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So läuft der Streik bei der Deutschen Post

Rund 80.000 Pakete und Briefe dürften am Donnerstag in Ostsachsen liegenbleiben. Die Gewerkschaft Verdi will damit ein Zeichen setzen.

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Symbolbild © dpa

Wer in Ostsachsen auf Pakete und Briefe wartet, könnte diese nun ein bis zwei Tage später zugestellt bekommen. Der Grund: Mit Blick auf die nächste Verhandlungsrunde mit der Deutschen Post am 21. und 22. September hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag zu Warnstreiks aufgerufen. 

Betroffen waren am Morgen schon unter anderem die Niederlassung Dresden mit dem Paket- und Briefzentrum in Ottendorf-Okrilla, wo rund 100 Mitarbeiter die Arbeit niederlegten. In Zustellstützpunkten in Bautzen nahmen 62, in Görlitz 46 Beschäftigte am Streik teil. "Wir wollen nicht alles lahmlegen, aber ein Zeichen setzen und für unsere Ziele kämpfen", erklärt  der Gewerkschaftssekretär und künftige Landesbezirksfachbereichsleiter Normen Schulze. Er schätzt, dass rund 80.000 Sendungen liegen bleiben dürften. Schulze vermutet aber auch, dass die Post aus diesem Anlass verstärkt auf Leih- und Zeitarbeiter und befristete Beschäftigte baut. Diese seien oft nicht mutig genug, mitzustreiken, sagt er mit Blick auf die Konsequenzen. "Eine Situation, die wir einplanen."

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5,5 Prozent mehr Lohn gefordert

Verdi fordert unter anderem 5,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. Außerdem sollen die Auszubildenden monatlich pauschal 90 Euro mehr Geld bekommen. Die Post bietet bisher 1,5 Prozent mehr an. Das sei eine Provokation, die sich die Beschäftigten nicht bieten lassen wollen, äußert der Gewerkschaftssekretär. Der Post-Konzern habe sein Ergebnis in der Corona-Pandemie deutlich steigern können.

Anfang August meldete das Unternehmen die Geschäftszahlen für das vergangene Quartal: Demnach legte der Umsatz zwischen April und Juni um rund drei Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn erhöhte sich sogar um 14,6 Prozent auf 525 Millionen Euro. 

Mitarbeiter bleiben Zuhause

Die Beschäftigten wollen nun ihren Anteil am Erfolg. Zum Auftakt legten sie an mehreren Standorten in Nordrhein-Westfalen sowie am Münchner Briefzentrum ihre Arbeit nieder, seit Donnerstag sind auch unter anderem Brief- und Paketzentren und Teile der Zustellung in Sachsen und Sachsen-Anhalt betroffen. Der Streik läuft von 4 bis 17 Uhr. Der Zeitraum sei bewusst gewählt, weil die Mitarbeiter zu unterschiedlichen Zeiten anfingen, so Schulze.  Allerdings läuft er coronabedingt anders ab als üblich: Statt Versammlungen tragen sich die Mitarbeiter in Listen ein und gehen anschließend nach Hause. Nur in Dresden vor dem DGB-Haus sei genug Platz, um eine Versammlung abzuhalten, sagt der Gewerkschaftssekretär.

Warnstreiks gibt's am Donnerstag auch in den Bundesländern Hamburg, Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Betroffen sind vor allem die Sortierung von Briefen und Paketen, aber auch die Zustellung. Nach Auskunft der Deutschen Post haben bislang (Stand Mittag) rund 2.100 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. "Derzeit werden die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten", teilt Sprecher Mattias Persson mit.

Zustellung in den Folgetagen

Bundesweit sind aktuell etwa 130.000 Pakete - 2,5 Prozent der Tagesmenge - und rund 1,3 Millionen Briefe - 2,4 Prozent der Tagesmenge - betroffen. Aufgrund des anhaltenden Streiks könne sich die Menge im Tagesverlauf noch leicht verändern, sagt er. "Entsprechende Ausgleichsmaßnahmen wurden an den betroffenen Standorten aber bereits eingeleitet." In den stärker betroffenen Regionen läuft die Zustellung der verzögerten Sendungen in den Folgetagen.

Zu den Forderungen von Verdi äußert Personalvorstand Thomas Ogilvie, Lösungen finden zu wollen. "Die nachhaltige Lohnsteigerungen mit einer langfristigen Perspektive verbinden und wirtschaftlich tragfähig sind." Vorstellen kann er sich eine überproportionale Erhöhung bei den unteren Lohngruppen sowie die Ausweitung der Entlastungszeit - also mehr bezahlte Freizeit. Dafür seine aber Dialog- und Kompromissbereitschaft erforderlich, so Ogilvie. Er setzt auf konstruktive und lösungsorientierte Gespräche in der nächsten Verhandlungsrunde. Dafür hat die Deutsche Post die Vorlage eines konkreten Angebots bereits angekündigt.

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