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Bahn bereitet Abrisse in Görlitz vor

Auf dem Bahnhofsgelände an der Sattigstraße sollen vier Gebäude weichen. Zumindest eins davon ist sehr markant.

Der Wasserturm bleibt stehen, aber die Gebäude ringsherum sollen alle verschwinden, darunter auch der frühere Wagenmeisterposten (links).
Der Wasserturm bleibt stehen, aber die Gebäude ringsherum sollen alle verschwinden, darunter auch der frühere Wagenmeisterposten (links). © Martin Schneider

Bewohner der Görlitzer Südstadt haben sich in den vergangenen Wochen gewundert. Warum werden um den alten Wasserturm an der Sattig-/Ecke Melanchthonstraße alle Bäume und Sträucher weggesägt? Was macht der Bagger dort? Werden die Denkmale etwa abgerissen?

Auch die Trafostation, die rechts an den Wasserturm angebaut ist, sowie eine kleine Blechgarage, die auf diesem Foto von den Werbetafeln verdeckt wird, sollen weichen.
Auch die Trafostation, die rechts an den Wasserturm angebaut ist, sowie eine kleine Blechgarage, die auf diesem Foto von den Werbetafeln verdeckt wird, sollen weichen. © Martin Schneider

Die letzte Frage beantwortet Bahn-Sprecher Jörg Bönisch mit einem klaren Jein. Konkreter gesagt: Der Wasserturm selbst bleibt auf jeden Fall stehen. An ihm werden zur Verkehrssicherung sogar kleine Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Aber ringsum sollen tatsächlich einige Gebäude abgerissen werden. Jedenfalls voraussichtlich. „Es handelt sich um Planungen und es liegen noch keine Genehmigungen vor“, schränkt Bönisch ein. Der gesamte Bahnhof Görlitz stehe als „Sachgesamtheit“ unter Denkmalschutz – und damit auch die Gebäude, die abgerissen werden sollen.

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Deshalb ist jetzt ein ziemlicher Aufwand erforderlich. Zuerst wurden Bäume und Sträucher rund um die betreffenden Gebäude abgeholzt. „Das war die Voraussetzung für die durch die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Görlitz geforderte denkmalschutzgerechte Bestandsdokumentation“, sagt Bönisch. Dazu werden die Gebäude durch einen Bauhistoriker fotografisch und zeichnerisch erfasst. Die Bestandsdokumentation wird anschließend in zweifacher Ausfertigung der Unteren Denkmalschutzbehörde übergeben. Parallel wird die Genehmigungsplanung für den Abriss der Gebäude erstellt. Diese wird wahrscheinlich im zweiten Halbjahr beim Eisenbahn-Bundesamt zur Genehmigung eingereicht. „Ob die Abbrucharbeiten genehmigt werden, ist demnach noch nicht abzuschätzen“, sagt Bönisch. Mit dem tatsächlichen Beginn der Abrissarbeiten rechnet der Sprecher nicht mehr dieses Jahr.

Vom Gleis 12 im Görlitzer Bahnhof aus sehen Reisende den gelblichen Wagenmeisterposten, der hinter dem Wasserturm steht und abgerissen werden soll.
Vom Gleis 12 im Görlitzer Bahnhof aus sehen Reisende den gelblichen Wagenmeisterposten, der hinter dem Wasserturm steht und abgerissen werden soll. © Martin Schneider

Die Stadtverwaltung ist mit ihren Genehmigungen schon einen Schritt weiter. Die Bahn plane den Abbruch der Gebäude, sagt Sprecherin Sylvia Otto: „Diesem Antrag wurde angesichts des äußerst desolaten Zustands beider Anlagen zugestimmt.“ Jetzt sei nur abgeholzt worden: „Die eigentlichen Abbrucharbeiten erfolgen erst später.“ Wann genau, sei Sache der Bahn.

Alles in allem sind es vier Gebäude, die weichen sollen. Eins davon ist sehr markant: Der frühere Wagenmeisterposten. Er steht an der Stirnseite der Melanchthonstraße, einige Meter links vom Wasserturm. Das Gebäude war ursprünglich ein Übernachtungsgebäude für das Bahnpersonal der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn (SSE). Später waren die Reisezugwagendisponenten hier angesiedelt. Im sächsisch-preußischen Staatsvertrag von 1843 war Görlitz als Verknüpfungspunkt zwischen der SSE und der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn (NME) festgelegt. Einige Gebäude wurde daher doppelt erstellt: Je Bahngesellschaft wurden ein Güterschuppen und ein Übernachtungsgebäude für das Bahnpersonal gebaut. Die Gebäude an der Sattigstraße gehörten zur SSE.

Dieser kleine, marode Güterschuppen an der Sattigstraße zwischen Jauernicker- und Kunnerwitzer Straße ist ebenfalls zum Abriss vorgesehen.
Dieser kleine, marode Güterschuppen an der Sattigstraße zwischen Jauernicker- und Kunnerwitzer Straße ist ebenfalls zum Abriss vorgesehen. © Martin Schneider

Doch der frühere Wagenmeisterposten ist nur eins von vier Gebäuden, die abgerissen werden sollen. Das Zweite ist eine Trafostation, die unmittelbar an den Wasserturm angebaut ist. Das Dritte ist kaum erkennbar: Eine Blechgarage unterhalb des Wasserturms. Sie steht direkt am Fußweg der Sattigstraße, ist aber kaum zu sehen, weil sie von zwei großen Werbetafeln verdeckt wird. Weitaus sichtbarer ist das vierte Gebäude: Ein Backstein-Güterschuppen. Er befindet sich ebenfalls an der Sattigstraße, allerdings im Abschnitt zwischen Jauernicker- und Kunnerwitzer Straße. Der weitaus größere Backstein-Eilgutschuppen direkt daneben bleibt aber stehen.

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