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Wie man trotz Rekordhitze sicher badet

Enrico Splitek leitet für das DRK die Badeaufsicht am Berzdorfer See. Im SZ-Gespräch warnt er vor Selbstüberschätzung.

Auch am Wochenende wird der Berzdorfer See wahrscheinlich sehr voll. Aber das birgt auch Gefahren.
Auch am Wochenende wird der Berzdorfer See wahrscheinlich sehr voll. Aber das birgt auch Gefahren. © Archiv: Nikolai Schmidt

Besonders die Oberlausitz steht unter Hitze. Bis zu 31 Grad zeigten die Görlitzer Thermometer in Görlitz am Mittwoch. Gut, dass ein See in der Nähe ist. Auf der anderen Seite las man in den vergangenen Tagen deutschlandweit von schlimmen Badeunfällen. Enrico Splitek achtet mit der DRK-Wasserwacht Görlitz/Niesky und der Zgorzelecer Rettungsschwimmern auf die Sicherheit der Badegäste am Nord- und Nordoststrand des Berzdorfer Sees. Er hat die Sorge, dass Badeunfälle dieses Jahr zunehmen können. Das habe aber nichts mit dem Wetter zu tun. Welches Verhalten ihm bei den Badegästen auffällt, welche Tipps er hat.

Enrico Splitek leitet die Aufsicht der DRK-Wasserwacht am Nord- und Nordoststrand des Berzdorfer Sees.
Enrico Splitek leitet die Aufsicht der DRK-Wasserwacht am Nord- und Nordoststrand des Berzdorfer Sees. © privat/DRK

Herr Splitek, das schöne Wetter sorgt für eine Menge Badegäste am Berzdorfer See. Sorgt die Hitze auch für Leichtsinn?

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Was ich bisher gesehen habe, ist recht verhalten. Die meisten Badegäste sind vernünftig. Bislang habe ich auch nicht erlebt, dass sie etwa durch Alkoholeinfluss übermütig werden. Viele sind einfach froh, aus dem Lockdown rauszukommen und sich in der freien Natur erfrischen zu können bei den jetzigen Temperaturen.

Stimmt es, dass beispielsweise die Männer viel schneller im Wasser sind, während sich Frauen erst abkühlen, oder ist das Quatsch?

Das ist ganz unterschiedlich und eher abhängig vom Wetter. Je höher die Außentemperaturen sind, desto kühler empfindet man das Wasser. Es gibt eher die Tendenz: Je jünger die Leute sind, desto schneller sind sie im Wasser. Ich bin mittlerweile auch über 40 und war diese Woche im Berzdorfer See schwimmen: Je mehr es dann Richtung Körpermitte geht, desto frischer wird es und langsamer geht es voran. Aber große Unterschiede gibt es nicht.

Bestens im Blick: Einige Badegäste haben sich am Nordstrand direkt an der neuen Rettungsstation einen Platz gesucht.
Bestens im Blick: Einige Badegäste haben sich am Nordstrand direkt an der neuen Rettungsstation einen Platz gesucht. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wie wichtig ist es für die Badesicherheit überhaupt, wie man sich ins Wasser begibt?

Bei solchen Temperaturen ist es sehr wichtig. Es empfiehlt sich, langsam ins Wasser zu gehen, sich erst mal abzukühlen, also mit der Hand immer mal wieder Wasser an den Oberkörper zu schöpfen und nicht schlagartig ins kalte Wasser zu laufen. Wenn bei solchen hohen Außentemperaturen der Kreislauf womöglich doch etwas angeschlagen ist, kann es sonst zu Schwierigkeiten kommen. Das ist schon eine große Gefahr, die die Hitze mit sich bringt.

Was ist für ein sicheres Baden noch zu beachten?

Für den Sonntag sind für unsere Region Gewitter vorhergesagt. Wenn ein Gewitter aufzieht - auch wenn es noch weit entfernt scheint - sollte man das Wasser wirklich unbedingt verlassen. Der Berzdorfer See ist verhältnismäßig groß. Da kann es auf der einen Seite schon passieren, dass ein Blitzschlag niedergeht und sich Ströme unter Wasser ihren Weg zur anderen Seite suchen und zur Gefahr werden. Am Berzdorfer See gibt es keine Sprungmöglichkeiten, aber generell gilt: nicht in unbekannte Gewässer springen. Für sehr wichtig halte ich, nicht zu weit rausschwimmen und sich nicht überschätzen, sondern immer bedenken: Komme ich auch wieder zurück? Wenn Wind aufkommt, raten wir davon ab, mit Luftmatratze oder anderen aufblasbaren Schwimmmitteln ins Wasser zu gehen. Die Gefahr abzutreiben, das sollte man besonders bei Kindern beachten, ist da. Wenn der Wind dann doch mal kommt, es gibt auch am Berzdorfer See mitunter starke Böen, ist man ruckzuck weg und das Zurückschwimmen schwer.

Wie war bislang die Lage am Berzdorfer See, gab es in den vergangenen Tagen Einsätze für die DRK-Rettungsschwimmer?

Im Wasser hatten wir dieses Jahr, auch voriges Jahr, keine schwerwiegenden Unfälle. Die größten Unfälle momentan sind die Radweg-Unfälle. Also, dass Skater oder Radfahrer sich verletzen. Aber, klopf' auf Holz, bislang hatten wir keine größeren, folgenschweren Fälle.

Am Donnerstag sorgte der tragische Badeunfall dreier Mädchen im Rhein für Bestürzung. Auch von anderen, leider tödlichen Badeunfällen wie jetzt an der Ostsee, hat man zuletzt mehrfach gelesen. Befürchten Sie ob des Wetters und vielleicht auch ob der großen Lust der Menschen auf Unternehmungen draußen einen Anstieg der Fälle?

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Ein Fluss ist noch mal ein anderes Milieu. Dort gibt es Strömungen, die man, kennt man sich nicht sehr gut aus, nicht beurteilen kann. Es gibt Ober- und Unterströmungen, bei denen selbst erfahrene Schwimmer in große Gefahr kommen können. Das ist in einem See wie dem Berzdorfer zwar generell anders. Eine Zunahme an Badeunfällen, die dann manchmal leider auch so furchtbar ausgehen, beobachten wir aber bereits über mehrere Jahre. Das Schwimmenlernen war im zurückliegenden Jahr besonders problematisch, ist aber auch schon zuvor weniger geworden. Man hat nur noch in der Grundschule Schwimmunterricht. Dann beobachten wir zum Beispiel, dass viele Eltern mit Kindern, gehen sie in Hallenbäder, sich eher im flachen Wasser aufhalten und das Schwimmen für die Kinder zu kurz kommt. Man kann Schwimmen, mit Blick auf die Kondition, eben doch auch verlernen. Das Wasser hat einen viel größeren Druck auf den Körper. Deshalb sollte man immer mal eine Bahn schwimmen. Das macht uns schon Sorgen.

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