merken
PLUS Görlitz

Warum ein Kottmarsdorfer in Görlitz Stolpersteine putzt

Ulrich Knebel hat eine besondere Verbindung zum Görlitzer Juden Paul Arnade, der 1942 ermordet wurde. Am Sonnabend will er seiner gedenken.

Jakobstraße 31 in Görlitz: Hier liegen seit 2014 Stolpersteine für das Ehepaar Arnade.
Jakobstraße 31 in Görlitz: Hier liegen seit 2014 Stolpersteine für das Ehepaar Arnade. © Pawel Sosnowski/80studio.net

An Paul und Margarete Arnade will Ulrich Knebel am Sonnabend denken. Er hat ihn nicht gekannt, ist auch kein Nachfahre, und doch gibt es eine Verbindung, die den Kottmarsdorfer am Sonnabend, dem Tag der Befreiung, nach Görlitz zieht. Denn er und Paul Arnade waren im selben Verein. Freilich nicht zur gleichen Zeit, denn Knebel ist erst 61 Jahre alt und Arnade starb schon 1942.

Es sind die Schlaraffen, den beide angehörten beziehungsweise angehören. Ein uralter Männerverein, der 1859 in Prag gegründet wurde und weltweit Mitglieder hat. Kunst, Humor und Freundschaft - das sind die drei Säulen der Schlaraffen. 1937 verboten ihn die Nazis in vielen Ländern, auch in Deutschland und Österreich. Jüdische Mitglieder wie eben Paul Arnade mussten die Schlaraffen schon 1933 freiwillig verlassen oder wurden herausgeworfen. Bei Paul Arnade weiß man es nicht genau.

Anzeige
Ab auf den Grill!
Ab auf den Grill!

Klicken Sie hier und entdecken News, Tipps und Ideen zum sommerlichen Grillvergnügen in der Grillwelt von Sächsische.de!

Den Zusammenhang haben die Schlaraffen erst jetzt herausgefunden und wollen deshalb Arnade und seiner Frau die Ehre erweisen. Das tun sie am Sonnabend um 15 Uhr, indem sie die Stolpersteine putzen, die im Gedenken an das Ehepaar im Mai 2014 vor dem Haus Jakobstraße 31 verlegt wurden. Hier wohnten die Arnades einst.

Margarete und Paul Arnade im Jahr 1930.
Margarete und Paul Arnade im Jahr 1930. © Ratsarchiv Görlitz

Die Familie Arnade hatte eine Kofferfabrik im damaligen Stadtteil Moys, der heute auf polnischer Seite liegt. Paul Arnade führt diese mit seinem Bruder Karl-Wolfgang. Paul und seine Frau Margarete Arnade wurden 1942 über das Lager Tormersdorf ins KZ Theresienstadt gebracht, wo Paul Arnade noch im selben Jahr starb. Seine Frau Margarete, ihr Sohn Herbert mit seiner Frau Katja und deren kleines Kind Uriel wurden 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Nachfahren gibt es dennoch: Kurt Arnade, Pauls Neffe konnte aus Deutschland fliehen und lebte später in den USA. Sein Sohn Karl-Wolfgang wurde Historiker, lehrte über 40 Jahre an der University of South Florida in Tampa.

Ein paar Worte wollen Ulrich Knebel und seine Vereinsfreunde am Sonnabend sagen. Schon im November hatten sie einen Gräbergang gemacht - die Gräber früherer Schlaraffenmitglieder besucht. Viel mehr ist coronabedingt aber nicht möglich, in dem Verein, der nach der Wende wiedergegründet wurde und heute in Görlitz 20 Mitglieder hat.

Die Görlitzer Schlaraffen bei einem Treffen in der Kulturbrauerei vor einigen Jahren.
Die Görlitzer Schlaraffen bei einem Treffen in der Kulturbrauerei vor einigen Jahren. © nikolaischmidt.de

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz