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Wie die Kunden über die Görlitzer Adler-Filiale reden

Der Modemarkt im Neiße-Park muss schließen. Die einen gehen auf Schnäppchenjagd, die anderen kritisieren das Angebot. Über eins sind sich aber alle einig.

Wie lange wird das pinke Adler-Schild noch im Görlitzer Neiße-Park hängen?
Wie lange wird das pinke Adler-Schild noch im Görlitzer Neiße-Park hängen? © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Sie scheint fündig geworden zu sein. Eine Frau betritt mit ihrer Familie den Adler-Modemarkt im Neißepark in Königshufen. Ihren Namen mag sie zwar nicht verraten, aber dafür, was sie sucht: ein weißes Bolero-Jäckchen. Bei Adler war sie schon länger nicht mehr, erzählt sie. "Aber vielleicht haben sie was, das in die Festmode geht", hofft sie. Mit einem weißen Jäckchen und einer kleinen weißen Tasche verlässt sie das Geschäft später wieder.

Im Eingangsbereich steht ein Aufsteller mit einer goldenen Luftballon-Zehn, für das 10-jährige Jubiläum des Online-Shops. Auf den werden Görlitzer Adler-Kunden wohl in Zukunft setzen oder nach Bischofswerda oder Dresden fahren müssen. Denn der Adler-Modemarkt in Görlitz gehört zu den 40 von 142 in Deutschland, die schließen sollen.

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Was aus den Filialräumen wird - noch viele Fragezeichen

Wann, dazu hat sich noch nichts Neues ergeben. "Die notwendigen internen Abstimmungsprozesse laufen noch", erklärt Peter Dietz, der die Pressearbeit für das Unternehmen betreibt. Somit ist auch noch offen, wie es mit den Geschäftsräumen des Modemarktes im Neißepark weitergeht. Adler hat seine Filialräume am südlichen Rand, zur Schlesischen Straße hin. Es gibt Planungen, sagt Christian Albrecht von CEV-Handelsimmobilien, aber noch keine konkreten Vorhaben.

Klar ist derweil, dass der neue Leiter des Neißeparks mit dem 1. Oktober in Görlitz starten wird, erzählt Christian Albrecht. Der Neißepark gehört zum Hamburger Unternehmen CEV. Albrecht ist der Leiter des Center-Managements bundesweit. Im Moment ist er auch kommissarischer Center-Manager für den Neißepark, nachdem dessen bisheriger Leiter Sevket Demir vor Kurzem zurück in seine Heimat Hannover gegangen ist. CEV hatte in den vergangenen Jahren Millionen in den Neißepark gesteckt und ihn zu einem Fachmarkt- und Geschäftscenter ausgebaut. Im Mittelpunkt steht unverändert die Filiale von Marktkauf.

Beliebt und verachtet

Familie Bundtke aus Bernstadt war ausgiebig shoppen im Adler. Sie bedauern die Schließung.
Familie Bundtke aus Bernstadt war ausgiebig shoppen im Adler. Sie bedauern die Schließung. © Foto: Susanne Sodan

Bereits seit 1997 gibt es den Adler-Markt in Königshufen. Über die Schließung nun gehen die Meinungen in den sozialen Netzwerken stark auseinander. "Kein Verlust für die Stadt. Es ist ja kaum jemand drin", schreibt ein Facebook-Nutzer. Sie habe dort "so gut wie nie irgendwas gefunden, was zu meinem Typ passt, mir gefällt und preislich hinhaut", schreibt eine andere Nutzerin. Zu "altbacken" die Mode, finden viele.

Andere sagen genau das Gegenteil - gerade für die Älteren sei die Schließung ein großer Verlust: "Wo gibt es noch tragbare Garderobe für Ältere? Da muss man erst weit fahren." Sie könne die negativen Meinungen nicht bestätigen, schreibt eine Görlitzerin: "Es war stets ein umfangreiches Angebot. Die Verkäufer waren immer sehr nett, sonst wären wohl nicht so zahlreiche Kunden dort." Gerade um die 20 Mitarbeiter tut es offenbar vielen leid. Manche sollen von Beginn an dabei sein.

