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Vorspiel ohne Lampenfieber

Erstmals wird der Wettbewerb "Jugend musiziert" vollständig online ausgetragen - wegen Corona. Das hat für vier Görlitzer Schüler manches verändert.

Von Ines Eifler
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Zwei Görlitzer Duos haben es in diesem Jahr in den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert geschafft: Die Musikschüler Valentin Melzer, Matilda Nedo, Hannes Max Ludwig und Anna Dribas (v. l.).
Zwei Görlitzer Duos haben es in diesem Jahr in den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert geschafft: Die Musikschüler Valentin Melzer, Matilda Nedo, Hannes Max Ludwig und Anna Dribas (v. l.). © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Mit Herzklopfen vor dem Publikum zu stehen, das Beste geben zu wollen, aufgeregt zu sein in der Hoffnung, dass alles gelingt und so schön klingt wie nie zuvor – die vier jungen Musiker, die in diesem Jahr am Wettbewerb Jugend musiziert teilnahmen und es bis zum Bundesausscheid geschafft haben, kennen das gut.

Doch das klassische Lampenfieber sei es diesmal nicht gewesen, das sie anspornte, sagt die 15-jährige Geigerin Matilda Nedo, die schon Geige spielt, seit sie vier ist, und schon viele Male an Jugend musiziert teilgenommen hat. "Diesmal war es eine ganz andere Art von Aufregung, obwohl wir wussten, dass wir das Video mehrmals aufnehmen können." Ihr Begleiter in der Wertung Duo Klavier/Streicher war der 16-jährige Pianist Valentin Melzer, der schon seit seinem fünften Lebensjahr Klavier spielt, aber jetzt zum ersten Mal bei Jugend Musiziert dabei war.

Wettbewerb per Videoaufnahme erhöht eigenen Druck

Bei einer Videoaufnahme sei der Anspruch an sich selbst viel höher, sagt er. "Man macht sich mehr Druck." Wenn man jemandem vorspielt, sei man auch aufgeregt, bekomme aber Applaus vom Publikum und danach sei der Auftritt vorbei. Bei einer Videoaufnahme hingegen sei man sich selbst gegenüber viel kritischer, wolle alles perfekt machen und die Freude darüber, das Publikum begeistert zu haben, fehle.

So ging es auch der 14-jährigen Sängerin Anna Dribas und dem 17-jährigen Pianisten Hannes Ludwig. Sie sind das zweite Duo, das im Regional- und Landeswettbewerb, die diesmal zusammengelegt waren, so gut abschnitt, dass die beiden am Bundesausscheid teilnehmen durften. Auch sie hatten den Anspruch, eine makellose Aufnahme abzuliefern. "Wenn man eine unbegrenzte Anzahl an Möglichkeiten hat, kann das Druck machen", sagt Hannes Ludwig, der die Videos aufgenommen hat. "Aber es hatte auch Vorteile", sagt Anna. "Dadurch konnten wir uns selbst besser beurteilen und unsere Beiträge so oft aufnehmen, bis wir zufrieden waren."

Beim Landeswettbewerb mussten die Teilnehmer ein ungeschnittenes Video einreichen, beim Bundeswettbewerb durften sie zwischen den Stücken, aber nicht innerhalb der einzelnen Beiträge schneiden. Die Empfehlung der Jury war jedoch, nicht zu viele Aufnahmen zu machen. Matilda Nedo sagt sogar: "Tatsächlich war gleich unsere erste Aufnahme die beste."

Bremenfahrt zum Bundeswettbewerb fiel aus

Hinter den vier Schülern liegt nicht nur ein besonderer Wettbewerb, sondern auch eine besondere Vorbereitungszeit. Denn in den Proben waren die Schüler meist zu zweit, ohne Lehrer, deshalb verbrachten sie diese Zeit intensiver miteinander als gewöhnlich. Hannes' Klavierlehrerein Nicole Kunze und Annas Gesangslehrerin Anke-Elisabeth Bertram waren häufig per Videochat zugeschaltet, weil sich über viele Wochen nicht mehr als zwei Haushalte treffen durften. Bei Matilda und Valentin verfolgten die Violinenlehrer Dalibor Tuž und der Pianist Björn Bewerich die Proben per Chat mit.

Alle vier Schüler traten zum ersten Mal im bundesweiten Vergleich mit zahlreichen weiteren Musikschülern an. "Ich bedauere es, dass wir nicht nach Bremen fahren können", sagt Anna Dribas. "Ich hätte auch gern die Beiträge der anderen Teilnehmer erlebt." Bis Ende März war noch offen gewesen, ob der Bundeswettbewerb vor Ort stattfinden oder die Jury die Teilnehmer nach ihren Videobeiträgen einschätzen würde. Mit Verlängerung des Lockdowns kam dann die Entscheidung gegen eine Präsenzveranstaltung in Bremen.

Für die beiden Klavierspieler Valentin und Hannes ist das besonders bedauerlich, denn für sie war es vielleicht die letzte Teilnahme an Jugend Musiziert. Im nächsten Jahr werden sie sich um diese Zeit auf ihre Abiturprüfungen vorbereiten und den Musikwettbewerb voraussichtlich zurückstellen müssen.

Von der Musikschule zum Musikgymnasium in Dresden

Musiker will zunächst keiner der vier werden. "Dazu bin ich nicht gut genug", sagt Hannes. Er möchte eher Physik studieren. Valentin Melzer wünscht sich, Musiklehrer an einem Gymnasium zu werden. Matilda sagt, obwohl sie die Musik liebe und sich jedes Mal auf die Atmosphäre bei Jugend musiziert freue, soll ihr Geigenspiel ein Hobby bleiben. Sie wolle lieber Mathelehrerin werden.

Und Anna, deren Eltern beide Musiker am Theater sind, sagt: "Mal sehen." Zumindest hat sie sich während der Vorbereitungen auf den Wettbewerb Jugend musiziert auch auf die Aufnahmeprüfung am Musikgymnasium Carl Maria von Weber in Dresden vorbereitet und ist glücklich, angenommen worden zu sein. "Ich entscheide später, was ich werden möchte", sagt sie. "Erst einmal möchte ich meine Schulzeit genießen und freue mich auf die nächsten Jahre in Dresden."

Wie die Jury von Jugend musiziert die vier Görlitzer Jugendlichen einschätzt und ob sie Preise für ihre Aufnahmen bekommen, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Ende dieser Woche beginnt die Auswertung auf Bundesebene.

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