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Viele Fahrschüler - zu wenige Fahrlehrer

Fahrschulen in Görlitz und Niesky haben derzeit gut zu tun, mitunter gibt es sogar Wartelisten. Die drohen jetzt länger zu werden.

Fahrlehrer Bernd Gritzner sorgt sich, weil es kaum Fahrlehrer-Nachwuchs gibt.
Fahrlehrer Bernd Gritzner sorgt sich, weil es kaum Fahrlehrer-Nachwuchs gibt. © André Schulze

Seit genau 17 Jahren gibt es in Görlitz die Fahrschule mit Bernd. Über das kleine Jubiläum freut sich der Inhaber Bernd Gritzner. Aber eine Sache trübt die Feierlaune.

Bernd Gritzner hat vier angestellte Fahrlehrer. Vor Kurzem waren es noch fünf. Einen verlor er an die Bundeswehr. Dort werde offensichtlich besser bezahlt, vermutet Gritzner. Dabei kann er zurzeit jeden Fahrlehrer brauchen, denn die Nachfrage ist groß. Derzeit wollen vor allem junge Menschen einen Führerschein machen.

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Fahrlehrerausbildung ist teuer

Gritzner, der selbst Fahrlehrer ausbilden kann, würde das gerne tun. Zwei Probleme stehen dem entgegen: Er findet keine Fahrlehrer-Anwärter und die Finanzierung der Ausbildung ist teuer und schwierig. Der Fahrlehrer erklärt: Die Ausbildung dauert mehr als ein Jahr. Sie umfasst etwa acht Monate schulische Ausbildung und vier Monate in der Praxis. Dazu kommen noch die Prüfungszeiten. 

Zwischen 11.000 und 16.000 Euro kostet die Ausbildung eines Fahrlehrers für die Klasse B. Kommt die für Motorrad beispielsweise dazu, steigen die Kosten. Während der Ausbildung hat der angehende Fahrlehrer kein Einkommen. Die Ausbildung läuft nicht berufsbegleitend, sondern in Vollzeit.

Wer Fahrlehrer werden möchte, muss  bereits einen Beruf erlernt oder Abitur haben. Theoretisch wäre eine Umschulung zum Fahrlehrer möglich. Das Jobcenter fördert das derzeit aber nicht, sagt Gritzner und benennt ein Beispiel: Will vielleicht ein Koch Fahrlehrer werden, lehnt das Jobcenter die Förderung ab, weil es genügend freie Koch-Stellen gibt, in die das Jobcenter den Koch viel lieber vermittelt. Ähnlich sehe es bei der Arbeitsagentur aus, erklärt der Fahrlehrer und denkt daran, dass der Fachkräftemangel inzwischen in vielen Branchen angekommen ist.

Chance für Ältere und Frauen

Gerd Große betreibt in Niesky eine Fahrschule. Er fährt selbst und beschäftigt einen Fahrlehrer. Gern hätte er noch einen zweiten. "Ich finde aber keinen", sagt er. Bei jungen Leuten sei der Beruf des Fahrlehrers nicht attraktiv genug.

In diese Kerbe schlägt der Görlitzer Fahrlehrer Ronny Otto. Angesichts der Preise für eine Fahrstunde - sie liegen im Kreis zwischen 29 und 48 Euro - würde für den Fahrlehrer nicht viel mehr als der Mindestlohn drin sein, sagt er. Da sei es verständlich, dass kaum jemand Fahrlehrer werden möchte.

Ronny Otto, der selbst Fahrlehrer ausbildet, sieht diesen Beruf jedoch als Chance für Menschen, die sich in ihrer späteren Berufskarriere umorientieren möchten. "Der Älteste, den ich zum Fahrlehrer ausbildete, war 63", erzählt er. Auch für Frauen sei der Beruf eine Chance. Bernd Gritzner: "Es gibt Fahrschüler, die würden ihre praktischen Fahrstunden lieber mit einer Frau fahren", berichtet er und kann diesen Wunsch in seiner Fahrschule nicht erfüllen.

Fahrlehrer gehen nicht in Ruhestand

Mittlerweile gibt es bei den Preisen für eine Fahrstunde eine Entwicklung, die den Fahrlehrern bessere - keine üppige - Bezahlung ermöglicht. Bei Bernd Gritzner kostet die Fahrstunde 45 Euro, bei Gerd Große 43 Euro. "Klar würden wir gern mehr nehmen, um unsere Fahrlehrer besser zu bezahlen, aber wir müssen die Löhne hier in der Region bedenken", erklärt Gerd Große.

Alle drei Fahrlehrer machen sich Sorgen. Sie bedauern, dass es überhaupt Wartelisten für die Fahrschule gibt. Andererseits sehen sie eine Verschärfung der Situation. Denn in den nächsten Jahren gehen immer mehr Fahrlehrer in den Ruhestand. Gerd Große ist 61, Bernd Gritzner 51, Ronny Otto 56, sie selbst haben also noch mehr oder weniger Zeit bis zur Rente.

Wobei Ronny Otto zu bedenken gibt, dass viele Fahrlehrer über das Rentenalter hinaus fahren - sie müssen es zum Überleben. Denn es gebe etliche, die sich 1990 selbstständig machten, aus der gesetzlichen Krankenkasse in die private wechselten und heute dafür Beiträge bis zu 500 Euro im Monat leisten. Viele hätten als Selbstständige nicht mehr in die Rentenkasse eingezahlt und bekämen nun kaum Rente. "Ich kenne einige, die bis zum Schluss als Fahrlehrer unterwegs waren, weil sie sonst nicht über die Runden gekommen wären", sagt Otto. 

Bernd Gritzner ist überzeugt, dass die ganze Dramatik der Lage in den Fahrschulen bislang nicht erkannt wird. Dabei sei der Beruf des Fahrlehrers ein schöner. "Ich habe mit interessanten Menschen zu tun und kann mir die Arbeitszeit einteilen", benennt er zwei Vorteile. Und Leute, die den Führerschein machen möchten, gebe es immer.

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