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Grundschüler ängstigen sich in Reichenbach

Einige Kinder haben Angst vor einem behinderten Mann. Gerüchte heizen die Stimmung in der Kleinstadt noch auf. Was wir bislang wissen.

Im Umfeld der Grundschule in Reichenbach sollen sich seltsame Dinge abspielen. Die Polizei ermittelt.
Im Umfeld der Grundschule in Reichenbach sollen sich seltsame Dinge abspielen. Die Polizei ermittelt. © Constanze Junghanß

Einige Eltern bringen ihre Kinder nun morgens wieder zur Grundschule auf der Gersdorfer Straße – aus Sorge und weil die Kinder Angst haben. Auch Frau Meier* macht das so. „Ich hole mein Kind am Nachmittag ab, obwohl es bis vor Kurzem noch alleine gelaufen ist“, sagt sie.

Angst haben die Kinder vor einem Mann, der in einer Behinderteneinrichtung lebt und oft und ohne Begleitung in der Stadt unterwegs ist. Der Mann gehe auf die Kinder zu, versuche sie zu umarmen, soll aber auch schon Kinder gekniffen und über den Kopf gestrichen haben.

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Für Frau Meier und andere Eltern eine klare Übergriffigkeit – auch wenn dem Mann aufgrund seiner geistigen Behinderung offenbar niemand böse sein will. Er könne nichts für seine Einschränkungen, sei auf dem geistigen Stand eines Dreijährigen, heißt es. „Wir wünschen uns aber, dass die Einrichtung, in der er lebt, sich Gedanken macht, wie die Situation besser zu kontrollieren ist“, sagt die Mutter. Sie fragt sich, warum der Mann bei seinen Ausflügen nicht begleitet wird. Schließlich sollen sich die Kinder auch wieder allein in die Schule trauen. Der Grundschule ist bekannt, dass es solche Ängste und Sorgen gibt, wie das Sekretariat der Schule auf Nachfrage mitteilt. Die Polizei wurde informiert.

„Der Polizei liegen Erkenntnisse zu dem Mann vor“, sagt Polizeisprecher Sebastian Ulbrich. Er sagt, dass die Polizei das Verhalten des Mannes bestätigen kann. Mit der Grundschule Reichenbach sei Rücksprache gehalten worden. Eine Anzeige der Schule läge nicht vor. Der Mann habe als unbefugte Person jedoch keine Berechtigung, das Gelände der Grundschule zu betreten. „Bei Verstößen soll die Schule Strafanzeige erstatten“, sagt Sebastian Ulbrich und auch: „Ansonsten hält sich die Person im Stadtgebiet Reichenbach auf.“ Die Polizei rät besorgten Eltern ebenso, Hinweise ihrer Kinder ernst zu nehmen und bei Bekanntwerden derartiger Vorfälle selbst eine Anzeige zu machen.

1:1-Betreuung des Bewohners nicht vorgesehen

Die Leiterin der Behinderteneinrichtung, Claudia Görner, bietet Eltern ihre Gesprächsbereitschaft an. Bisher hätten sich verunsicherte Mütter und Väter jedoch noch nicht an sie gewandt. Eine 1:1-Betreuung und eine Begleitung des Bewohners sei vom Kostenträger und auch von der Konzeption des Hauses jedoch nicht vorgesehen. „Wir sind eine offene Einrichtung“, sagt sie.

In der Kleinstadt wächst aber auch aus einem anderen Grund die Verunsicherung. Über WhatsApp verbreitete sich eine Nachricht wie ein Lauffeuer: Ein dunkel bekleideter Unbekannter mit Kopfbedeckung und Maske soll Anfang Juli im Neubaugebiet bei einem Spielplatz auf der Thomas-Müntzer-Straße in einem Gebüsch gesessen und Kinder gelockt haben. „Haltet die Augen offen, passt auf eure Kinder auf“, steht in der Nachricht und auch dass diese Information weiter verbreitet werden soll. Die eine Sorge hat mit der anderen nichts zu tun, wird schnell klar.

Über den angeblichen Vorfall auf dem Spielplatz wurde die Polizei am Abend des 4. Juli informiert. „Demnach hätten sich drei Mädchen auf dem Spielplatz aufgehalten, als sie eine männliche Person bemerkten, die sich hinter einer Hecke versteckt hielt. Als der Mann die Kinder sah, soll er mit dem Zeigefinger Lockbewegungen in seine Richtung gemacht haben“, sagt der Polizeisprecher. Danach sei der Unbekannte aufgestanden und in Richtung des benachbarten Ödlandes und der Gärten gelaufen.

Oder ist alles nur ein Gerücht?

Die Reaktion der Eltern auf polizeiliche Ermittlungen war allerdings überraschend. Während die Polizei eines der Kinder befragen konnte, „verweigerten weitere Eltern die Zusammenarbeit mit der Polizei“, teilt Sebastian Ulbrich mit. Also ein Gerücht, das die Sorgen weiter schürt? Völlig von der Hand zu weisen ist das nicht. Ermittlungen im Tatortbereich hätten zu keinen weiteren Erkenntnissen geführt.

Auf Vermutungen und Gerüchte sollten Eltern kritisch und zurückhaltend reagieren. „Derartige Sachverhalte sind nicht auszuschließen, Gerüchte führen jedoch eher zur Verunsicherung bei den Eltern“, so der Polizeisprecher. Wichtig sei, dass Eltern ihren Kindern vermitteln, nicht auf fremde Personen zu reagieren, von ihnen Geschenke anzunehmen oder mit ihnen mitzugehen. „Kinder sollten für derartige Situationen sensibilisiert werden, ohne dass ihnen dabei ein Gefühl von Angst vermittelt wird“, sagt Sebastian Ulbrich.

* Name geändert

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