Nein, am Personal hat es sicher nicht gelegen, sagt eine Frau um die 60, die das Geschäft verlässt. "Die Mitarbeiter sind immer hilfsbereit." Das Meinungsbild im sozialen Netzwerk Facebook spiegelt sich auch in einer kleinen SZ-Umfrage vor dem Adler-Modemarkt in Königshufen. Dass Adler schließen soll, bedauert eine Kundin einerseits, die aber nicht mit dem Namen in der Zeitung erscheinen will: "Wir haben in Görlitz nicht so viele Modegeschäfte." Andererseits: "Viele Kunden gehen auch wieder, ohne was zu kaufen." Nach modischen, "flotten" Stücken müsse man schon manchmal lange suchen. Sie vermutet, die Görlitzer Filiale wird vielleicht nicht so gut beliefert wie andere. "Das war ja bei Karstadt damals ähnlich." 2009 schloss das Görlitzer Kaufhaus, in dem mehrere Jahre Karstadt, zuletzt Hertie zu finden war.

Mode auch in großen Größen

"Sie sehen ja, ich habe keine Beutel dabei", sagt die nächste Frau, die Adler verlässt. Ein Boho-Kleid habe sie gesucht. Bei einem, bei dem ihr die Machart gefiel, habe aber die letzte verbliebene Größe nicht gepasst. Auch sie hat den Eindruck: "Das entspricht nicht dem heutigen Stand. Bei manchen Sachen denkt man wirklich, schade um den Stoff."

Eine Frau aus Köln, die zu Gast in Görlitz ist, sieht das komplett anders. Die Kölner Adler-Filiale sei bereits geschlossen, erzählt sie. Dass auch die Görlitzer schließen soll, finde sie "sogar sehr schade. Es gibt hier auch Sachen in meiner Größe und nicht nur Standard." Oft erlebe sie es, dass Sachen in großen Größen möglichst dunkel und gedeckt seien, "hier gibt's die auch in Farbe". Die Qualität sei auch gut.

Bedauern auch bei Gudrun und Dieter Tetzner: "Das Angebot ist gut und vor allem auch die Bedienung", sagt Dieter Tetzner. Wo gebe es das sonst noch, dass man beim Jacken- oder Hosenkauf so beraten werde.

Veronika Weikert und ihre Tochter Anja sind zwiegespalten. Sie wohnen in der Görlitzer Innenstadt, erzählen sie, fahren zwar eher selten nach Königshufen raus. Dass die Filiale geschlossen wird, finden sie dennoch schade. Es stimme schon, "mitunter ist die Mode eher für Ältere", sagt Veronika Weikert. Andererseits, ihre Tochter deutet durch die Schaufensterscheibe, gibt es auch Marken-Kleidung, die auf ein jüngeres Publikum ausgelegt ist.

Adler noch in Insolvenz

Familie Bundtke jedenfalls tritt mit gut gefüllten Taschen aus der Tür. Sie kommen aus Bernstadt, wenn sie nach Görlitz fahren, dann machen sie schon auch mal einen Stopp bei Adler. "Doch, wir bedauern es", sagen sie über die Schließung.

Hintergrund ist, dass Adler Anfang des Jahres Insolvenz anmelden musste. Zuletzt wurde das Unternehmen durch ein Zehn-Millionen-Euro-Darlehen aus dem Wirtschaftsstabilisierungfonds des Bundes gestützt, um das Geschäft in der Insolvenz am Laufen halten und nach einem Investor suchen zu können. Das Unternehmen hatte den Schritt mit den starken Umsatzeinbußen während der Lockdowns begründet. Wie das Handelsblatt mit Verweis auf Branchenkenner schreibt, gebe es aber auch einige hausgemachte Probleme.

Voraussichtlich wird das Berliner Unternehmen Zeitfracht die Modekette übernehmen. Medienberichten nach soll in Zukunft etwa das Onlinegeschäft ausgebaut werden und es künftig ein größeres Angebot vor allem im Bereich der Nicht-Textilien geben. Der Görlitzer Filiale wird das nicht mehr viel nützen. "Bezüglich der Auswahl der betroffenen Standorte wurden unterschiedliche Entscheidungskriterien berücksichtigt", erklärte Pressesprecher Peter Dietz kürzlich. Warum es Görlitz konkret traf, ließ er aber offen.

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