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"Künftig fehlen viele Mitarbeiter in der Pflege"

Die Sorge um steigende Kosten treibt viele Bewohner von Altenheimen um. Doch es zeichnet sich ein noch größeres Problem ab, sagt Carsten Seitz von der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz.

Carsten Seitz ist Fachbereichsleiter Altenhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz.
Carsten Seitz ist Fachbereichsleiter Altenhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz. © - Foto: privat

Während es in Sachsen statistisch gesehen freie Plätze in Pflegeheimen gibt, ist das im Kreis Görlitz nicht so. Dennoch machen sich Bewohner und Angehörige Sorgen, ob wegen eventuell freier Plätze die Eigenanteile der Bewohner womöglich noch schneller steigen als das in den vergangenen Jahren der Fall war. Dazu sprachen wir mit Carsten Seitz. Er ist Fachbereichsleiter Altenhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz (Awo).

Zunächst wirkt der Pflegerettungsschirm

Wenn es leere Plätze in einem Heim gibt, wird sich das auf die Höhe der Eigenanteile der anderen Bewohner auswirken?

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Das hat aktuell keine Auswirkungen, da ein Großteil der Mindereinnahmen durch den Pflegerettungsschirm abgefangen wird. Es sei aber daran erinnert, dass nach meiner Meinung die Träger zwar zu den Kosten der Einrichtungen beziehungsweise der Dienstleistung stehen – die Leistung ist wertvoll und muss angemessen vergütet sein - allerdings kann man mit der Art der Finanzierung von pflegerischen Dienstleistungen nicht zufrieden sein.

Warum nicht?

Nach wie vor ist der zu leistende Eigenanteil der Pflegebedürftigen beziehungsweise deren Angehörigen zu hoch. Zunehmend führt Pflegebedürftigkeit zu Armut und finanzieller Hilfebedürftigkeit. Besonders schlimm ist dies, wenn ein Ehepartner in einer Einrichtung lebt und der andere noch seinen Lebensunterhalt daheim bestreiten muss. Da ist auch die groß angekündigte Entlastung durch die Pflegereform eher zu einem Reförmchen geworden. Aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung, aber vor allem durch die Tarifentwicklungen, wird es weiterhin zu Preissteigerungen kommen.

Hier sollten Wahlversprechen und deutlichere Entlastungen bei den Entscheidungsträgern in der Politik eingefordert werden. Der verständliche Unmut von Heimbewohnern oder Angehörigen über ständig steigende Eigenanteile sollte sich deshalb weniger bei den Betreibern und dem Personal der Einrichtungen entladen, als vielmehr bei den von ihnen gewählten Volksvertretern.

Arbeitskräftemangel in der Pflege wird dramatisch

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Der sich abzeichnende und schon existente Arbeitskräftemangel in der Pflegelandschaft – sowohl im Klinikbereich als auch in der ambulanten und stationären Pflege. Die Auslastung der Kapazitäten wird sich schnell stabilisieren, aber die Arbeitsmarktsituation wird immer mehr zum Problem. Wir haben eine stetig steigende Anzahl von Empfängern von Leistungen aus der Pflegeversicherung - die demografische Entwicklung im Kreis ist bekannt – aber die Anzahl von Pflege- und Betreuungspersonal entwickelt sich keinesfalls proportional. Es wird in Zukunft dramatisch an pflegenden Händen fehlen.

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