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Wie die Malteser zuerst nach Görlitz kamen

Vor 30 Jahren musste auch das Sozialwesen neu aufgebaut werden. Die Stadt an der Neiße schrieb dabei Geschichte fürs ganze Land.

© Malteser Görlitz

Von Joachim Rudolph, Diözesanleiter der Malteser

Mit der friedlichen Revolution 1989 fielen nicht nur Mauern, sondern es öffneten sich auf einmal zahlreiche Türen für Neues. Aufbruchsstimmung war spürbar: Wendezeit. Wer Mut hatte, wagte etwas. Malteser? Kannten wir Görlitzer (noch) nicht. Ein Hilfstransport, zusammengestellt aus verschiedenen Fahrzeugen vom schon etwas altersschwachen Lkw bis zum „Barkas“ und weiteren Autos, alle versehen mit der Aufschrift „Görlitz hilft Rumänien“.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Beladen mit vielen Lebensmitteln, Textilien, Decken, Schuhen, Werkzeugen, starteten wir Ende Dezember 89 nach Rumänien. Wir hatten zur Zeit der Wende viel Hilfe erfahren aus der damaligen Bundesrepublik, nun wollten wir gern anderen Hilfe schenken, die jetzt in großer Not waren.

So sah die Geschäftsstelle der Malteser auf dem Mühlweg vor der Sanierung aus.
So sah die Geschäftsstelle der Malteser auf dem Mühlweg vor der Sanierung aus. © Malteser Görlitz
Erste Wagen der Malteser in Görlitz.
Erste Wagen der Malteser in Görlitz. © Malteser Görlitz
Die Rückseite der heutigen Geschäftsstelle der Malteser auf dem Görlitzer Mühlweg.
Die Rückseite der heutigen Geschäftsstelle der Malteser auf dem Görlitzer Mühlweg. © Malteser Görlitz
Die sanierte Geschäftsstelle auf dem Mühlweg mit moderner Fahrtechnik.
Die sanierte Geschäftsstelle auf dem Mühlweg mit moderner Fahrtechnik. © Malteser Görlitz
Ein Blick auf die Geschäftsstelle der Görlitzer Malteser, in der sich auch eine Tagespflege befindet.
Ein Blick auf die Geschäftsstelle der Görlitzer Malteser, in der sich auch eine Tagespflege befindet. © Malteser Görlitz

Unser Zwischenziel war Budapest. Dort lernten wir eine Gruppe deutscher Malteser kennen, die von Ungarn aus Humanitärtransporte und Aktionen für das bedrängte rumänische Volk und die im Lande lebenden nationalen Minderheiten, Ungarn und Deutsche, organisierten. Der Einsatz dieser Malteser im Stadtteil Zugliget in Budapest beeindruckte uns sehr. Wir erfuhren auch, wie die Malteser zuvor mehr als 55.000 DDR-Flüchtlingen Obdach gewährt hatten bis zu ihrer Ausreise in den Westen. Nun wurde von diesem Ort die Nothilfe für Rumänien koordiniert und organisiert. Ausgerüstet mit zahlreichen Ratschlägen und praktischen Hilfen wie Piktogrammen mit dem Aufdruck „Humanitärtransport“ für unsere Weiterfahrt, fuhren wir ins Innere des Landes Rumänien. Aufgewühlt von den vielen Erlebnissen und Begegnungen, kehrten wir gesund nach Görlitz zurück.

Für mich gab es im Rückblick auf die vielen Ereignisse unterwegs nur eines: Malteser sollte es auch in Görlitz geben. Diese Idee traf zusammen mit den Bemühungen des katholischen Bischofs von Görlitz, der Caritas und den Maltesern in Speyer und Köln, einen Hilfsdienst im Osten aufzubauen. Mit Bernd Schmuck, dem jetzigen Krankenhausseelsorger am Malteser-Krankenhaus St. Carolus, wurde der erste hauptamtliche Beauftragte berufen.

