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Warum hängt die Flagge der Konföderierten in der Kneipe?

Einem Görlitzer Studenten war die Fahne aufgefallen: ein Zeichen für Rassismus. Der Wirt reagiert auf Fragen gereizt.

An der Wand links ist die Konföderiertenflagge zu erkennen. Warum sie da hängt - bleibt ein Rätsel.
An der Wand links ist die Konföderiertenflagge zu erkennen. Warum sie da hängt - bleibt ein Rätsel. © - Foto: privat

An dem Restaurant Barbecue ist Anass Halime schon ein paar Mal vorbei gekommen. Diesmal, beim Einbiegen in die Kränzelstraße, blieb er stehen. Von dort, schaut man nach links, sieht man eine Flagge im Gastraum hängen. "Ich dachte erst, ich kann meinen Augen nicht trauen", erzählt der Görlitzer Informatik-Student. An der Wand im Barbecue hängt eine Konföderierten-Flagge. Ein Zeichen des Rassismus, erklärt Anass Halime.

Student will auf Bedeutung aufmerksam machen

Anass Halime studiert Informatik in Görlitz, ist Mitglied der jungen Union. Nicht immer fühlt er sich in Görlitz wohl. Der Anblick der Konföderiertenflagge im Barbecue war so ein Moment, in dem er sich sehr unwohl fühlte.
Anass Halime studiert Informatik in Görlitz, ist Mitglied der jungen Union. Nicht immer fühlt er sich in Görlitz wohl. Der Anblick der Konföderiertenflagge im Barbecue war so ein Moment, in dem er sich sehr unwohl fühlte. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Anass Halime weiß auch, dass viele die Flagge nicht kennen. "Aber ich will darauf aufmerksam machen." Denn mit Blick auf die heutige Bedeutung der Konföderiertenflagge findet er deren Nutzung nicht akzeptabel.

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Gereizt reagiert der Wirt, Andreas Nixdorf, als er darauf angesprochen wird, "Pippifax", findet er. Ist es eine solche Kleinigkeit? Die Flagge geht zurück auf den Bürgerkrieg in den USA 1861 bis 1865. Als Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, schlossen sich mehrere Südstaaten zu einer Konföderation zusammen - mit dem Hauptziel, die Sklaverei zu erhalten.

Nicht verboten - aber sehr umstritten

In den USA selbst ist die Flagge höchst umstritten. Manchen in den Südstaaten gilt sie als Zeichen ihrer Tradition, als Teil der Geschichte. Viel mehr sehen sie aber als Zeichen für Rassismus: Der Ku-Klux-Clan nutzt die Flagge als eines seiner Symbole. Der Attentäter von Charleston, der 2015 neun dunkelhäutige Menschen in einer Kirche erschoss, posierte zuvor mit einer Konföderiertenflagge. Diese war etwa 2017 bei den gewaltsamen Neonazi-Demonstrationen in Charlottesville zu sehen, ebenso Anfang 2021 beim Sturm aufs Kapitol. Unter anderem das Pentagon hat beschlossen, dass die Flagge in Einrichtungen des US-Militärs nicht mehr gezeigt werden darf.

Andreas Nixdorf betreibt das Restaurant Barbecue in der Neißstraße in Goerlitz. Bei einem früheren SZ-Termin erzählte er - ungefragt - er werde manchmal für rechts gehalten, dem sei aber nicht so. Warum dann eine Konföderiertenflagge im Barbecue hängt, kl
Andreas Nixdorf betreibt das Restaurant Barbecue in der Neißstraße in Goerlitz. Bei einem früheren SZ-Termin erzählte er - ungefragt - er werde manchmal für rechts gehalten, dem sei aber nicht so. Warum dann eine Konföderiertenflagge im Barbecue hängt, kl © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Warum sie nun einem Görlitzer Restaurant hängt? Kein Kommentar, sagt Wirt Andreas Nixdorf zunächst. "Schreiben Sie rein, dass ich persönlich Punkrock-Konzerte veranstalte", sagt er dann. Seiner Facebook-Seite nach unterstützt er 2018 etwa den "Summer of Subculture" in der Rabryka. Tatsächlich gilt die Konföderierten-Flagge in den USA auch als Symbol für Rebellentum und politische Unkorrektheit, werde etwa in der Rockabilly-Szene als Erkennungzeichen genutzt, erklärte das ZDF.

Ob man seine Liebe zu einer Musikrichtung auf diesem Weg zeigen muss? Andreas Nixdorf jedenfalls scheint die Fahne wichtig zu sein. "Diese Fahne hängt von Anfang hier und wird auch bleiben", sagt er.

So bleibt offen, ob der Wirt ein politisches Bekenntnis damit verbindet oder die Flagge einfach so im Gastraum hängt. Auf eine schriftliche Anfrage, ob sie als politisches Statement zu verstehen sei, antwortet er nicht.

Flagge war schon Thema in Sachsen

Ganz unbekannt ist das Thema in Sachsen nicht: Bei den Karl-May-Festspielen in Radebeul ist bei historischen Darstellungen von Schlachtszenen mitunter die Konföderierten-Flagge zu sehen. Sie ist auch nicht verboten in Deutschland. 2017 machte eine US-Forscherin die Stadt aber darauf aufmerksam, dass das Banner auf viele Amerikaner wie eine Nazi-Flagge wirke.

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