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Warum es im Kreis Görlitz bei den Autozulassungen klemmt

Nicht nur Privatleute sind betroffen, sondern auch Autohäuser. Die trösten sich mit noch schlimmeren Zuständen im Kreis Bautzen oder in Berlin.

Horst Büchner, Seniorchef der gleichnamigen Autohäuser, hier ein Archivfoto, ärgert sich über die schleppenden Terminvergaben bei den Kfz-Zulassungen.
Horst Büchner, Seniorchef der gleichnamigen Autohäuser, hier ein Archivfoto, ärgert sich über die schleppenden Terminvergaben bei den Kfz-Zulassungen. © www.wolfgang-wittchen.de

Horst Büchner fasst seine Erfahrungen mit der Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt Görlitz so zusammen: "Wir stehen da wie Bettler." Der Seniorchef der Büchner-Autohäuser mit Standorten in Görlitz, Bautzen, Weißwasser, Löbau, Zittau und Neustadt/Sachsen ist sichtlich verärgert über die derzeitigen Zustände. Die Zulassung eines Autos ist schon für einen privaten Besitzer eines neuen Mobils eine langwierige Angelegenheit.

Doch dass selbst Autohäuser derzeit in der Schlange stehen, hat Horst Büchner gerade selbst erlebt. "Ein Landwirt aus dem Kreis kaufte einen neuen Traktor, bekam aber keinen schnellen Termin für die Zulassung. Er hat sich in seiner Not an uns gewandt. Wir konnten helfen", sagt er. Aber auch Autohäuser haben ihre Wartezeiten bei der Behörde, im Kreis Görlitz schätzt sie Horst Büchner auf derzeit etwa eine Woche ein. "Zustände wie im alten Rom", kommentiert er.

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Selbst während der vergangenen Kreistagssitzung kam das Thema zur Sprache. Landratsbeigeordneter Thomas Gampe versprach damals Abhilfe. Laut Landratsamt war gerade der Juni ein Spitzenmonat bei den Zulassungszahlen, heißt es jetzt auf Nachfrage der SZ. Grund sei Corona. Im ersten Quartal habe es deswegen eine geringere Nachfrage gegeben, ebenso Ende vergangenen Jahres. Dies werde nun nachgeholt.

Zudem komme es "saisonal bedingt" im zweiten Quartal des Jahres zu einem erhöhten Aufkommen. Die beiden Faktoren zusammen ergeben, so die Erklärung des Landratsamtes, den derzeitigen Zulassungsstau. "Es gab vorher auch schon diese Probleme", sagt Horst Büchner. Zwar lassen die gleichnamigen Autohäuser die Fahrzeuge nicht selbst zu, sondern beauftragen Zulassungsdienste. Die stehen aber vor denselben Problemen.

Mehr Autos werden nicht verkauft

Lothar Henke, Inhaber des gleichnamigen ACO Autohauses in Niesky, kennt das Phänomen ebenfalls, nicht nur auf den Kreis bezogen, sondern deutschlandweit. "Wir verkaufen und bieten Leasing-Fahrzeuge im gesamten Bundesgebiet", sagt er. Wenn es bei der Zulassung stockt, schade das der Wirtschaft. Unter Umständen bezahlen Unternehmen eine Rate mehr, weil das neue Fahrzeug zwar schon geleast, aber noch nicht zugelassen ist.

Oder kommt der Engpass bei den Zulassungen vielleicht daher, dass die Autohäuser plötzlich mehr Autos verkaufen? "Schön wär's", sagt Horst Büchner. Eher das Gegenteil sei der Fall. Etwa 20 Prozent weniger Neuwagen werden derzeit verkauft, schildert er für sein Unternehmen. Gut gehe noch das Geschäft mit Gebrauchten.

Bei der Zulassungsstelle im Landratsamt Görlitz lagen die Zahlen im Juni bei 107 Prozent des Durchschnitts der Monate Juni 2018 und 2019. Verstärkt wird das Problem zudem dadurch, dass an den Standorten Löbau und Görlitz die gleichen Mitarbeiter in den Abteilungen Fahrerlaubnis und Zulassung tätig sind.

Mitarbeiter werden für Fahrerlaubnisse gebraucht

Denn: Die Fahrerlaubnisbehörde hat mit einem noch höheren Ansturm als die Zulassung zu kämpfen. Im Juni waren es 140 Prozent des Wertes vom Juni 2019. Deshalb werden Mitarbeiter der Zulassung verstärkt für die Fahrerlaubnisse eingesetzt - zum Nachteil der Autofahrer, die auf ihre Zulassung warten.

Dass gerade jetzt in der Fahrerlaubnisbehörde so viel zu tun ist, hat laut Landratsamt mehrere Gründe, unter anderem: Die Fahrschulen starten wieder durch, eine Frist für die Verlängerung von Qualifikationsnachweisen für Berufskraftfahrer läuft aus, es gibt immer mehr Anträge zum Führerscheinumtausch.

"Parallel zum Nachfragehoch verzeichnen einzelne Bereiche auch ein hohes Aufkommen wegen krankheitsbedingter Ausfälle", so Landratsamtssprecherin Franziska Glaubitz. Im Juni etwa arbeitete die Zulassungsbehörde in Niesky mit etwa der Hälfte der eigentlichen Kollegen, die Fahrerlaubnisbehörde mit reichlich 46 Prozent. Zudem musste zu Beginn des zweiten Quartals der Standort Niesky wegen Quarantäne-Anordnungen ganz dicht gemacht werden. Der Rückstau vergrößerte sich.

Kreis hofft auf weniger Betrieb im Sommer

Welche Lösungen bietet denn nun der Landkreis, um die Misere um die Zulassungen zu beenden oder wenigstens zu mildern? "Erhöhter Personaleinsatz" ist das eine, was die Görlitzer Behörde im Sinn hat, die andere die Hoffnung auf einen "saisonal bedingten Rückgang der Nachfrage in den Sommermonaten". Woher das zusätzliche Personal kommen soll, ob es dann aus anderen Bereichen des Landratsamtes abgezogen wird und dort Engpässe entstehen, bleibt offen. Zudem verweist die Behörde auf die Online-Terminvergabe und die Hotline.

Horst Büchner hat jedenfalls einen Trost für die Görlitzer: "Im Landkreis Bautzen ist es noch schlimmer." Dort warte ein Autohaus schon mal 14 Tage auf einen Termin. Auch Lothar Henke schaut über den Tellerrand. "In Berlin ist es mit Zulassungen ganz schlimm. In Hamburg hingegen geht es schnell."

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