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Wie eine Tagesmutter durch die Corona-Zeit kommt

Anfangs fürchtete die Görlitzerin Peggy Beyer um ihr Einkommen. Doch nun zieht sie auch Positives aus der Pandemie - ohne Zukunftsangst.

Tagesmutter Peggy Beyer ist oft mit ihren Schützlingen auf Görlitzer Spielplätzen.
Tagesmutter Peggy Beyer ist oft mit ihren Schützlingen auf Görlitzer Spielplätzen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Peggy Beyer ist eine von neun Tagesmüttern in Görlitz. Sie betreut fünf Kinder im Alter von bis zu drei Jahren. Aus der Corona-Zeit nimmt sie trotz anfangs großer Ängste auch Positives mit.

Die Sorge um fehlendes Einkommen, weil sie zeitweise nicht arbeiten durfte, ist die Görlitzerin jetzt los. Ylva, Klara, Raphael, Jan und Ismael können also weiterhin von Peggy Beyer betreut werden.

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Eltern sorgen sich um Arbeitsplatz der Tagesmutter

Wie bei anderen Tagesmüttern und -vätern kamen auch bei Peggy Beyer in der Pandemie Ängste auf. Seit 15 Jahren ist die ausgebildete Tagesmutter für Kinder aus Görlitz und dem Umland da. Vor allem Eltern der von ihr betreuten Kinder sorgten sich, ob Frau Beyer auch künftig für sie und ihre Sprösslinge da sein wird.

"Der erste Lockdown war besonders, weil noch niemand so eine Situation erlebt hat", erklärt Peggy Beyer. Niemand konnte wissen, welche Auswirkungen die Pandemie haben wird. "Für alle war das eine Umstellung ihres gewohnten Lebens", sagt sie, "natürlich auch für die Kinder."

Teilhabe der Eltern am Geschehen reduziert

Zeitweise kamen gar keine Kinder, wenn es die Corona-Schutzverordnung so vorschrieb. Später durfte Peggy Beyer Kinder von Eltern, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, wieder betreuen. Jetzt, im dritten Lockdown, sind alle fünf Plätze belegt. Ilva, die kleinste, kommt gerade zur Eingewöhnung und ist vorerst nur wenige Stunden da. Die anderen Kinder werden etwa sieben, acht Stunden täglich betreut.

Anfangs gab es noch weinende Kinder, wenn Peggy Beyer ihre Mund-Nasen-Maske aufsetzen musste. Inzwischen ist das bei der Betreuung keine Pflicht mehr. Peggy Beyer ordnete das "Übergabe-System" nach der Vorschrift neu. Eltern dürfen die Kinderwohnung, die die Tagesmutter im Mühlweg angemietet hat, nicht mehr betreten. Also werden die Kinder an der Tür abgegeben und dort wieder abgeholt. Gespräche mit den Eltern fanden fortan zwischen Tür und Angel statt. Das ist noch heute so, "leider", betont Frau Beyer.

Das führte dazu, dass die Eltern sich kaum noch begegnen und die Gespräche mit der Tagesmutter kurz ausfallen. Eltern können ihre Kinder beim Spielen in der Kinderwohnung nicht beobachten. "So manches Mal waren dabei schöne Szenen zwischen Eltern und Kind zu erleben. Das fehlt jetzt", erzählt Frau Beyer. Die Teilhabe der Eltern am Geschehen in der Gruppe habe Corona sehr eingeschränkt. Gemeinsame Unternehmungen wie Abschiedsfeiern, Weihnachten, Sportnachmittage und das gemeinsame Frühstück im Kinderkulturcafé "Camaleón" konnten nicht durchgeführt werden.

Tagesmutter Peggy Beyer mit ihren Schützlingen auf dem Spielplatz im Park des Friedens in Görlitz.
Tagesmutter Peggy Beyer mit ihren Schützlingen auf dem Spielplatz im Park des Friedens in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Täglich an der frischen Luft

Ansonsten habe sich aber für "ihre" fünf Kinder nicht viel verändert. Traurig waren sie, als im Vorjahr sogar die Spielplätze gesperrt waren. "Zum Glück wurde das bald aufgehoben", sagt die Tagesmutter, die selbst Mutter von zwei erwachsenen Töchtern ist. Denn sie geht mit den Kindern sehr viel raus an die frische Luft. Nicht nur die Spielplätze in der Brückenstraße, im Stadtpark, im Sonnenhof und auf dem Lutherplatz kennen die Kinder. Auch den Wochenmarkt besuchen sie regelmäßig und suchen manchmal eine Nascherei für sich aus.

Demnächst steht der Besuch im Tierpark wieder einmal auf dem Plan, ebenso das Naturkundemuseum, wenn es wieder öffnen darf. Ansonsten merkt man den Kleinen an, dass Peggy Beyer sie offene Augen und Ohren in der Natur lehrt. Käfer beispielsweise vermutet Jan auch in der Umgebung des Spielplatzes in der Brückenstraße, den die Kleinen am Mittwochvormittag besuchten. Und jeder vorbeihüpfende Vogel wird beachtet.

Zwar müssen die Eltern wie in Kitas auch regelmäßig Formulare über den Gesundheitszustand des Kindes ausfüllen, aber die Sorge der Eltern gehe so weit, dass sie sich zweimal pro Woche freiwillig testen lassen und das bei Peggy Beyer ebenso auf eigenen Wunsch nachweisen.

Auch Positives ist aus der Pandemie erwachsen

Neben ausgeprägten sozialen Kontakten mit den Eltern vermisst Peggy Beyer die Kontakte zu ihren Berufskollegen. 31 Frauen und Männer sind es im Landkreis Görlitz, die in der Kindertagespflege arbeiten. Für sie gibt es in der Corona-Zeit Weiterbildungen nur online. Peggy Beyer wünscht sich, dass bald wieder persönliche Seminare möglich sind. "Da spricht man anders als vor dem PC", gibt sie zu bedenken.

Zwar wird der gewohnte Alltag bald wieder in die Kindertagespflege einziehen, aber es gibt auch Veränderungen. Die Planung für die Schul- und Kindergartenjahre 2020/21 bis 2022/23 sieht im Landkreis Görlitz eine Reduzierung der Kindertagespflegestellen und damit der vorhandenen Betreuungsplätze von derzeit insgesamt 141 vor. 2020 wurden zwei Kindertagespflegestellen im Kreis geschlossen, eine in Görlitz in diesem Jahr. Hinzu kommen noch acht Kindertagespflegestellen, die von den Kommunen Zittau, Görlitz, Rietschen und Markersdorf geplant, jedoch noch nicht mit einer Person besetzt sind.

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Peggy Beyer ist mit Leib und Seele Tagesmutter, das will sie noch lange bleiben. Die Pandemie ist für sie eine herausfordernde Zeit, aber einiges will die Tagesmutter weiterführen. Zum Beispiel das "Übergabe-Ritual" der Kinder am Morgen, wenn Eltern ihre Sprösslinge bringen. Die klare Situation lässt die Kinder den morgendlichen Trennungsschmerz schnell überwinden, "der Übergang in die Tagespflege bei mir ist dann einfacher", erklärt Frau Beyer. Sie möchte auch festhalten an der Entschleunigung, die durch die Pandemie in vielen Familien zu spüren sei. "Bei geschlossenen Geschäften, Baumärkten, Museen, Schwimmhallen und so weiter war vieles unmöglich, sodass sich Eltern und Kinder häufig mehr als früher miteinander beschäftigen und viel mehr Ruhe in die Familien einzog", erklärt sie. Diese Ruhe habe vielen Kindern gutgetan.

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