Am 14.September 1990 konnte die erste Gliederung des Malteser-Hilfsdienstes in den neuen Bundesländern in unserer Stadt Görlitz gegründet werden mit 14 Helfenden. Bis heute stehen im Mittelpunkt des haupt-und ehrenamtlichen Engagements der Malteser die Betreuung kranker und alter Menschen, Mahlzeitendienste, Fahrdienste, Besuchs-und Begleitdienste, Ausbildung zu Schwesternhelferinnen und Pflegehelfern sowie Erste-Hilfe-Kurse, Ambulante Pflege und hauswirtschaftliche Versorgung, Katastrophenschutz, Jugendarbeit, Hospizdienst und Hilfe in Trauersituationen, der Hausnotruf und der Integrationsfachdienst für Behinderte.

Bernd Schmuck engagierte sich bei der Gründung des Malteser Hilfsdienstes in Görlitz. Heute ist er als Seelsorger im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz tätig.
Bernd Schmuck engagierte sich bei der Gründung des Malteser Hilfsdienstes in Görlitz. Heute ist er als Seelsorger im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz tätig. © Pawel Sosnowski

Aus dem zarten Pflänzchen des Anfangs vor 30 Jahren ist inzwischen ein starker Baum geworden mit kräftigen Zweigen, den Diensten. Und von Görlitz aus wuchs die Malteserarbeit ins Bistum hinein, sodass wir heute auf Niederlassungen in Cottbus, Hoyerswerda und Lübbenau schauen können. Unsere Arbeit steht unter dem Motto: “Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen.“ Dieser Leitspruch des vor über 900 Jahren gegründeten Malteser-Ordens prägt uns, gibt uns Orientierung, weist auf unser christliches Fundament hin, ist uns Halt.

Bernhard Wittig (li.) leitet seit Jahren die Geschäftsstelle in Görlitz.
Bernhard Wittig (li.) leitet seit Jahren die Geschäftsstelle in Görlitz. © Pawel Sosnowski

Heute ist eine gut funktionierende Dienststelle auf dem Görlitzer Mühlweg Anlaufpunkt für die Mitarbeiter. Zugleich befindet sich im Haus auch ein Ort für Seniorenbetreuung, die „Tagespflege St. Hedwig.“ Unser Malteser-Haus wird seit Jahrzehnten umsichtig und bestens koordiniert geleitet von Bernhard Wittig. Inzwischen sind wir 120 hauptamtlich Tätige und ca. 150 ehrenamtliche Helfer. Eine feste gute Gemeinschaft! Die Malteser der Bistümer Dresden und Görlitz werden heute geführt in einer gemeinsamen Hauptgeschäftsstelle in Dresden. Auf unseren Malteser-Fahrzeugen steht neben dem Malteser-Logo, einem achtspitzigen Kreuz, das auf die Seligpreisungen der Bergpredigt weist, ein markanter kurzer Satz: „…weil Nähe zählt.“ 

Die Malteser engagieren sich auch im Katastrophenschutz. Hier ging es um eine Übung 2009. 
Die Malteser engagieren sich auch im Katastrophenschutz. Hier ging es um eine Übung 2009.  © Archiv: Pawel Sosnowski
jedes Jahr laden Malteser und Caritas über 200 Senioren oder Bedürftige zu einer Adventsfeier in das Wichernhaus ein. 
jedes Jahr laden Malteser und Caritas über 200 Senioren oder Bedürftige zu einer Adventsfeier in das Wichernhaus ein.  © Archiv: Pawel Sosnowski
Gute Stimmung, trotz großer Aufgabe: Die Malteser in einer Ruhepause bei der Fluthilfe an der Elbe in der Sächsischen Schweiz. Rechts in der ersten Reihe unser Autor Joachim Rudolph.
Gute Stimmung, trotz großer Aufgabe: Die Malteser in einer Ruhepause bei der Fluthilfe an der Elbe in der Sächsischen Schweiz. Rechts in der ersten Reihe unser Autor Joachim Rudolph. © Foto: privat

Trotz Corona wollen wir sagen: Du, Mensch, bist mir wichtig und ich bin für dich da. Darum ist Nächstenliebe für uns keine Floskel, nichts Theoretisches, sondern heißt: Sorge, Einsatz, Engagement für den Menschen – direkt und lebensnah. Daraus wächst Freude. Und diese Freude am Dienst für den Menschen teilen wir als Malteser gern mit – auch für die nächsten Jahrzehnte.

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