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Wer kümmert sich um die Wanderwege?

Die Kippen um den Berzdorfer See werden immer mehr zum Wandergebiet. Dabei kann man sich sogar verlaufen - bessere Beschilderung tut not.

Hendrik Schlegel ist begeisterter Wanderer. Das Gebiet um den Berzdorfer See, hier in der Nähe der Blauen Lagune, nimmt er oft unter die Füße.
Hendrik Schlegel ist begeisterter Wanderer. Das Gebiet um den Berzdorfer See, hier in der Nähe der Blauen Lagune, nimmt er oft unter die Füße. © Nikolai Schmidt

Für Hendrik Schlegel aus Görlitz ist der Berzdorfer See zum Wanderparadies geworden. Oft nimmt er die unzähligen Wege über die ehemaligen Tagebaukippen unter seine Füße - und ärgert sich.

"Für mich und meine Frau sind die Berzdorfer Höhen unser Kleingebirge vor der Haustür", erklärt der Mann mit Augenzwinkern. Etwa 200 Kilometer wandern sie jedes Jahr. "Nicht alles nur um den See, aber eben oft", sagt er. 

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Wegweiser verfallen zusehends

Bei seinen Wanderungen freut sich das Paar über die schöne Natur rund um den See. Zahlreiche Vögel, mal ein Reh, Bäume und Pflanzen, die sich das ehemalige Tagebaugelände längst zurückerobert haben, erfreuen die Wanderer. "Und es liegt kaum Müll herum", freut sich der 62-Jährige. 

Doch auf seinen Touren ärgert sich der Mann regelmäßig - die vor Jahren installierten Wegweiser und Info-Tafeln verfallen zusehends. "Vor allem die Witterung setzt ihnen zu", erklärt er, "und keiner erneuert die Schilder." Die interessante Anlage mit mehreren Tafeln und Schaukästen zu Bodenprofilen unweit der Sachsenhütte habe sehr gelitten. "Das ist sehr schade, denn nicht nur Kinder können hier viel lernen", sagt Schlegel.

Andere Infotafeln, besonders an der Blauen Lagune, habe die Realität schon lange überholt, erklärt er. "Denn der See entwickelt sich. Es gibt immer wieder Neues, nur die Tafeln verkünden das nicht." Hier müsse sich bald mal jemand der Sache annehmen und beispielsweise die Weg-Legenden aktualisieren, findet der Wanderfreund.

Wie man diese Schauanlage erreicht, ist nirgends ausgeschildert.
Wie man diese Schauanlage erreicht, ist nirgends ausgeschildert. © Hendrik Schlegel

Keiner fühlt sich verantwortlich

Doch wer ist eigentlich dafür verantwortlich? Der Bergbausanierer Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) fühlt sich nicht zuständig. Auf Nachfrage heißt es von der LMBV, Projektträger sei hier die Kommune - in dem Fall also die Anliegergemeinden Schönau-Berzdorf, Markersdorf und Görlitz. 

Das Görlitzer Rathaus informiert, dass es auf dem Gebiet der Stadt Görlitz rund um den See keine ausgewiesenen Wanderwege gibt. "Einzelne Verkehrsflächen, die sich auch zum Wandern eignen, darunter der sogenannte Rundweg, sind teilweise der Stadt Görlitz zugeordnet worden", erklärt Stadtsprecherin Juliane Zachmann. Der Wirtschaftsweg der LMBV im Bereich Strandpromenade sei Görlitz zugeordnet und werde damit auch von der Stadt unterhalten, so die Sprecherin.

Die Gemeinde Markersdorf hat nur einen kleinen Anteil an Fläche am Berzdorfer See unterhalb von Jauernick-Buschbach, erklärt Bürgermeister Thomas Knack. Und das sei größtenteils die sogenannte Rutschung P, die ohnehin nicht betreten werden darf.

Den größten Aufwand betreffs der Wanderwege betreibt Schönau-Berzdorf. Über die Bürgerstiftung "Wir für Sachsen" kümmert sich ein Mitarbeiter regelmäßig um Baumschnitt, Grasmahd, saubere Rastplätze und geleerte Papierkörbe. Wegweiser und Wanderschilder fallen in die Verantwortung des Bauhofs der Gemeinde. Hier wird instandgehalten und repariert, wenn etwas kaputt ist. Leider sei das in letzter Zeit häufiger der Fall, sagt eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung und verhehlt nicht, dass es sich dabei oft um mutwillige Zerstörung handelt.

Ob hier putzen reicht?
Ob hier putzen reicht? © Hendrik Schlegel

Immer mehr Hausmüll in Papierkörben

Der Markersdorfer Bürgermeister stellt fest, dass der Aussichtspunkt zwischen Kirschallee in Jauernick-Buschbach und See in letzter Zeit hoch frequentiert ist. Der vor einigen Jahren neu errichtete Parkplatz an der Kirschallee sei vor allem an den Wochenenden gut belegt. Auch andere Halteplätze an der Kirschallee sind beliebt. Das merken die Mitarbeiter vom Bauhof immer freitags, wenn sie die Papierkörbe an den Rastplätzen leeren. "Die sind seit einiger Zeit voller als sonst", sagt der Bürgermeister.

Die Mitarbeiter des Schönau-Berzdorfer Bauhofes berichten ähnliches. Allerdings haben sie kein Verständnis dafür, dass sich zunehmend Hausmüll in den Papierkörben an den Rastplätzen befindet.

Auf der Grafik ist der gesperrte Bereich durch die Rutschung P unterhalb von Jauernick-Buschbach mit einer roten Linie gekennzeichnet. 
Auf der Grafik ist der gesperrte Bereich durch die Rutschung P unterhalb von Jauernick-Buschbach mit einer roten Linie gekennzeichnet.  © Grafik: LMBV
Um solcherart Schilder kümmert sich die LMBV, aber nicht um Info-Tafeln oder Wegweiser.
Um solcherart Schilder kümmert sich die LMBV, aber nicht um Info-Tafeln oder Wegweiser. © Nikolai Schmidt
Blick auf Häuser an der Dorfstraße und Wiesenmühlweg in Jauernick-Buschbach. Dahinter ist der Berzdorfer See zu sehen. 
Blick auf Häuser an der Dorfstraße und Wiesenmühlweg in Jauernick-Buschbach. Dahinter ist der Berzdorfer See zu sehen.  © Nikolai Schmidt
Schranke vor dem Naturschutzgebiet Rutschung P am Rundweg Berzdorfer See. 
Schranke vor dem Naturschutzgebiet Rutschung P am Rundweg Berzdorfer See.  © Foto: Dr. Uwe Steinhuber/LMBV
Ein Rotkehlchen, fotografiert am Berzdorfer See. Auch das Blaukehlchen kommt hier vor, lässt sich aber selten blicken und noch seltener ablichten.
Ein Rotkehlchen, fotografiert am Berzdorfer See. Auch das Blaukehlchen kommt hier vor, lässt sich aber selten blicken und noch seltener ablichten. © Hendrik Schlegel

Verantwortlichkeiten regeln

Offensichtlich hapert es betreffs der Wegweiser und Beschilderungen an Zuständigkeiten. Richtig verantwortlich fühlt sich offenbar niemand. Eine Lösung könnte möglicherweise sein, dass sich Vereine oder Wandergruppen des Problems annehmen. Beispiele dafür gibt es. Die Ortsgruppe Görlitz des Riesengebirgsvereins hatte erst in diesem Sommer den Wanderweg "Deutsche Einheit" zwischen der Landeskrone und dem Rotstein frisch markiert. 

Allerdings müsse es hier jemanden geben, der sich dafür den Hut aufsetzt und die Fäden in der Hand hält. Wer das sein könnte, weiß auch Hendrik Schlegel nicht. "Wenn sich niemand um die Wege kümmert, wachsen sie schließlich wieder zu", gibt der Wandersmann zu bedenken. Dann hätten die Berzdorfer Höhen eben wieder Urwaldcharakter, sagt er.

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