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Geplatzter Traum auf dem Kreuzberg

Die Evangelische Kirche will die Tagungsstätte bei Görlitz verkaufen. Ein erster Anlauf scheiterte jetzt. Wie geht es weiter?

Die Kreuzbergbaude in Jauernick-Buschbach sollte verkauft werden. Doch der potenzielle Käufer sagte kurzfristig ab.
Die Kreuzbergbaude in Jauernick-Buschbach sollte verkauft werden. Doch der potenzielle Käufer sagte kurzfristig ab. © Nikolai Schmidt

Thomas Koppehl ist ein Mann der leisen Worte, obwohl ihm jetzt eher zumute ist, laut zu werden. 

Der Superintendent des Kirchenkreises Niederschlesische Oberlausitz drückt  aus, wie enttäuscht er ist: Der Verkauf der Kreuzbergbaude auf dem gleichnamigen Berg in Jauernick-Buchbach bei Görlitz ist geplatzt. Der potenzielle Käufer hat die Evangelische Kirche  schlichtweg versetzt und den Kauf kurzfristig abgesagt. Wie einen Schlag in die Magengrube empfindet das der Superintendent, sagt er.

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Eigentlich wollte die Diakonie St. Martin die Tagungsstätte kaufen. Sie wäre sozusagen in der evangelischen Familie geblieben: Die Diakonie ist die "Sozialabteilung" der Kirche. Um dem Käufer einen gleitenden Übergang und einen guten Start zu ermöglichen, hielt  die Evangelische Kirche als Eigentümer den Geschäftsbetrieb auf dem Kreuzberg aufrecht. Der Käufer habe sich das auch so gewünscht, erklärt Thomas Koppehl. Deswegen wurde das Haus zum Jahresende 2019 nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, geschlossen. Und deswegen wurden weiterhin vor allem Reisegruppen mit und ohne Konfession auf den Kreuzberg eingeladen und betreut.

Eigentümerwechsel sollte im September erfolgen

Der Superintendent hatte fest damit gerechnet, dass der Eigentümerwechsel am 1. September dieses Jahres über die Bühne geht, nachdem monatelang über den Verkauf verhandelt wurde und Juristen am Kaufvertrag feilten. Doch jetzt kam die plötzliche Absage von der Diakonie. Die Corona-Pandemie spielte dabei eine Rolle, aber auch die eigene Einschätzung des Käufers, erklärt Thomas Koppehl.

Nachdem die Gruppen, die auch in diesem Jahr auf dem Kreuzberg zu Gast waren, gut und individuell betreut wurden, gibt es jetzt einen Notbetrieb, erklärt Koppehl. Betriebsleiter Hans-Jürgen Horschig ging bereits im Juni in den Ruhestand, ein Mitarbeiter verließ die Tagungsstätte. Mit einer Teilzeitkraft,  ehrenamtlichen Helfern und abgeordneten Kirchenmitarbeitern wird der Notbetrieb aufrechterhalten. "Aber gerade Letztere fehlen uns jetzt in anderen Bereichen", erklärt Thomas Koppehl.

Die Möglichkeiten werden sondiert

Nun ist die Evangelische Kirche  auf der Suche nach einem neuen Käufer oder Partner. "Wir sondieren verschiedene Möglichkeiten, aber noch ist nichts spruchreif", betont der Superintendent. Eventuell wird die Tagungsstätte neu ausgeschrieben. Gibt es bis zum Ende dieses Jahres keinen Käufer, wird die Kreuzbergbaude geschlossen, sagt Koppehl.

Die Evangelische Kirche hatte sich zum Verkauf der Tagungsstätte entschlossen, da sie seit Langem jährlich Zuschüsse im mittleren fünfstelligen Bereich für die Unterhaltung der Einrichtung leisten musste. Das überstieg auf Dauer die finanziellen  Möglichkeiten der Kirche. Mit dem Zusammenschluss der schlesischen Kirche mit Berlin-Brandenburg ging die Auslastung der Tagungsstätte auf dem Kreuzberg rapide zurück. Denn Berlin-Brandenburg besitzt in Berlin seit vielen Jahren eine eigene Akademie als kirchliche Tagungsstätte. Und die Hoffnungen, dass die Akademie der neuen Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz auch Seminare und Tagungen in Jauernick veranstaltet, haben sich nicht erfüllt. 

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