SZ + Görlitz
Merken

Warum 8.000 Biokürbisse nicht verkauft werden können

Der Ender-Hof Tetta will die Kürbisse gegen Spenden abgeben. Das Geld soll einen Anwalt finanzieren.

 2 Min.
Teilen
Folgen
Markus Ender vom Enderhof in Vierkirchen verkauft auf dem Wochenmarkt in Bautzen Obst und Gemüse, Stefanie Schwerk (r.) und Olivia Jakschik sind Gastgeber für die Marktschwärmer.
Markus Ender vom Enderhof in Vierkirchen verkauft auf dem Wochenmarkt in Bautzen Obst und Gemüse, Stefanie Schwerk (r.) und Olivia Jakschik sind Gastgeber für die Marktschwärmer. © SZ-Archiv/Uwe Soeder

8.000 Bio-Kürbisse hat der Ender-Hof in Tetta geerntet – aber verkaufen darf Marcus Ender die Kürbisse nicht als Bioware. Für den Landwirt ist fatal: „Der Bio-Status für unsere Kürbisse wurde uns vom Landesumweltamt aberkannt“, sagt er. Grund dafür: In den Pflanzen wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Doch nicht der Ender-Hof hat die Kürbisse gespritzt, sondern der Nachbarbauer, der konventionelle Landwirtschaft betreibt, berichtet Marcus Ender.

Das sei bereits im Juni passiert. Der Tettaer erzählt, er habe das vom Bauern beauftragte Lohnunternehmen aufgefordert, mit dem Spritzen aufzuhören, da der Wind und die Temperaturen von 35 Grad zu diesem Zeitpunkt ein Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln so oder so nicht erlaubt hätten. „Auch das Landesumweltamt wurde von uns informiert“, sagt er.

Die Behörde habe daraufhin Proben der Bio-Kürbispflanzen genommen - mit dem Ergebnis, dass diese Pflanzen belastet seien. Das gespritzte Feld neben dem Öko-Acker gehört dem Landwirt André van Leeuwen. Auf SZ-Nachfrage sagt er: „Ich kann mich dazu nicht äußern.“ Er sei über das Geschehen nicht informiert worden, ihm sei nichts dazu bekannt. Van Leeuwen sagt, er müsse sich dazu erst einmal erkundigen.

„Wir haben später von den Früchten noch selbst Proben nehmen lassen, und an ein Labor in Tegernheim. Ergebnis: Keine Rückstände“, so Marcus Ender. Trotzdem bleibt es dabei: Als Biokürbisse darf das Gemüse nicht mehr verkauft werden. Das sei die Entscheidung des Landesumweltamtes.

St. Wenzeslaus-Stift will Spenden-Aktion unterstützen

Dagegen will der Enderhof in Widerspruch gehen und anwaltliche Unterstützung einholen. Das kostet Geld. Um diese Kosten aufzubringen, sollen die 8.000 Kürbisse gegen eine Spende abgeben werden – in der Hoffnung, für Hokkaido und Co. kommt so die Finanzierung für einen Anwalt zusammen. Zu erwerben sind die Kürbisse im Hofladen Tetta, sonnabends auf dem Görlitzer Wochenmarkt und auf dem Bautzener Wochenmarkt donnerstags. Auch das Bildungshaus St. Wenzeslaus-Stift in Jauernick will die Kürbisspenden-Aktion unterstützen. Geschäftsleiter Frank Seibel möchte zwischen 300 und 500 Kürbisse aus Tetta abnehmen und „unter die Leute bringen.“ (SZ)