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Diese Görlitzer Villa wartet auf neuen Glanz

Das Forellhaus in Biesnitz ist eines der schönsten Gebäude der Stadt. Die angekündigte Sanierung ist noch nicht in Sicht.

© SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

Von Ulrich Beyer

Das malerisch verwinkelte Forellhaus, auf der Görlitzer Promenadenstraße kennt jeder alteingesessene Görlitzer. Dass an gleicher Stelle schon mal ein Haus stand, wissen nur wenige. Ein Fachwerkbau vom Ende des 18. Jahrhunderts war es. Um 1845 bekam es einen Saalanbau, und Wirt August Schander führte darin das Lokal „Zur Erholung“. Er betrieb es bis kurz vor dem Abriss 1895/96. Ein Umbauplan des Hamburger Architekten Paul Hübner von 1879 wurde nicht verwirklicht. 1897 wich der Altbau der Baugrube für ein von vielen als „schönste Biesnitzer Villa“ betiteltes Haus.

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Bauherr war Gustav Schultze, dessen Vater Eduard auf dem Postplatz ein großes Geschäftshaus führte, in dem heute beispielsweise das Schuhhaus Leiser ist. Bis 1920 wohnte Gustav Schultze in Biesnitz, dann verkaufte er das Grundstück an August Walden, Besitzer von elf Säge- und Hobelwerken, vor allem in der Görlitzer Heide. 1932 zog Geheim- und Bergrat Gustav Williger mit in die Villa, Teilhaber und ab 1935 Besitzer der Waldenburger Kohlegruben. August Walden überließ ihm 1938 das große Grundstück allein. Unter Williger bekam es Zierbrunnen, Parkgestaltung, das Denkmal eines nackten Hammer schwingenden Arbeiters und auch eine erneuerte Kegelbahn.

Nach 1945 gingen Haus und Park an die Kirche

Doch kurz nach Waldens Auszug starb Williger. Seine Frau Kate, eine Engländerin, wohnte bis 1945 noch hier, beschäftige weiter den Diener Franz Suda und den Chauffeur Thomas Jablonsky, der später ein paar Straßen weiter eine Autowerkstatt einrichtete. Seinem Diener hatte Williger noch den Bau eines eigenen Hauses auf der Grundstraße spendiert.

Nach 1945 schenkte die Witwe Haus und Park der evangelischen Kirche. Nach einem kurzen Gastspiel von Schuh-, Textil- und Strohwarenhändlern macht die Kirche das Objekt zu einem Heim der Inneren Mission und über mehrere Jahre zu einem Müttererholungsheim. Es erhielt den Namen „Friedrich-Forell-Haus“. Der „nackte Mann“ im Park passte freilich nicht dazu, er ging als Geschenk an die Stadt und steht heute an der Einmündung Promenaden-/Friesenstraße.

In der DDR waren es vor allem Ursula und Manfred Kahl, die als Wirtschafterehepaar im Kirchen-Auftrag das Grundstück in Schuss hielten. Sie wohnten im Nebengebäude, so wie früher schon der Diener und auch der Gärtner Otto Pfeffer.

Diese Fotos wurden vor drei Jahren im Forellhaus gemacht:

Die besten Tage hat das Forellhaus bereits hinter sich. Von der einstigen Größe konnten sich die Besucher zuletzt am Tag des offenen Denkmals ein Bild machen...
Die besten Tage hat das Forellhaus bereits hinter sich. Von der einstigen Größe konnten sich die Besucher zuletzt am Tag des offenen Denkmals ein Bild machen... ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
...etwa vom Lichthof, der über einer Wendeltreppe liegt, die ins Dachgeschoss führt.
...etwa vom Lichthof, der über einer Wendeltreppe liegt, die ins Dachgeschoss führt. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
Der frühere Glanz des 1897 entstandenen Hauses ist an vielen Stellen noch zu erahnen...
Der frühere Glanz des 1897 entstandenen Hauses ist an vielen Stellen noch zu erahnen... ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
...so etwa im stattlichen Treppenhaus, das trotz abplatzender Farbe noch heute den großbürgerlichen Lebensstil des 19. Jahrhunderts vermittelt...
...so etwa im stattlichen Treppenhaus, das trotz abplatzender Farbe noch heute den großbürgerlichen Lebensstil des 19. Jahrhunderts vermittelt... ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
...auch das Äußere ist trotz Graffiti-Schmierereien weiter imposant. Nun hoffen die neuen Eigentümer, dass sie ihre Sanierungspläne verwirklichen können.
...auch das Äußere ist trotz Graffiti-Schmierereien weiter imposant. Nun hoffen die neuen Eigentümer, dass sie ihre Sanierungspläne verwirklichen können. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
Im Keller ist diese alte Wäschemangel zu finden...
Im Keller ist diese alte Wäschemangel zu finden... ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
...während im Erdgeschoss die Kochmaschine inclusive einer Durchreiche fürs Essen in der Tür rechts steht.
...während im Erdgeschoss die Kochmaschine inclusive einer Durchreiche fürs Essen in der Tür rechts steht. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
Der erste Stock beherbergt diesen fest eingebauten Kleiderschrank...
Der erste Stock beherbergt diesen fest eingebauten Kleiderschrank... ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt
...jedoch sind auch zahlreiche Graffitis von nächtlichen Besuchern zu finden.
...jedoch sind auch zahlreiche Graffitis von nächtlichen Besuchern zu finden. ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

1990 veräußerte die Kirche das Haus, seitdem steht es leer. Mal gehörte es einer Verwertungsgesellschaft in Zweibrücken, mal einer Immobilienfirma in Boekel (Niederlande). Letztere schlitterte in die Insolvenz, hatte zuvor noch vergeblich, weil überteuert, mit dem Wiederverkauf spekuliert. Mittlerweile hat ein neuer Eigentümer das rund 7.370 Quadratmeter große Anwesen gekauft, über dessen Plänen liegt jedoch noch immer ein Geheimnis.

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Zur Zeit der Erbauung des Forellhauses wurde die Promenadenstraße noch auf beiden Seiten mit doppelten Baumreihen angelegt.
Zur Zeit der Erbauung des Forellhauses wurde die Promenadenstraße noch auf beiden Seiten mit doppelten Baumreihen angelegt.
Zum Park gehörte einst auch dieses Wasserbecken mit der in den 1990er-Jahren spurlos verschwundenen Putte. Vor diese Figur gab es an gleicher Stelle eine Fontäne. 
Zum Park gehörte einst auch dieses Wasserbecken mit der in den 1990er-Jahren spurlos verschwundenen Putte. Vor diese Figur gab es an gleicher Stelle eine Fontäne. 
Hier ist das Gebäude zu sehen, was vorher an der Stelle des Forellhauses stand ...
Hier ist das Gebäude zu sehen, was vorher an der Stelle des Forellhauses stand ...
... und auf diesem Bild  ein Blick auf die edle Treppenhausgestaltung. Fotos/Repros: Sammlung Ulrich Beyer (2), Sammlung Ralph Schermann, Ratsarchiv Görlitz
... und auf diesem Bild  ein Blick auf die edle Treppenhausgestaltung. Fotos/Repros: Sammlung Ulrich Beyer (2), Sammlung Ralph Schermann, Ratsarchiv Görlitz
Das Haus Promenadenstraße 57 gelangte unter Kate und Gustav Williger zu größter Blüte.
Das Haus Promenadenstraße 57 gelangte unter Kate und Gustav Williger zu größter Blüte. © Repro: Sammlung U. Beyer
Die beiden bestellten auch das Denkmal mit dem „nackten Mann“, ...
Die beiden bestellten auch das Denkmal mit dem „nackten Mann“, ... © Repro: Sammlung U. Beyer
... an dem hier das Hauspersonal für ein Foto posierte.
... an dem hier das Hauspersonal für ein Foto posierte. © Repro: Sammlung U. Beyer
Nach 1990 wurde die Villa von Eindringlingen viel zerstört und beschmiert.
Nach 1990 wurde die Villa von Eindringlingen viel zerstört und beschmiert. © Sammlung R. Schermann

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