zu Ende. Doch jener 27. Juli vor 25 Jahren blieb vielen in Erinnerung. Selbst am Stadtrand zeigten die Leute Richtung Innenstadt. Dort musste Schlimmes passiert sein: Riesige Rauchwolken stiegen zum Himmel.

Der schwarze Qualm waberte an jener Ecke der Christoph-Lüders-Straße, an der heute der Hammer-Markt zu finden ist. Die Luft roch brenzlig, und was von den Schwaden wieder herabfiel, zog schmierige Schlieren auf geparkten Autos. Den Ort des Geschehens nannte man damals Getreidelager, was so nicht stimmte. Zwar standen dort tatsächlich Getreidesilos, die korrekte Bezeichnung aber lautete Kraftfuttermischwerk. Und auch, wenn 1996 noch groß BHG an einem Giebel stand, gehörte das längst geschlossene Mischwerk schon seit 1977 nicht mehr zur Bäuerlichen Handelsgenossenschaft, sondern zum VEB Getreidewirtschaft.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Egal – nun loderten aus dem Fenster über dem BHG-Schriftzug die Flammen meterhoch. Der beeindruckende Anblick lockte hunderte Schaulustige an die Brandstelle. „Das ist purer Wahnsinn“, sagte Uwe Sch., einer der zur Absicherung eingesetzten Polizisten. Die Berufsfeuerwehr traf 17.31 Uhr ein, und nach dem gewaltsamen Aufbrechen der Tore sahen die Wehrleute, dass hier ihre Kräfte nicht reichen werden. Alle Freiwilligen Feuerwehren der Stadt wurden alarmiert, auch die Werkfeuerwehr vom Waggonbau eilte herbei. Am Ende boten die Brandschützer 49 Mann, neun Fahrzeuge, 1.800 Meter Schläuche auf und konnten das verzweigte Objekt doch nicht retten.

Das war schon 17.45 Uhr klar, als der versuchte Innenangriff abrupt beendet wurde. Denn der Brand explodierte. Flash over nennen Experten so eine gefürchtete Durchzündung. Mit enormer Geschwindigkeit fraßen sich die Flammen weiter, wie eine Feuerwalze breitete sich der Brand aus. Zehn Minuten später folgte im Haus neben den Silos der nächste Flash over, begleitet von einer Staubexplosion. Nun stand das Haus auf allen Etagen komplett in Flammen, zudem hatte die Explosion das Dach abgehoben. Die Löschkräfte konnten sich nur noch auf die Sicherung angrenzender Gebäude beschränken.

Bis 19 Uhr tobte das Feuer in unverminderter Heftigkeit. „So etwas ist von der besten Feuerwehr der Welt nicht in den Griff zu bekommen“, kommentierte der Einsatzleiter. Er wusste aber auch: „Ein Glück, dass der Betrieb geschlossen war. Wären noch Getreide und in den Tanks Öle eingelagert, dürfte das Ausmaß noch schlimmer gewesen sein.“ Auch so aber war das Inferno schon schlimm genug. Die wenigen verbliebenen Reste der Brandstätte wurden 1997 vollständig abgerissen. Die Kriminaltechniker schlossen technisches Versagen aus. Es war eindeutig Brandstiftung, fahrlässig verursacht aller Wahrscheinlichkeit nach durch spielende Kinder.

Mehr zum Thema Görlitz