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Jobcenter schickt Ein-Euro-Jobber nach Hause

Das bringt die Tafel-Vereine in die Zwickmühle. Doch die Langzeitarbeitslosen lassen die Vereine nicht im Stich.

Marion Bürger (rechts) und Angelika Baer (links) von der Tafel Görlitz nahmen im Frühjahr 2020 Spenden vom Rewe-Markt in Görlitz entgegen.
Marion Bürger (rechts) und Angelika Baer (links) von der Tafel Görlitz nahmen im Frühjahr 2020 Spenden vom Rewe-Markt in Görlitz entgegen. © Nikolai Schmidt

Reiner Wirth engagiert sich bei der Tafel Oberlausitz in Niesky. Vom Jobcenter bekam er dafür als sogenannter Ein-Euro-Jobber eine Aufwandsentschädigung. Doch ab 10. Dezember 2020 war Schluss damit.

Frank Grübe, Leiter der Tafel Oberlausitz mit Ausgabestellen in Niesky, Löbau, Zittau und Ebersbach, bestätigt, dass das Jobcenter die Zahlung der Aufwandsentschädigung für Ein-Euro-Jobber bei der Tafel aussetzt. "Wegen der Corona-Pandemie", sagt er. Die Mehrzahl der Helfer seien ältere Menschen, die in die Corona-Risikogruppe fallen, sei die Hauptbegründung des Jobcenters gewesen. Alle Arbeitsgelegenheiten stoppte das Jobcenter im Rahmen der Corona-Schutz-Verordnung.

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Ein-Euro-Jobber rechnen mit "Zusatzeinkommen"

Ähnlich ist das bei der Tafel Görlitz. Auch hier ist die Unterstützung durch das Jobcenter ausgesetzt. Den Ein-Euro-Jobbern entstehen keine Nachteile durch das Amt, wenn sie zu Hause bleiben. Allerdings fehlt ihnen die Aufwandsentschädigung, die das Jobcenter zahlt.

Die Tafel-Vereine sind auf die Mitarbeit der Helfer angewiesen. Denn gerade jetzt häuft sich das Sortiment, das die Tafel an Bedürftige verteilen kann. "Wir erhalten jetzt viel übriggebliebene Weihnachtsware", erklärt Marion Bürger. Sie leitet die Tafel Görlitz. Diese Ware muss jetzt gesichtet und sortiert werden.

Übriggebliebene Weihnachtsware wird jetzt häufig an die Tafel-Vereine gespendet. Dieses Archivfoto zeigt allerdings Marion Bürger, Chefin der Tafel Görlitz, mit einer Stollenspende von der Bäckerei Schwerdtner, die schon vor dem Fest gemacht wurde.
Übriggebliebene Weihnachtsware wird jetzt häufig an die Tafel-Vereine gespendet. Dieses Archivfoto zeigt allerdings Marion Bürger, Chefin der Tafel Görlitz, mit einer Stollenspende von der Bäckerei Schwerdtner, die schon vor dem Fest gemacht wurde. © Archivfoto: Sosnowski

Das Klientel der Tafel-Vereine verändert sich

Die Tafel-Chefin ist froh, dass die meisten Ein-Euro-Jobber weiter ehrenamtlich ohne Bezahlung für die Tafel da sind - unter Einhaltung der Corona-Schutz-Verordnung, betont Frau Bürger. Es sei zwar jetzt unter Corona-Bedingungen kompliziert, Bedürftige zu unterstützen, aber machbar.

Das sieht auch Frank Grübe so. Die Tafel Oberlausitz arbeitet jetzt nicht mehr in zwei Schichten, sondern nur noch in einer. Die Ausgabezeit wurde verkürzt. Das Klientel habe sich verändert, wie Grübe feststellt: "Jetzt kommen auch Menschen, die wegen anhaltender Kurzarbeit in die Bedürftigkeit gerutscht sind", erklärt er. Die Zahl der Menschen, die bei der Tafel Oberlausitz mit Lebensmitteln unterstützt werden, sei insgesamt aber konstant geblieben.

Physische Präsenz bleibt weiter ausgesetzt

Marion Bürger erhielt bis zum gestrigen Montag vom Jobcenter noch keine Auskunft, ob die Zahlung der Aufwandsentschädigung und die physische Präsenz weiter ausgesetzt bleiben. Das war nur bis zum 10. Januar so avisiert.

Aus dem Büro des Landrates erhielt sächsische.de auf Nachfrage die Information, dass Arbeitsgelegenheiten wie die bei den Tafel-Vereinen mit physischer Präsenz der Ein-Euro-Jobber bis auf weiteres ausgesetzt bleiben. "Das Jobcenter wird sich rechtzeitig mit den Trägern von Arbeitsgelegenheiten in Verbindung setzen, sobald die Fortführung der Maßnahmen wieder möglich ist oder andere Regelungen, zum Beispiel andere Ausübungsformen, gelten", erläutert Susanne Lehmann, die Leiterin des Büros des Landrates.

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