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Opfer dürfen nicht überbaut werden

Polen trägt keine Verantwortung für die Toten im Stalag-Lager Zgorzelec. Aber für das Gedenken sehr wohl. Ein Kommentar.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Eine zu stille Gedenkstätte taugt nicht viel. Denn Gedenken ist nicht nur Trauern und Stille. Gedenken ist Forschen, Sprechen, Austausch. Gedenken ist auch nicht nur in die Vergangenheit gerichtet. Eine gute Gedenkstätte fragt auch, wie das, was einst geschah, im Heute Einfluss nimmt.

Das ist ein schwieriger Grad, eine Grenze, die immer neu ausgelotet werden muss.

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Im Vergleich zu anderen Gedenkorten ist das einstige Stalag VIII a erst spät in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das mag möglicherweise damit zu tun haben, dass es ein Kriegsgefangenenlager war. Es haben hier keine Verbrechen an der Zivilbevölkerung stattgefunden. Aber es gab Verbrechen. Vor allem die sowjetischen wie auch die polnischen Kriegsgefangenen litten im Stalag VIII a sehr.

Das Stalag VIII a hat seine Berechtigung als Ort des Gedenkens. Für die Deutschen ist Gedenken an den Nationalsozialismus vergleichsweise klar, in gewisser Weise einfacher. Sie sind diejenigen, die Ausbeutung und letztlich Massenvernichtung geplant und durchgeführt haben.

Für die Polen ist das anders: Polen war in großen Teilen der Schauplatz - deutscher Verbrechen. Polen hatte Kollaborateure. Polen hatte vor allem aber in der eigenen Zivilbevölkerung sehr viele Opfer zu beklagen. Auch die jüdischen Opfer spielen in ihrem Gedenken eine Rolle - aber die Perspektive ist eine ganz andere.

Vor allem aber: Es gab Tausende Opfer. Ihrer zu gedenken, braucht Leben und Aufmerksamkeit - aber keine Wohnbebauung.

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