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Kreis Görlitz: Warum sich das Theater über eine große Biberbande freut

Nach knapp zwei Jahren am GHT ist Theaterpädagogin Miriam Walter glücklich über ihre "Biberbande". Für Jugendliche hofft sie auf einen Neustart.

Von Ines Eifler
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Theaterpädagogin Miriam Walter im Foyer des Görlitzer Theaters.
Theaterpädagogin Miriam Walter im Foyer des Görlitzer Theaters. © Martin Schneider

Das Motto "Mehr Drama, Baby!" klingt schon mal vielversprechend. Damit ist der bundesweite Tag der Theaterpädagogik am 5. Mai überschrieben. In Görlitz kommt zu diesem Anlass das Stück "Germanulien – an allem ist der Biber schuld" des TheaterKidsClubs "Biberbande" zur Aufführung. Es ist die dritte Inszenierung mit Görlitzer Kindern, seit Daniel Morgenroth 2021 Intendant wurde und die Arbeit mit Kindern in Görlitz und Zittau wieder fest ans Theater band. Theaterpädagogin Miriam Walter hat seitdem mehrere Clubs gegründet und durch Höhen und Tiefen gesteuert.

Frau Walter, Sie haben für Kinder, die gern Theater spielen, viel erreicht, das Stück am Freitagabend ist schon lange ausverkauft. Wie läuft es insgesamt seit Gründung der Theaterclubs?

Der Zuspruch war nach zehn Jahren ohne feste Theaterpädagogik und nach den Lockdowns enorm groß. Alle haben geradezu danach gelechzt, dass es wieder Angebote gibt. Und da wir unter den Bereich Bildung fallen, waren wir nicht betroffen, als das Theater wegen Corona geschlossen war.

Am 21. April, dem Welttag des Buches, hat der Theaterkidsclub "Biberbande" des GHT seine Inszenierung "Traumix" in der Görlitzer Stadtbibliothek aufgeführt.
Am 21. April, dem Welttag des Buches, hat der Theaterkidsclub "Biberbande" des GHT seine Inszenierung "Traumix" in der Görlitzer Stadtbibliothek aufgeführt. © Miriam Walter

Die Kinder und Jugendlichen waren enthusiastisch, aber zugleich tiefenentspannt. Es herrschte eine Aufbruchsstimmung, allerdings immer noch mit der Vorsicht im Kopf, hoffentlich dürfen wir weitermachen. Die ersten Stücke haben wir noch mit Abständen inszeniert und der Möglichkeit, dass jemand wegen Krankheit ausfallen könnte.

Wie ist es heute?

Mit der Biberbande, also den Kindern vom Vorschulalter bis etwa zur sechsten Klasse, läuft es nach wie vor fantastisch. Bereits im vorigen Jahr mussten wir die Gruppe aufteilen, weil es so viele waren, sodass sich die einen montags, die anderen dienstags trafen. Aber alle arbeiteten an derselben Inszenierung mit der Herausforderung, sie gemeinsam aufzuführen, einmal beim Viathea, einmal im Apollo. In der aktuellen Spielzeit haben wir auch zwei Gruppen mit jeweils 11 bis 13 Kindern, aber zwei verschiedene Inszenierungen.

Welche ist heute Nachmittag zu sehen?

Das ist schon die zweite. Die erste Inszenierung, in der sich die Kinder ganz viel mit Büchern beschäftigt und ein Stück über Träume und Albträume entwickelt haben, war eine Kooperation mit der Stadtbibliothek. Was ein Glück war! Denn genau am 8. November, als im Theater die Bühne überflutet wurde, hatten wir unsere erste Probe in der Galerie der Bibliothek. Ende April haben sie das Stück "Traumix" auch dort im ausverkauften Saal aufgeführt.

Das ist der Kinderclub Biberbande im Görlitzer Theater bei einem Treffen am Donnerstag. Ganz rechts im Bild steht steht Theaterpädagogin Miriam Walter.
Das ist der Kinderclub Biberbande im Görlitzer Theater bei einem Treffen am Donnerstag. Ganz rechts im Bild steht steht Theaterpädagogin Miriam Walter. © Martin Schneider

Aber die zweite Gruppe hing in der Luft?

