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Verfolgt, doch nicht vergessen: Görlitz gedenkt Kinderbuchautorin Mira Lobe

Mira Lobe wurde vor 110 Jahren in Görlitz geboren. In Israel und Österreich wurde sie zu einer bekannten Schriftstellerin. In Görlitz erinnerte jetzt eine Schule besonders an sie. Und es gibt eine aktuelle Veröffentlichung.

Von Sebastian Beutler
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Lehrer der Görlitzer Förderschule führten beim Tag der offenen Tür das Stück "Das kleine Ich bin ich" von Mira Lobe auf.
Lehrer der Görlitzer Förderschule führten beim Tag der offenen Tür das Stück "Das kleine Ich bin ich" von Mira Lobe auf. © Stadt Görlitz

Die große Kinderbuchautorin Mira Lobe, die Bestseller wie "Das kleine Ich bin ich", "Die Omama im Apfelbaum" oder "Insu-Pu" schrieb, wäre an diesem Sonntag 110 Jahre alt geworden. Am 17. September 1913 erblickte sie in Görlitz das Licht der Welt. Geboren in eine jüdische Kaufmannsfamilie, musste sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten fliehen und wanderte rechtzeitig nach Israel aus. Da sie bereits 1951 zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern nach Wien ging, gilt sie heute als österreichische Kinderbuchautorin.

In Görlitz erinnert nicht nur eine Tafel an ihrem Görlitzer Wohnhaus an der Struvestraße sowie eine weitere an der Ecke Struvestraße/Otto-Müller-Straße an die Autorin. Auch das Förderschulzentrum trägt seit zehn Jahren den Namen der Schriftstellerin. Anlässlich ihres 100. Geburtstages gab es damals zahlreiche Würdigungen in Görlitz, ja beinahe eine Wiederentdeckung.

Am Freitag lud das Förderschulzentrum aus dem Namensanlass zum Tag der offenen Tür ein. Höhepunkt war die Aufführung eines Theaterstücks nach dem gleichnamigen Buch "Das kleine Ich bin ich" durch die Lehrer der Schule.

Wer mehr über Mira Lobe erfahren will, ist gut beim Verlag Gunter Oettel aus Görlitz aufgehoben. Der hat 2020 das Buch "Gute Meister Zweiten Ranges" herausgebracht. Es handelt sich dabei um Aufsätze, Manuskripte und Briefe aus dem Nachlass des Görlitzer Literaturwissenschaftlers Wolfgang Wessig. Obwohl es bereits seit drei Jahren auf dem Markt ist, war es doch ein wenig in der Corona-Pandemie untergegangen, wie Verleger Gunter Oettel gegenüber der SZ sagt.

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Und das völlig zu Unrecht. Denn in dem Buch sind auch mehrere Beiträge zu Mira Lobe enthalten, allen voran ein kleiner Briefwechsel zwischen der Autorin und Wolfgang Wessig, eine biografische Skizze zu Mira Lobe sowie ein Aufsatz zu Mira Lobes "Insu-Pu", einem Klassiker der israelischen Kinderliteratur. Fast hätte der Tod Wolfgang Wessigs im Jahre 2017 das Buch verhindert, doch seine Witwe, Ursula Wessig, griff das Thema auf und brachte das Buch zusammen mit Gunter Oettel doch noch auf den Weg.

Hinweis: Wolfgang Wessig: Gute Meister zweiten Ranges. ISBN 978-3-944560-67-0, 20 Euro.