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"Die politisch erzeugte Panik mit Corona ist verwerflich"

Die Görlitzer Waldorfschule kommt nicht zur Ruhe. Im Frühjahr hatten bereits Äußerungen von Lehrern für Aufregung gesorgt. Jetzt gibt es neuen Zündstoff.

Thomas Brunner in der Sendung Panorama im Ersten.
Thomas Brunner in der Sendung Panorama im Ersten. © Screenshot/NDR

Der Vorstand der Görlitzer Waldorfschule ist nur noch zu viert. Der bislang fünfte, Thomas Brunner, ist offenbar ausgetreten. Eine angekündigte Stellungnahme fand sich auf der Schulhomepage am Dienstagmorgen noch nicht, aber eine Änderung im Impressum: "Thomas Brunner ausgeschieden", steht bei den Vorstandsdaten. Hintergrund soll ein Auftritt Brunners bei der ARD-Sendung Panorama sein.

Der Beitrag beleuchtet die „Waldorfbewegung und die Corona-Krise“. Die Frage, wie gefährlich das Coronavirus ist, stelle die Waldorfschulen vor eine Zerreißprobe. In der Kommentarspalte für den Beitrag findet sich auch viel Kritik, ganz von der Hand weisen lässt sich das Thema aber auch für die Görlitzer Waldorfschule "Jakob Böhme" nicht. Bereits im Frühjahr gab es Streit zum Umgang mit der Pandemie: Thomas Brunner, Lehrer und Vorstandsmitglied, hatte in einer E-Mail unter anderem geschrieben: „Was wir zur Zeit als ‚Corona-Krise‘ erleben, ist eine knallharte Inszenierung gewisser Kreise der Pharmaindustrie“, sprach von einer weitreichend vorbereiteten "Aktion zur Knechtung und Ausbeutung der ganzen Menschheit“. Die E-Mail habe er nur einer Bekannten geschickt, versicherte er, die Runde machte sie letztlich dennoch.

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Lehrer bestätigt Äußerungen aus Frühjahr

In Panorama sind seine Aussagen nicht ganz so heftig: „Wir haben keine außergewöhnliche Pandemie erlebt, also ich sage ‚außergewöhnlich‘“, betont er, „sondern wir haben eine im natürlichen Verlauf.“ Daher sei die Panik „das eigentlich Verwerfliche. Politisch erzeugte Panik.“ Zu seinen Zeilen aus dem Frühjahr: „Es gibt eine Planung seit langen Jahren, keine Frage, wie man mit Pandemien umgeht.“ Das sei für ihn keine Verschwörungstheorie, „das ist eine Selbstläufigkeit“, sagt er. „Wenn ein Mensch über Milliarden verfügt, als Privatperson - dass er auch Staaten manipulieren kann, dass er Einzelpersonen manipulieren kann, das ist für mich gar keine Verschwörung, das ist selbstverständlich.“ Auf Rückfrage, wer gemeint sei, nannte er Bill Gates.

Thomas Brunner selbst möchte sich zumindest telefonisch nicht gegenüber der SZ äußern. "Wir haben übrigens Meinungsfreiheit", teilt er mit, und verweist auf einen Kommentar, den er auf seinem Blog veröffentlicht hat. Darin kritisiert er den Panorama-Beitrag, fühlt sich offenbar verkürzt wiedergegeben: So halte er Bill Gates zwar für einen, aber nicht für den Hauptakteur hinter der Krise, das sei „das bloße ,Verstandesdenken‘“, welches „zu keiner wirklichen Vernunft zu kommen vermag. Die ungeheuerlichen, durch die Maßnahmen-Politik verursachten Kollateralschäden, sind Ausdruck dieser mangelnden Vernunft."

Seine Meinung zu Bill Gates hatte Brunner auch schon in Cottbus bei einer "Summphonie", eine Demo von Corona-Maßnahmengegnern, dargestellt. Die "Summphonie" wurde ebenfalls von einer Waldorf-Lehrerin mitorganisiert.

Im Beitrag wurde der Waldorf-Lehrer als solcher vorgestellt. Wie die Schule reagiert, dazu gab sie bislang noch keine Antwort, kündigte eine Stellungnahme auf der Schulhomepage an. Im Frühjahr hatte die Waldorfschule argumentiert, dass es sich um die privaten Ansichten handele, die aber mit dem Verhalten an der Schule nichts zu tun hätten. Das Kollegium sei sich einig, „dass die Einhaltung der jeweils gültigen Hygienemaßnahmen einer professionellen Arbeitsweise entspricht“, hieß es auch im Dezember. Damals hatten Recherchen gezeigt, dass es womöglich nicht so leicht ist.

Viele Lehrer waren erkrankt

Anlass war ein Vater, der sich wegen eines nachlässigen Umgangs mit den Regeln sorgte, wie er schilderte. Es handele sich dabei nicht um die Mehrheit, aber doch um einzelne Lehrer. Im Dezember musste die Waldorfschule vorzeitig schließen, weil der Unterricht aufgrund der vielen Infektions- und Quarantänefälle nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Das betraf damals nicht nur die Waldorfschule, auch mehrere staatliche Schulen im Kreis mussten vorzeitig schließen. Bei der Waldorfschule kam aber dazu, dass es hier wieder Reibereien wegen Corona-Regelungen gab.

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