Ganz und gar nicht! Trotz des Wasserschadens fand sich stets ein Proben- und letztlich nun mit dem Foyer auch ein Vorstellungsort. Über beide Gruppen bin ich unglaublich froh, die Kinder sind so toll, so offen und zuversichtlich, haben Humor und teilweise richtig schräge Ideen, das macht großen Spaß. Es ist ja kein "Menschenmarionettentheater", in dem ich vorgebe, was sie spielen sollen, oder sie Texte auswendig lernen müssen. Sondern sie erarbeiten ihre Stücke allein nach ihren Ideen vom Titel über die Figuren bis zu Kostümen und Bühnenbild.

Und wie haben Ihre Jugendlichen den Rückschlag durch den Wasserschaden verkraftet?

Da ist etwas geschehen, was mir in 20 Jahren als Theaterpädagogin noch nie passiert ist. Die Gruppe hat sich vor der Aufführung ihres Stückes einfach aufgelöst. Die Jugendlichen hatten eine großartige Inszenierung für das gesamte untere Theaterfoyer erarbeitet, mit viel Ironie, Sarkasmus und wirklich krassen, auch aggressiven Ideen. Ich habe vorher noch nie erlebt, dass eine Gruppe imstande ist, so viel Bösartigkeit auf die Bühne zu bringen und so viel Angestautes herauszulassen.

Was ist geschehen?

So ganz klar ist mir das auch nicht. Wegen des Wasserschadens und der Frage des Brandschutzes stand das Ganze lange auf der Kippe, das tat mir für die Jugendlichen sehr leid. Einige hatten sich zu Beginn der Spielzeit dafür eingesetzt, dass wir wegen der Prüfungszeit bereits im März auftreten. Das war schließlich kaum zu schaffen.

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Es kamen zum Ende hin immer weniger Leute, auch wegen Krankheit, sodass wir die Vorstellung absagen mussten. Ich habe empfunden, dass die Jugendlichen – vielleicht nach der Coronazeit, in der so vieles ausfiel und unnatürlich entspannt lief – sich jetzt mit viel schulischem Druck und Versagensängsten konfrontiert fühlten. Vielleicht spielte auch der Ukrainekrieg eine Rolle, der als nächstes großes Problem über ihre Zukunftswünsche hereinbrach.

Alle sind ausgestiegen?

Nicht alle, in der Gruppe waren Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Einige waren als Nachwuchs aus dem Kidsclub "Biberbande" dabei und spielen weiterhin dort. Andere haben sich dem Jugendclub in Zittau angeschlossen und dort in "Düsterbusch City Lights" mitgewirkt. Manche schreiben jetzt ihre Prüfungen, haben bereits Vorsingen oder Vorsprechen an Hochschulen hinter sich und werden in der nächsten Spielzeit zum Studium gehen. Die Gruppe hätte sich also sowieso neu konstituieren müssen.

Was ist mit der Jugendgruppe, die Moritz Manuel Michel leitet wie auch den Midlife-Theaterclub?

Da er mit Ende der Spielzeit aufhört, wird es demnächst eine Nachfolgerin für ihn geben, die einen neuen Theaterjugendclub aufbauen wird. In Vorbereitung laden wir deshalb in den kommenden drei Wochen jeweils montags 18 Uhr Experimentierfreudige ab 14 Jahren zu einem offenen Workshop ein, der zu nichts verpflichtet.

Die Termine bauen nicht aufeinander auf, die Teilnehmer können also einzeln oder an allen drei Tagen kommen. Wir hoffen, dass wir ein paar bekannte Gesichter wiedersehen, sich aber auch Jugendliche und junge Erwachsene ausprobieren möchten, die bisher noch kein Theater gespielt haben.

Sie selber werden dann nur die beiden Biberbanden betreuen oder halten Sie es mit "Mehr Drama, Baby!"?

Eher das, ich betreue noch eine Bewegungstheatergruppe an der Hochschule, die aber nicht öffentlich auftritt, ein Theaterangebot im Hort der "Altstadtstrolche" sowie ein Ganztagsangebot an der Grundschule Schöpstal mit jeweils Aufführungen im Juni. Im nächsten Jahr möchte ich außerdem eine Teenie-Gruppe für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren aufbauen und eine Inklusionstheatergruppe in Kooperation mit "Martins Hoftheater" Rothenburg, auf die ich mich schon sehr freue. Auch der TanzJugendClub der Tanzcompagnie läuft prima, in der Ballettschule ist einiges los und eine "OpernOpa"-Idee steht im Raum. Lassen wir uns also überraschen!

Offener Theaterworkshop für Experimentierfreudige ab 14 Jahren: 8., 15. und 22. Mai, jeweils 18 bis 19.15 Uhr. Treffpunkt Theaterkasse Görlitz, keine Anmeldung nötig. Fragen an [email protected].