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Wo stehen künftig in Görlitz Touristenbusse?

Immer mehr Firmen bieten Stadtrundfahrten an. Doch die Standplätze sind rar. Und die Meinungen in der Stadt gehen sehr auseinander.

In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Am Obermarkt wird es deshalb mittlerweile zu eng.
In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Am Obermarkt wird es deshalb mittlerweile zu eng. © André Schulze

Der Tag der Entscheidung naht: Donnerstag nächster Woche sollen die Görlitzer Stadträte festlegen, wo künftig die Fahrzeuge für Stadtrundfahrten stehen werden. Eine Neuregelung ist nötig, weil die Zahl der Anbieter in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Voriges Jahr kamen weitere dazu, darunter der rote Görliwood-Bus, der vor allem wegen seiner enormen Größe nicht nur Freunde fand. Mindestens sechs Unternehmen konkurrieren inzwischen um die Standplätze.

Für den Obermarkt allein sind es jetzt zu viele Fahrzeuge, da sind sich Anwohner, Stadtverwaltung und Stadtrat einig. Doch wie soll es in Zukunft ablaufen? Dazu gehen die Ideen deutlich auseinander. Der Vorschlag der Stadt: „Wir wollen ab 15. März verschiedene Standplätze für ein Jahr anbieten“, sagt Bauamtsleiter Torsten Tschage. Bei einer Interessenbekundung könne sich jedes Unternehmen auf einen Standplatz bewerben. Den kann es dann ganz allein nutzen – oder in Eigenverantwortung zu den gleichen Konditionen an Mitbewerber unterverpachten.

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Trennung nach Antriebsarten

Die Stadt plant eine Trennung nach Antriebsarten: Auf Obermarkt und Klosterplatz soll es vier Standorte für Busse mit Verbrennungsmotor geben, auf dem Untermarkt zwei Stellplätze für reine Elektrofahrzeuge und auf der Fleischerstraße oder vor dem Kaisertrutz zwei Plätze für Pferdekutschen. Das hat unterschiedliche Gründe. Die Anbieter mit Elektrofahrzeugen hatten sich selbst nach dem Untermarkt erkundigt. Die Stadt hat das geprüft und zwei passende Standorte gefunden. Beide befinden sich vor dem Rathaus auf der Flüsterbogenseite des Platzes – also da, wo bei großen Festen die Bühne steht.

Jeder Anbieter kann sich auf jeden Standplatz bewerben. Allerdings ist das eher Theorie. In der Praxis sind viele Standplätze auf einen konkreten Anbieter zugeschnitten. Für den Görliwood-Bus eignen sich die drei Obermarkt-Standplätze nicht, weil er zu groß ist, um in der Spitzkehre wenden zu dürfen. Für ihn passt somit nur der Stellplatz am Klosterplatz, vor dem AOK-Gebäude. Und der Stadtschleicher ist nicht so groß, aber sehr lang. Für ihn ist nur der Stellplatz vor der Dreifaltigkeitskirche lang genug. Vor dem Napoleonhaus gibt es zwei weitere Stellplätze für Anbieter mit kleineren Fahrzeugen.

Unterschiedliche Preis-Varianten

Der Preis ist moderat: Pro Monat 25 Euro für eine Pferdekutsche, 50 Euro für einen E-Bus und 100 Euro für einen Bus mit Verbrennungsmotor. Ursprünglich hatte die Stadt für alle Anbieter 50 Cent pro Quadratmeter und Monat vorgeschlagen. „Wir haben das wegen der Diskussion im Stadtrat verändert“, sagt Wieler.

Doch auch jetzt gibt es noch zahlreiche Diskussionen. Die Bürgerfraktion zum Beispiel will das Gebührenmodell wieder zurückdrehen. „Wir finden es nicht gut, wenn ein kleiner VW-Bus mit acht Sitzplätzen die gleiche Gebühr zahlt wie der große Görliwood-Bus“, sagt Fraktionschef Karsten Günther-Töpert. Quadratmeter-Preise fände seine Fraktion besser. Und auch nicht zu niedrig: „100 Euro im Monat für einen großen Bus sind zu wenig.“ Seine Fraktion hat auch noch einen zweiten Änderungsvorschlag: „Wir werden uns gegen Busse auf dem Untermarkt aussprechen.“ Der Platz sei ein klassisches Fotomotiv für Touristen: „Dort hat kein Bus etwas zu suchen.“

AfD ist gegen Halt am Kaisertrutz

Das sieht die AfD als größte Fraktion genauso. „Pferdedroschken wären an dieser Stelle besser“, sagt Fraktionschef Lutz Jankus. Generell habe sich seine Fraktion aber noch nicht auf einen eigenen Änderungsvorschlag festgelegt: „Vielleicht hängen wir uns bei einer anderen Fraktion mit dran.“ Einen Vorschlag aber fände er nicht gut: Busse am Kaisertrutz. Das sei zu weit weg, gerade für ältere Leute, sagt Jankus.

Die Fraktion Motor Görlitz/Grüne bringt genau diesen Ort ins Gespräch. „Aus unserer Sicht ist es einfacher, einen Platz für alle Anbieter vorzuhalten, als fünf verschiedene“, sagt Fraktionschef Mike Altmann. Der Platz am Kaisertrutz eigne sich, weil er genug Platz für Ein- und Ausstieg biete. Momentan sind dort aber drei Haltestellen für Busse mit Tagestouristen. Altmann schlägt vor, dass Reisebusse generell auf den dafür angelegten Busparkplatz an der Christoph-Lüders-Straße fahren sollen: „Dort sind Flächen für bis zu 16 Busse geschaffen worden.“ Über die Conrad-Schiedt-Straße würden diese Gäste in weniger als fünf Minuten zum bisherigen Ausstieg am früheren Busbahnhof gelangen.

CDU hat sich noch nicht festgelegt

Die CDU hat sich noch nicht festgelegt, sagt Matthias Urban: „Wir sind mit ein paar Standorten nicht einverstanden, und mit den Gebühren auch noch nicht.“ Deshalb habe seine Fraktion vor zehn Tagen einige Fragen an die Stadtverwaltung geschickt. „Die Antworten haben wir erst am Montag erhalten“, sagt Urban. Noch sei unklar, wie die CDU stimmen wird – oder ob es aufgrund der Fragen besser sei, das Thema auf die März-Sitzung zu vertagen.

Die Linkspartei als kleinste Fraktion plant keinen eigenen Antrag: „Wir schauen uns die anderen Ideen an und hören auf die besten Argumente“, sagt Mirko Schultze. Er findet es gut, dass die Stadt das erst einmal nur für ein Jahr ausschreiben will – als Testlauf. „Wenn etwas nicht funktioniert, können wir das ja nach einem Jahr ändern“, sagt Schultze. Wieler sieht das genauso. Ihm ist wichtig, dass im Stadtrat nicht alle Vorschläge abgelehnt werden, sondern dass einer eine Mehrheit findet.

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