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Vorfahrt Görlitz: Diese junge Frau will hierbleiben

Sarah Kelschebach kam vor sechs Jahren nach Görlitz. Zum Studieren. Und blieb auch nach dem Studium in der Stadt. Für sie ist die Stadt an der Neiße genau richtig.

Von Sebastian Beutler
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Sarah Kelschebach arbeitet seit wenigen Wochen am Innovationscampus im Görlitzer Siemens-Werk.
Sarah Kelschebach arbeitet seit wenigen Wochen am Innovationscampus im Görlitzer Siemens-Werk. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Görlitz war für Sarah Kelschebach kein Zufall, aber auch keine Liebe auf den ersten Blick. Görlitz war für die 24-Jährige eine ganz bewusste Wahl.

Nach ihrem Abitur schaute sie sich um, wo sie Tourismusmanagement studieren konnte. Das wollte sie unbedingt, seit sie als Teenager ein Praktikum in einer kleinen Frühstückspension in ihrem Heimatort Willich verbrachte. Willich das liegt zwischen Krefeld, Viersen, Mönchengladbach und Düsseldorf und hat 50.000 Einwohner. Also ein paar weniger als Görlitz.

Bei ihrer Auswahl hatte Sarah Kelschebach klare Prämissen: Die Stadt sollte eher so groß wie Willich sein, aber keine Metropole; die Hochschule eher familiär, keine Massen-Universität, es sollte eine staatliche Einrichtung und keine private sein; und sie wollte in eine Gegend, wo noch nicht alles so festgelegt und fertig ist, wo sie selbst noch etwas bewegen und sich einbringen kann. Und dass hier preiswerter Wohnraum auf Studenten wartet, war auch nicht von Nachteil. So erhielt Görlitz den Vorzug vor Kempten im Allgäu.

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Das war nun vor sechs Jahren. In der Zwischenzeit hat sie nicht nur ihren Bachelor an der Hochschule gemacht, sondern auch ihren Masterabschluss. Und seit wenigen Wochen arbeitet sie bei Leucht One - das Unternehmen führt für Siemens an verschiedenen Standorten die Coworking-Spaces, also die innovativen Einheiten, wo Siemens entweder anderen Forschern, Selbstständigen oder Start-ups die Möglichkeit einräumt, zu zeitlich befristeter Einmietung oder einfach in den Austausch mit Dritten tritt. Es ist Kern des neuen Innovationscampus bei Siemens. Ohne den Zukunftspakt und den Strukturwandel hätte Siemens diese Möglichkeit in seinem Görlitzer Turbinenwerk vermutlich nicht geschaffen.

Tourismus aber ist das nicht. War es also für die junge Frau von der deutsch-holländischen Grenze das falsche Studium? Nein, versichert sie. Verschiedene Akteure zusammenzubringen, das habe sie auch schon an der Hochschule gern gemacht, etwa wenn sie für ein Urlaubsziel eine Konzeption entwickelte, bei dem ja auch Hotels, Gastronomen, Kultur- und Reiseanbieter zusammenarbeiten. Und genau so geht es auch bei Leucht One zu.

Und für Sarah Kelschenbach ist es zugleich die Chance, in Görlitz zu bleiben. Sie hatte sich zwar auch informiert, welche Jobmöglichkeiten in Dresden bestehen. Aber eigentlich wolle sie nicht weg aus Görlitz. Sommers liebt sie es am Berzdorfer See und abends die lukullischen Angebote in der Europastadt, gern auch in Zgorzelec. Mal so rüber und 'nüber der Neiße, zusammen mit ihrem Zwillingsbruder, ihren Eltern oder Großeltern, denen sie allen schon Görlitz gezeigt hat - das trifft ihre Lebenseinstellung in ihrer neuen Heimat.