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Er ist der Produktionschef von 300 Mitarbeitern

Der Görlitzer Daniel Kupper ist einer der dienstältesten Mitarbeiter in den Görlitzer Werkstätten. Unternehmen wie Timber aus Kodersdorf sind dort Kunde.

Daniel Kupper ist Leiter der Produktion in den Görlitzer Werkstätten. Holz ist dem gelernten Tischler aber noch immer der liebste Werkstoff.
Daniel Kupper ist Leiter der Produktion in den Görlitzer Werkstätten. Holz ist dem gelernten Tischler aber noch immer der liebste Werkstoff. © Martin Schneider

Daniel Kupper erinnert sich genau, als ein Freund von der Zivildienststelle bei den Görlitzer Werkstätten berichtete. Die Dienstzeit des Freundes war um, die Stelle vakant. Daniel Kupper bekam sie. Damals ahnte er nicht, dass er mehr als zweieinhalb Jahrzehnte später im 30. Jahr des Bestehens der Werkstätten einer der dienstältesten Mitarbeiter sein würde. Doch der Reihe nach.

Im April 1991 wurde die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfMB) aus einer Elterninitiative gegründet. So, wie sich der sperrige Name des Vereins "Gemeinnütziger Verein zur beruflichen und lebenspraktischen Förderung Behinderter in Görlitz" in "Görlitzer Werkstätten" verkürzte, so verlängerten sich mit der Zeit die Listen der Mitarbeiter, Betreuer, Aufgabenfelder und Produkte.

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Vom Rollwagen bis zu 200 Tonnen Holzbriketts im Jahr

Daniel Kupper fand Gefallen am Zivildienst in der Werkstatt. Nicht nur, weil er als ausgebildeter Tischler seine Fähigkeiten und Fertigkeiten aus der Lehre beim Görlitzer Tischler Menzel einbringen konnte. "Ich habe bei Herrn Menzel sehr viel gelernt, aber ich habe dort eben kaum Kontakt zu anderen Menschen gehabt", erzählt der 48-Jährige. Die Zusammenarbeit mit benachteiligten Menschen war für ihn eine völlig neue Erfahrung. So bewarb er sich nach dem Zivildienst auf die freie Tischlerstelle in der Werkstatt.

Daniel Kupper, der gebürtige Görlitzer mit dem Fünf-Minuten-Arbeitsweg per Fahrrad, arbeitete bislang die meiste Zeit als Tischler in den Görlitzer Werkstätten. Anfangs half er dabei Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance hatten, die Grundlagen der Tischlerei zu vermitteln. Er baute die Tischlerei in den Görlitzer Werkstätten mit auf, damals noch auf der Goethestraße, später in dem Gebäude hinter dem Schützenhaus.

In den ersten Jahren gab es wenige Aufträge, sodass Eigenprodukte kreiert wurden, darunter Rollwagen. "Manchmal brachte jemand einen Stuhl oder ein Möbelstück zur Reparatur. Auch das haben wir erledigt", erzählt Daniel Kupper und muss schmunzeln, wenn er vergleicht, was heute durch die Tischlerei geht. "Wenn es gut läuft, rollt ein- oder zweimal in der Woche ein 40-Tonner Lkw vom Hof, wenn HS Timber für Kodersdorf Verpackungshölzer abholt", erklärt er. Auch die 200 Tonnen Holzspäne, die in einem Jahr zu Briketts verpresst werden, vermitteln ein Bild vom Wachstum der Tischlerei. Mittlerweile hat sie 24 Mitarbeiter und ist im Dienstleistungszentrum der Görlitzer Werkstätten auf der Friedrich-Engels-Straße ansässig.

Auf der Friedrich-Engels-Straße im Görlitzer Stadtteil Weinhübel haben die Görlitzer Werkstätten ihr Dienstleistungszentrum etabliert.
Auf der Friedrich-Engels-Straße im Görlitzer Stadtteil Weinhübel haben die Görlitzer Werkstätten ihr Dienstleistungszentrum etabliert. © Martin Schneider

Verantwortung übernehmen

Es ist gerade diese Entwicklung der Werkstätten, in denen heute mehr als 300 Menschen mit Behinderung eine Aufgabe finden, die Daniel Kupper in seiner Arbeit motiviert. Und es sind Menschen wie André Maywald und Heiko Kreisch, denen die Werkstätten und Daniel Kupper selbst viel verdanken. Maywald kam zu einer Zeit, als die Görlitzer Werkstätten in Schieflage zu geraten drohten und strukturierte um. Mit Kreisch verbindet Kupper blindes Vertrauen. Das bewährte sich besonders, als Daniel Kupper wegen eines Unfalls für längere Zeit ausfiel.

Der 48-Jährige wuchs mit den Aufgaben, fuchste sich in viele Dinge ein, schlug Neues vor und übernahm Verantwortung. Erst für die Tischlerei, schließlich vorübergehend als Krankheitsvertretung des Produktionsleiters. Als absehbar war, dass die Erkrankung des Vorgesetzten langwieriger sein würde, übernahm Daniel Kupper wieder Verantwortung und dessen Aufgaben. Seitdem ist der 48-Jährige für die gesamte Produktion verantwortlich, also nicht nur für die Tischlerei, sondern auch für Wäscherei, Druckerei, zwei Montage-Abteilungen und auch für Werkstatt-Mitarbeiter, die Arbeitsplätze in Unternehmen der Region haben. Eine Zeit lang war Daniel Kupper Betriebsrat in den Werkstätten. Doch er entschied sich damals für den Fachbereich. "Der war mir wichtiger", sagt er. Seit diesem Jahr erhalten die Angestellten in den Görlitzer Werkstätten übrigens Tariflohn.

In der Tischlerei der Görlitzer Werkstätten fallen jedes Jahr etwa 200 Tonnen Holzspäne an. Die werden zu Briketts verpresst.
In der Tischlerei der Görlitzer Werkstätten fallen jedes Jahr etwa 200 Tonnen Holzspäne an. Die werden zu Briketts verpresst. © Martin Schneider

"Hier kann ich etwas bewirken."

Berufsbegleitend absolviert Daniel Kupper derzeit eine Weiterbildung zum Technischen Fachwirt (IHK). Auch das ordnet der sechsfache Vater und Landwirt im Nebenerwerb in sein Leben ein. Er will es so. Die Landwirtschaft bleibt Nebenerwerb, denn viel zu viel Freude macht ihm die Arbeit in den Görlitzer Werkstätten. "Es ist ein einzigartiges Umfeld hier mit einer Tiefe an Herausforderungen, die man sonst nirgends hat", erklärt er. Vor allem die stetige Entwicklung, an der er teilhaben kann, ist für Daniel Kupper Motivation. Und die Möglichkeit, Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft wahrgenommen werden, zu fördern. "Hier kann ich wirklich etwas bewirken im Leben einzelner Menschen", sagt er.

Seine christliche Erziehung spiele da mit rein. "Es gibt mir eine andere Demut, dieses Privileg, selbst ohne Behinderung tätig sein zu können", erklärt er. Er fühle sich jeden Tag aufs Neue dazu aufgefordert, Gutes zu tun. Die Kraft dafür tankt Daniel Kupper bei seiner Familie. Wenn das Familienleben stimmt, könne man auch nach außen strahlen, sagt er und merkt selbst vielleicht gar nicht, wie er strahlt.

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