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Wer impft künftig im Kreis Görlitz?

Im Impfzentrum Löbau ist Schluss. Aber mobile Impftermine wird es weiterhin geben. Wie und wo diese stattfinden.

Weiter unterwegs: Das Impfzentrum Löbau ist V Vergangenheit, aber noch bis Ende des Jahres gibt es Impfaktionen im Kreis.
Weiter unterwegs: Das Impfzentrum Löbau ist V Vergangenheit, aber noch bis Ende des Jahres gibt es Impfaktionen im Kreis. © Martin Schneider

Beate Lemberg kümmert sich jetzt wieder mehr um ihr eigentliches Hauptgeschäft. Bei den Maltesern in Görlitz arbeitet sie eigentlich im Bereich Katastrophenschutz. In den zurückliegenden neun Monaten aber lag ihr Fokus auf einem anderen Thema: Beate Lemberg leitete die beiden mobilen Impfteams der Malteser, eines war im Landkreis Görlitz eingesetzt, eines in Bautzen. Der Vertrag mit dem Freistaat ist nun ausgelaufen. Und auch das Impfzentrum in Löbau ist seit Donnerstag aufgelöst. Wohin, wenn man doch noch gegen Corona geimpft werden möchte?

Sachsen weiter mit niedrigster Impfquote

Die Abbauarbeiten haben bereits vor Tagen begonnen, nun war der letzte Tag fürs Impfzentrum Löbau. Viel war zuletzt nicht mehr los. Insgesamt ist Sachsen weiterhin das Bundesland mit der geringsten Impfquote bundesweit. 54,6 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Eine Zahl, die zuletzt kaum mehr stieg, vor drei Wochen waren es knapp 53 Prozent. Impfmüdigkeit, die hatten Impfzentrum und Hausärzte gerade auch in Görlitz immer stärker bemerkt.

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Der Kreis stellte seine Strategie um, bot über den Sommer verstärkt Impfaktionen auf Festen und anderen Veranstaltungen an. Eingesetzt waren die mobilen Impfteams von ASB und Maltesern, die bereits seit vorigen Dezember in den Pflegeheimen im Einsatz waren, später auch in Kommunen und Unternehmen. "Ziel war, näher an die Menschen zu kommen", sagt Kai Kranich, Sprecher des DRK Sachsen. "Und die Menschen dort abzuholen, wo sie erleben können, wie es ohne Pandemie ist."

15 Prozent wollen Impfung noch

Mit Ende September ist der Vertrag mit den Maltesern und anderen Institutionen - in Sachsen stellten zum Beispiel auch die Johanniter Impfteams - ausgelaufen. Dennoch, hatte etwa der Landkreis Görlitz kürzlich erklärt, sollen in Zukunft weiterhin mobile Impfteams im Einsatz sein - bis Jahresende. Unter anderem bei den Terminen für Schüler, aber auch bei anderen Impfaktionen. So ist am heutigen Freitag auf dem Reichenbacher Marktplatz eine Impfaktion, am Montag und Dienstag nächster Woche an der Hochschule Görlitz, kommenden Freitag in Markersdorf.

Man geht von noch ungefähr 15 Prozent in der Bevölkerung aus, die einer Impfung nicht ablehnend gegenüberstehen, aber aus verschiedenen Gründen bislang gewartet haben, erklärt Kai Kranich. Dazu kommen jetzt Personen über 70, die sich ein halbes Jahr nach ihrer Zweitimpfung eine Booster-Impfung geben lassen können. Das ist weiterhin bei den Hausärzten möglich. Oder eben bei den Impfaktionen.

Impfteams kommen in die Kommunen

Im Grunde werden diese ähnlich weitergeführt wie im Sommer, erklärt Kai Kranich. Nur, dass jetzt weniger Feste stattfinden. Stattdessen ist vorgesehen, dass die Impfteams im Kreis zu bestimmten Standorten in den Kommunen kommen. Wie oft und regelmäßig ist noch mit den Gemeinden zu klären, sag Kai Kranich. Der ASB stellt ein Impfteam, das DRK ein zweites.

Warum die Malteser jetzt raus sind? Streit habe es keinen gegeben, sagt Kranich. "Eigentlich waren die Impfzentren in Sachsen und die mobilen Impfteams nur bis Ende Juli vorgesehen", erzählt er. "Dann gab es die Verlängerung, für die wir sehr dankbar sind." Die andere Seite: Mit dem Abflauen des Impf-Interesses sei es immer schwerer geworden, zu planen. Wie viele Ärzte, wie viele Helfer, wie viele Impfdosen braucht man? Der Einsatz der mobilen Impfteams halte er deshalb für eine sinnvolle Lösung. Auch eine Möglichkeit, einige der neuen Mitarbeiter noch zu halten.

Abschied von vielen Helfern

Für die Impfzentren in Sachsen und die mobilen Teams wurden viele Helfer eingestellt. "Das sind tolle Mitarbeiter. Natürlich schmerzt es, sie gehen zu lassen", sagt Kai Kranich. Es sei aber nicht so dramatisch wie vorher angenommen. "Viele, die zu uns kamen, stammen aus Berufen, die sie wegen der Pandemie nicht ausführen konnten, jetzt aber zurückkehren können. Das ist schon erleichternd", sagt Kranich. "Denn man kann diesen Leuten nicht dankbar genug sein. Es war von vornherein klar, dass es nur eine temporäre Beschäftigung ist, und dennoch sind sie mit einer solchen Einsatzbereitschaft rangegangen, bis zuletzt."

Schade findet es auf der einen Seite Beate Lemberg, dass sie und ihre Malteser-Kollegen nicht mehr dabei sind. "Es war anstrengend, man musste sich in so viel reinfuchsen, man hat es aber immer irgendwie hinbekommen", erzählt sie. "Und wir sind als Impfteam immer so herzlich empfangen worden. Wir hatten das Glück, dass wir nie Beschimpfungen ausgesetzt waren oder solche Situationen wie im BSZ Zittau erleben mussten." Das ist die andere Seite. Bei einer Schülerimpfung in Zittau hatten Impfgegner vor ein paar Wochen mobil gemacht. Wenn auch nicht selbst erlebt, "man macht sich sehr viele Gedanken."

Testzentrum am Klinikum bleibt

Bei den Maltesern waren viele im Impfteam, die bislang im Fahrdienst gearbeitet hatten - der aber lange nicht oder nur eingeschränkt möglich war, erzählt Beate Lemberg. Sie bestätigt: Die meisten von ihnen gehen jetzt zurück in den Fahrdienst, der wieder möglich ist. "Ich bin froh, dass ich keine Kündigung aussprechen musste." Zwei weitere, neue Mitarbeiter, sind jetzt im ehemaligen Einwohnermeldeamt in Görlitz eingesetzt: dem Malteser-Testzentrum. "Das werden wir weiterführen", erklärt Beate Lemberg.

"Wir werden sehen, wie es läuft." Gerade, wenn die Tests kostenpflichtig werden. "Derzeit sind sie noch kostenlos", erklärt Beate Lemberg. Ab dem 11. Oktober wird dann voraussichtlich ein Schnelltest 18 Euro und ein PCR-Test 22 Euro kosten. Auch das Testzentrum soll voraussichtlich bis Ende des Jahres bestehen bleiben.

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