merken
PLUS Görlitz

So empfängt Görlitz künftig Bahnreisende

Der Bahnhof von Görlitz soll schicker werden. Stadtwappen und Schriftzug zieren künftig die Glaswände. Seit dieser Woche laufen erste Arbeiten.

So soll die Görlitzer Bahnsteighalle nach ihrer Sanierung aussehen. Im Frühling 2023 soll es so weit sein.
So soll die Görlitzer Bahnsteighalle nach ihrer Sanierung aussehen. Im Frühling 2023 soll es so weit sein. © Bild: ZPP/DB S&S AG

Görlitz. Schwarz auf durchsichtig sollen Bahnreisende lesen können, wo sie sich befinden: Der Name Görlitz soll künftig in dicken Lettern die Glaswände der Bahnsteighalle zieren, dazu das farbenfrohe Stadtwappen. „An beiden Außenseiten, also an Gleis 7 und Gleis 12, wird der Schriftzug zu lesen sein“, sagt Jan Riedel, Projektleiter Bauausführung bei der DB Station & Service AG. Nicht alle paar Meter wiederkehrend, sondern einmal pro Seite.

An den Glaswänden im Bahnhof werden Schriftzug und Wappen künftig auf Görlitz hinweisen.
An den Glaswänden im Bahnhof werden Schriftzug und Wappen künftig auf Görlitz hinweisen. © Quelle: ai Consult

Riedel hat derzeit vor Ort in Görlitz zu tun, denn ab dem Jahresende plant die Bahn umfangreiche Sanierungsarbeiten im Bahnhof. Sie will einen zweistelligen Millionenbetrag in die Bahnsteighalle investieren. Hallendach, Glasfensterflächen und Beleuchtung sollen richtig schick werden. Außerdem erhalten die Bahnsteige 9/10 erstmals einen Aufzug. Gleise und Bahnsteige bleiben aber, wie sie sind. Ebenfalls nicht geplant sind ein behindertengerechter Umbau des Südausganges und die Sanierung der großen Empfangshalle. Für all das reicht das Geld nicht aus.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Damit die Sanierung bis ins letzte Detail geplant werden kann, finden seit Montag schon einmal Probearbeiten vor Ort im Bahnhof Görlitz statt. Ganz am Ende von Gleis 7 haben Arbeiter einen kurzen Abschnitt eingerüstet, vom Fundament bis hoch ans Dach. „Dann haben wir die Gläser ausgebaut, um an die Konstruktion heranzukommen“, erklärt Riedel. Das Silikon wurde entfernt, anschließend alles per Hochdruck gereinigt und getrocknet. „Als Nächstes wird die Konstruktion sandgestrahlt, um einen sauberen, haftungsfähigen Untergrund zu bekommen“, erklärt der Projektleiter. Schließlich sollen Farben in verschiedenen Varianten aufgetragen und mit dem Bestand abgeglichen werden.

An den Fenstern am Ende von Gleis 7 im Bahnhof Görlitz untersucht die Bahn derzeit, wie die Sanierung am Besten gelingen könnte. Dazu hat sie einen kurzen Abschnitt eingerüstet.
An den Fenstern am Ende von Gleis 7 im Bahnhof Görlitz untersucht die Bahn derzeit, wie die Sanierung am Besten gelingen könnte. Dazu hat sie einen kurzen Abschnitt eingerüstet. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Am Ende werden auch Gläser eingebaut, um zu überprüfen, wie sich der Klebstoff mit dem Farbsystem verträgt. Das soll dann in nächster Zeit regelmäßig geprüft werden. Ein Heidenaufwand, der einerseits dazu dient, die Materialverträglichkeit zu prüfen, die optimalen Farben und die bestmögliche Qualität auszuloten, andererseits aber auch, um alle Arbeitsschritte zeitlich zu dokumentieren und noch verlässlichere Zeitpläne aufstellen zu können.

Die dreischiffige Bahnsteighalle ist etwa 125 Meter lang, 60 Meter breit, 14 Meter hoch und wurde um 1914 errichtet. Demnächst gibt es dazu Abstimmungstermine mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. Vieles sei zwar schon vorabgestimmt, aber noch nicht jedes Detail. Auch der Schriftzug mit dem Wappen an den Glaswänden könnte sich nach der Detailabstimmung noch ein wenig verändern, falls die Behörde das will, erklärt Riedel.

Der Denkmalschutz sei auch ein Grund für den enormen Aufwand im Vorfeld: „Wir wollen aktiv mit dem Denkmalamt zusammenarbeiten.“ Aber auch, um die Qualität zu sichern, sei der Aufwand gerechtfertigt. Die Regel sei das jedoch nicht: „Wir haben es hier mit einer sehr alten Konstruktion zu tun, im Bestand existieren schon jetzt verschiedene Farbsysteme und es gab schon oft Sanierungen“, so Riedel.

Jan Riedel, Projektleiter Bauausführung bei der DB Station & Service AG, hat derzeit vor Ort im Bahnhof Görlitz zu tun. Nurür das Foto hat er ganz kurz die Maske abgenommen.
Jan Riedel, Projektleiter Bauausführung bei der DB Station & Service AG, hat derzeit vor Ort im Bahnhof Görlitz zu tun. Nurür das Foto hat er ganz kurz die Maske abgenommen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Zuletzt seien Anfang der 1990er Jahre wohl alle Fenster in den Längsfassaden getauscht worden. Die erste Erkenntnis aus den Untersuchungen diese Woche: „Der Klebstoff wurde damals sehr stark aufgetragen, er geht extrem schlecht von den Fenstern ab.“ Doch es sei nötig, ihn zu lösen, damit die Metallkonstruktion sandgestrahlt und auf lange Zeit haltbar gemacht werden kann. Die Scheiben hingegen werden nicht wieder eingebaut, sondern durch Verbundsicherheitsglas ersetzt.

Im letzten Quartal 2021 beginnen die vorbereitenden Arbeiten. Unter anderem sollen dann auf dem Bahngelände an der Sattigstraße Sträucher weichen, damit dort die Baustelleneinrichtungsfläche mitsamt Materiallager entstehen kann. Auf ihr werden dann auch schon Teile des Hallendachs vormontiert und die Kräne aufgebaut.

Eigentliche Sanierung beginnt im Januar

Die eigentliche Sanierung der Bahnsteighalle beginnt im Januar – egal, wie das Wetter dann ist. Gebaut wird immer nur in einer der drei Hallen – und dort ist auch immer nur eines der beiden Gleise gesperrt, sodass also durchweg fünf von sechs Gleisen in Betrieb sein werden. In den Hallen soll auf verschiebbaren Gerüsten gearbeitet werden, unter denen die Züge hindurchfahren. Für jedes der drei Hallendachschiffe ist eine Bauzeit von jeweils vier Monaten vorgesehen. Im Frühling 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Weiterführende Artikel

Bahnhöfe sollen sauberer und barrierefrei werden

Bahnhöfe sollen sauberer und barrierefrei werden

In 50 Städten sollen Stationen umgebaut werden. Sachsen ist deutlich unterrepräsentiert. Und woran liegt das?

Zusätzlich entsteht im Personentunnel eine witterungsunabhängige und sichere Station für etwa 35 Fahrräder, kombiniert mit Gepäckfächern, Service- und Info-Angeboten. Mit einem frischen Design und dem Einsatz von Lichtelementen erhält der Tunnel ein modernes Aussehen. „Die Fahrradabstellanlage soll bereits Mitte dieses Jahres fertiggestellt sein“, sagt Riedel.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz